Schären-Heaven

Man glaubt es ja nicht, aber auch auf einem Massenparkplatz in einem Hafen kann man durchaus ein gemütliches Frühstück hinkriegen. Man nehme: strahlenden Sonnenschein, Möwenrufe und (wichtig!) Blickrichtung zum Meer.

Wir verlassen den Platz aber ohne größeres Bedauern, denn unser heutiges Ziel liegt wieder ein bisschen weiter nördlich. Und immer noch in den Schären. Fjällbacka. Aber um dorthin zu kommen, müssen wir erst mal wieder landeinwärts, dann etwas Autobahn, dann wieder über Land ans Meer. Auf der Fahrt können wir endlich an einer Tanke Annettes Fahrradreifen auf den ihnen gebührenden Druck bringen. Wäre das also auch erledigt!

Durch Fjällbacka fahren wir zunächst nur hindurch, denn im Womo-Führer wird eher beiläufig das Naturreservat von Veddö erwähnt, was wir als erstes ansteuern. Welch ein Glücksgriff! Am Parkplatz stehen zwar schon die bekannten Womo-Verbotsschilder, aber Annette vergewissert sich, dass Parken völlig okay ist. Und so machen wir uns auf einen netten, unkomplizierten Rundwanderweg, der genau das richtige “Aufbau”-Programm für Annettes Fuß darstellt.

Und landschaftlich könnten wir es kaum schöner antreffen. Auf diesem kurzen Weg hat man so viele schöne Aussichten auf die Schärenlandschaft sowohl auf der Meerseite, als auch auf der Landseite. Bei dem prächtigen Wetter scheint auch alles, was sich Boot nennt, auf dem Wasser unterwegs zu sein: große und kleine Segler, Schlauchboote, um die Wette flitzende Motorschiffe und Kanus und Ruderboote natürlich auch noch. Und wir nehmen im Gras neben dem erhöhten Schärenplateau Platz und genießen das Schauspiel unter uns in der Bucht.

Nachdem wir das ganze eine Weile beobachtet haben, geht die Wanderung weiter. Und wir werden unwillkürlich auf dem Weg an andere schöne Orte erinnert. Im weiteren Verlauf fühlen wir uns an folgendes erinnert: a) den Uferweg in den Cinque Terre, b) einen Gang über eine Almwiese mit fetten Kuhfladen, c) irische Wege mit ihren Steinmäuerchen, d) die Wacholderbüsche von Formentera und e) den Arcadia-Nationalpark in den USA wegen der tollen Aussicht auf die Küstenlandschaft. Und das alles auf vielleicht 3km Strecke – nicht schlecht!

Die ganze Zeit über sind wir am fotografieren wie die Weltmeister (Annette fast noch mehr als ich!) und als wir am Ausgangspunkt ankommen, möchte man die Szenerie, die man eben schon abgelichtet hat, zur Sicherheit gleich noch einmal fotografieren. Wunderbar! Sicherlich bis jetzt unser schönstes Stückchen Schweden.

Für Fjällbacka hatten wir eine Stellplatzempfehlung im Nordhafen, wo allerdings alle Parkplätze belegt sind und außerdem kann man von 8-20 Uhr nur 4 Stunden dort stehen. Keine Weiterempfehlung, zumindest im Sommer! Da auch der zentrale Parkplatz am Ortseingang voll ist, folgen wir dem Schild zum Parkplatz etwas außerhalb des Ortes. Ein ganzes Stück weit außerhalb, geschottert und mehr zweckmäßig als schön. Nun ja. Annette hat den Geistesblitz, doch einfach mit den Rädern in dem Ort zurück zu fahren, was die Sache dann vereinfacht.

In Fjällbacka finden wir dann ein nettes Örtchen mit einer “richtigen” Touristen-Infrastruktur vor. Was heißt, dass es Lädchen zum Shoppen gibt, mehrere nette Restaurants und ein lebhaftes Treiben im Hafen. Annette findet in einem Geschäft mit “typisch” schwedischen Sachen eine Kombination aus Shirt, Pulli und Pluderhose, die ihr sehr gefällt. Aber wegen der größeren Ausgabe möchte sie erst noch überlegen – was nachher bedeutet, dass wir mit der Entscheidung zu lange brauchen: Der Laden ist zwar noch offen, die Kasse aber schon abgerechnet. Dumm gelaufen!

In Fjällbacka gibt es die Kungsklyfta, eine Kluft im Hausberg des Ortes, dem Vetterberget. Nach einer Holztreppe, die schon mal ein Stück des Berges hinaufführt, ist alles eher urig gehalten. Was bedeutet, dass man schon ein bisschen kraxeln muss. Vor allem muss man gucken, wo man seinen Fuß hinsetzt. Für Annette immer noch eine kleine Tortur. Insofern mache ich die letzten Meter dann lieber alleine und bestaune die 4 fetten Felsblöcke, die sich über meinem Kopf in der Schlucht verkeilt haben.

Im Ort bummeln wir noch ein bisschen herum, sitzen mit einem Kaffee am Hafen und gucken Leute. Immer wieder spannend, was man da so alles geboten bekommt…

Im örtlichen Fischgeschäft decken wir uns mit Fischbuletten (lekker!), geräucherten Lax-Nuggets (noch lekkerer!!) und Brot ein, die ein formidables Abendessen abgeben. Wir decken kurzerhand den Tisch auf dem Schotterplatz, der jetzt schon von mehreren Womos beparkt wird. Und wenn man sich den Schotter wegdenkt oder im Bild beschneidet, sieht das ganze doch nach einer ganz manierlichen Aussicht aus!

Unser Bergfest für diesen Urlaub liegt schon hinter uns und wir stellen fest, dass uns das langsame Vorankommen zwar nur einen Teil der Strecke hat schaffen lassen, die wir eigentlich schaffen wollten, dass wir aber keinen Tag und keines unserer Erlebnisse missen wollen. Insofern gilt weiter die Devise: Weniger ist mehr! Wir wollen genießen, wo wir sind und nicht immer einem imaginären Zielort hinterherhecheln und am Ende viel gefahren, aber nix gesehen haben. Schwierig wird nur die Entscheidung, was dann halt eben nicht mehr klappen wird.

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