Von Moor zu Meer
27. Juli 2015

Die Wetter­aus­sichten haben sich leider nicht verbessert, so dass für heute und auch die kommenden Tage bis zur Abfahrt jeden Tag mit Regen zu rechnen sein wird. Wir beschließen daher, die 4‑Stunden-Wanderung  im Store Mosse-Park zu canceln und statt­dessen das Besucher­zentrum mit Aussichtsturm zu besuchen und anschließend eine Wanderung zu einem Moorsee zu machen. Beides ist auch bei Regen ohne Probleme und mit Regen­jacke gut machbar.

Was uns heute und auch später im Verlauf des Tages immer wieder auffällt: Es sind extrem viele deutsche Womos unterwegs. Auf unserem nächt­lichen Stell­platz waren 4 von 4 Womos aus Deutschland. Und an der Infowand, wo es netter­weise an Kästchen mit Natio­nal­parks­bro­schüren gab, war das Fach für Englisch und Schwe­disch gut gefüllt — lediglich Deutsch war leerge­räubert.

Die Aussicht vom Fågeltorn (dem Vogelturm) über das Moor und den großen See Kävsjön ist dann zwar beein­dru­ckend weitläufig, aber mit dem grauen Himmel auch irgendwie trist. Wir brechen daher schnell wieder auf zum nächsten Wander­park­platz für die Mini-Wanderung zum Moorsee Svart­gölen. Bei weitem nicht so spekta­kulär wie gestern noch im Tiveden, aber ein sehr nett angelegter Spazierweg, auf dem man sich im Vergleich zu gestern fühlt wie auf einer luxuriösen Autobahn.

Auch der Weg zum See ist auf den letzten Metern vorbildlich mit einem breiten Steg durch die Sumpf­land­schaft erschlossen. Annette bemerkt treffend: “Wie Yellow­stone, nur dass nichts dampft und stinkt.” Der eigentlich Star dieser Landschaft ist aber nicht die große Weite und eigentlich auch nicht der See, sondern vielmehr die Moorve­ge­tation am Wegesrand. Da gibt es wieder viel zu bestaunen und wegzu­fo­to­gra­fieren, was wir als botanische Vollnieten nicht benennen, aber um so mehr bestaunen können. Und irgendwie ist dies auch bei dem tristen Niesel­regen, der mittler­weile einge­setzt hat, auf seine eigene Art spekta­kulär. Uns gefällt’s!

Auf dem Rückweg werden wieder Blåbären gepflückt und im MoMo von Annette zu einer köstlichen Dickmilch verar­beitet.

Unser Plan war es ja eigentlich, auf dem Weg nach Süden noch einmal Station an einem schönen See zu machen und dort einen Tag lang zu paddeln. Mit diesen Wetter­aus­sichten nicht wirklich verlo­ckend. Wir beschließen aber trotzdem, einen kleinen Schlenker zum Åsnen-See zu machen, der auf der Landkarte so toll aussieht. Außerdem habe ich im Womo-Forum mehrfach vom schönen Camping­platz Getnö Gård gelesen, den wir ja zumindest mal auschecken können.

Auf dem Weg kommen wir wieder gut auf den mehr oder weniger einsamen Straßen voran. Lediglich kurz vor dem Åsnen strapa­ziert ein deutscher Womo-Kollege arg meine Geduld, weil er auf der Tempo-90-Strecke an jeder Kreuzung fast bis zum Still­stand abbremst, um dann doch mit 60 weiter­zu­fahren. Argh! Als er das Spielchen zum dritten Mal macht und vorher schon links geblinkt hat, nur um dann doch geradeaus zu fahren, wird mir das Spiel dann doch zu dumm. Gut, dass ich ihn an dieser Stelle problemlos überholen kann!

Der Weg zum Camping­platz ist dann tatsächlich sehr schön. Links und rechts auf der schmalen Landzunge Blicke auf den See, angelnde Familien an einer Brücke, aber auch Fissel­regen. Wir parken vor der Rezeption und beschließen, uns den Platz erst mal zu Fuß anzugucken, bevor wir uns zu einer Übernachtung entschließen. Was hier besonders auffällt: Der Platz ist fest in deutscher Hand. Anhand der Kennzeichen würde ich mal auf gepflegte 80% aus Germany schätzen. Und bei besserem Wetter wären wir wahrscheinlich geblieben, aber so ist uns ein netter Blick auf den See nicht Grund genug. Vor allem, wenn die Alter­native das Meer ist, was wir jetzt schon wieder länger nicht gesehen haben! Als wir zum MoMo zurück­gehen, kommt uns unser Langsam­fahrer von vorher entgegen gefahren. Auch schon da…! Und neben unserem MoMo befindet sich mittler­weile eine kleine Armada von deutschen Wohnmo­bilen, die gerade angekommen sind.

Weiter geht’s, aber nicht ohne vorher noch im netten Cafe in Ålshult Station zu machen. Bei Waffel, Muffin und Kaffee gucken wir uns um und finden die Einrichtung Puppen­stuben-Rumpel­kammer-urig.

Passend dazu dann auch endlich unser erster Loppis nebenan. Für alle Nicht-Schwe­den­kenner: Loppis-Schilder findet man in Schweden an allen Ecken und Enden. Ich dachte zunächst noch, dass es sich um kleine Tante-Emma-Lädchen handele. Aber weit gefehlt! Es ist eine Art Mini-Flohmarkt. Oder das, was in Amerika ein Garage-Sale wäre. Oder einfach nur eine Rumpel­kammer mit Zeugs. Muss man mal gesehen haben. Muss man aber nichts von kaufen.

Wir füllen noch ein letztes Mal Vorräte in Olofström auf, bevor es nach Nogersund ans Meer geht. Den Tipp für diesen Stell­platz haben wir aus der Promobil-App und wir können den zufrie­denen Bewertern nur zustimmen: Toller Platz zwischen Hafen und Meer auf einer Wiese mit genügend Platz, Strom und vorbildlich sauberen Sanitär­räumen. Gefällt uns sehr!

Fürs Abend­essen haben wir zwar noch Vorräte im MoMo-Regal, aber mir ist heute weniger nach Kochen als nach Essen gehen. Denn für meinen Geschmack haben wir in diesem Urlaub noch zu wenig leckeren Fisch gegessen. Und so werden die Fahrräder abgeschnallt und wir machen uns auf in den Nachbarort Hällevik. Es soll dort ein Restaurant namens Dagmars geben, was zumindest mal nicht ganz schlecht sein soll.

Das Fahrrad­fahren macht nach dem Fahrtag richtig Spaß und als wir im Ort ankommen, spielt sogar eine Band auf einer Bühne! Das Restaurant ist schon gut gefüllt und wir haben fast den Eindruck, dass wir einen der letzten verfüg­baren Tische kriegen. Wieder mal Gück gehabt!

Das noch größere Glück ist dann aber das Essen selber: So einen leckeren Muscheltopf habe ich in meinem Leben noch nicht gegessen. Fette Empfehlung, wenn man Muscheln mag! Wenn man, so wie Annette, das nicht so mag ist aber auch die Räucher­fisch­platte ein Kracher. Wir sind beide hellauf begeistert und beschließen spontan uns morgen bei der angeschlos­senen Rökeriet mit Vorräten einzu­decken.

Den Abend verbringen wir dann noch auf den Steinen an der Hafenmole und beglück­wün­schen uns zu der Entscheidung, zum Meer zurück­ge­kehrt zu sein. Die nächsten Tage werden auf jeden Fall eines: Läcker!

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