Schären-Heaven
17. Juli 2015

Man glaubt es ja nicht, aber auch auf einem Massen­park­platz in einem Hafen kann man durchaus ein gemüt­liches Frühstück hinkriegen. Man nehme: strah­lenden Sonnen­schein, Möwenrufe und (wichtig!) Blick­richtung zum Meer.

Wir verlassen den Platz aber ohne größeres Bedauern, denn unser heutiges Ziel liegt wieder ein bisschen weiter nördlich. Und immer noch in den Schären. Fjäll­backa. Aber um dorthin zu kommen, müssen wir erst mal wieder landein­wärts, dann etwas Autobahn, dann wieder über Land ans Meer. Auf der Fahrt können wir endlich an einer Tanke Annettes Fahrrad­reifen auf den ihnen gebüh­renden Druck bringen. Wäre das also auch erledigt!

Durch Fjäll­backa fahren wir zunächst nur hindurch, denn im Womo-Führer wird eher beiläufig das Natur­re­servat von Veddö erwähnt, was wir als erstes ansteuern. Welch ein Glücks­griff! Am Parkplatz stehen zwar schon die bekannten Womo-Verbots­schilder, aber Annette verge­wissert sich, dass Parken völlig okay ist. Und so machen wir uns auf einen netten, unkom­pli­zierten Rundwan­derweg, der genau das richtige “Aufbau”-Programm für Annettes Fuß darstellt.

Und landschaftlich könnten wir es kaum schöner antreffen. Auf diesem kurzen Weg hat man so viele schöne Aussichten auf die Schären­land­schaft sowohl auf der Meerseite, als auch auf der Landseite. Bei dem präch­tigen Wetter scheint auch alles, was sich Boot nennt, auf dem Wasser unterwegs zu sein: große und kleine Segler, Schlauch­boote, um die Wette flitzende Motor­schiffe und Kanus und Ruder­boote natürlich auch noch. Und wir nehmen im Gras neben dem erhöhten Schären­plateau Platz und genießen das Schau­spiel unter uns in der Bucht.

Nachdem wir das ganze eine Weile beobachtet haben, geht die Wanderung weiter. Und wir werden unwill­kürlich auf dem Weg an andere schöne Orte erinnert. Im weiteren Verlauf fühlen wir uns an folgendes erinnert: a) den Uferweg in den Cinque Terre, b) einen Gang über eine Almwiese mit fetten Kuhfladen, c) irische Wege mit ihren Stein­mäu­erchen, d) die Wachol­der­büsche von Formentera und e) den Arcadia-Natio­nalpark in den USA wegen der tollen Aussicht auf die Küsten­land­schaft. Und das alles auf vielleicht 3km Strecke — nicht schlecht!

Die ganze Zeit über sind wir am fotogra­fieren wie die Weltmeister (Annette fast noch mehr als ich!) und als wir am Ausgangs­punkt ankommen, möchte man die Szenerie, die man eben schon abgelichtet hat, zur Sicherheit gleich noch einmal fotogra­fieren. Wunderbar! Sicherlich bis jetzt unser schönstes Stückchen Schweden.

Für Fjäll­backa hatten wir eine Stell­platz­emp­fehlung im Nordhafen, wo aller­dings alle Parkplätze belegt sind und außerdem kann man von 8–20 Uhr nur 4 Stunden dort stehen. Keine Weiter­emp­fehlung, zumindest im Sommer! Da auch der zentrale Parkplatz am Ortseingang voll ist, folgen wir dem Schild zum Parkplatz etwas außerhalb des Ortes. Ein ganzes Stück weit außerhalb, geschottert und mehr zweck­mäßig als schön. Nun ja. Annette hat den Geistes­blitz, doch einfach mit den Rädern in dem Ort zurück zu fahren, was die Sache dann verein­facht.

In Fjäll­backa finden wir dann ein nettes Örtchen mit einer “richtigen” Touristen-Infra­struktur vor. Was heißt, dass es Lädchen zum Shoppen gibt, mehrere nette Restau­rants und ein lebhaftes Treiben im Hafen. Annette findet in einem Geschäft mit “typisch” schwe­di­schen Sachen eine Kombi­nation aus Shirt, Pulli und Pluderhose, die ihr sehr gefällt. Aber wegen der größeren Ausgabe möchte sie erst noch überlegen — was nachher bedeutet, dass wir mit der Entscheidung zu lange brauchen: Der Laden ist zwar noch offen, die Kasse aber schon abgerechnet. Dumm gelaufen!

In Fjäll­backa gibt es die Kungs­klyfta, eine Kluft im Hausberg des Ortes, dem Vetter­berget. Nach einer Holztreppe, die schon mal ein Stück des Berges hinauf­führt, ist alles eher urig gehalten. Was bedeutet, dass man schon ein bisschen kraxeln muss. Vor allem muss man gucken, wo man seinen Fuß hinsetzt. Für Annette immer noch eine kleine Tortur. Insofern mache ich die letzten Meter dann lieber alleine und bestaune die 4 fetten Felsblöcke, die sich über meinem Kopf in der Schlucht verkeilt haben.

Im Ort bummeln wir noch ein bisschen herum, sitzen mit einem Kaffee am Hafen und gucken Leute. Immer wieder spannend, was man da so alles geboten bekommt…

Im örtlichen Fisch­ge­schäft decken wir uns mit Fisch­bu­letten (lekker!), geräu­cherten Lax-Nuggets (noch lekkerer!!) und Brot ein, die ein formi­dables Abend­essen abgeben. Wir decken kurzerhand den Tisch auf dem Schot­ter­platz, der jetzt schon von mehreren Womos beparkt wird. Und wenn man sich den Schotter wegdenkt oder im Bild beschneidet, sieht das ganze doch nach einer ganz manier­lichen Aussicht aus!

Unser Bergfest für diesen Urlaub liegt schon hinter uns und wir stellen fest, dass uns das langsame Voran­kommen zwar nur einen Teil der Strecke hat schaffen lassen, die wir eigentlich schaffen wollten, dass wir aber keinen Tag und keines unserer Erleb­nisse missen wollen. Insofern gilt weiter die Devise: Weniger ist mehr! Wir wollen genießen, wo wir sind und nicht immer einem imagi­nären Zielort hinter­her­he­cheln und am Ende viel gefahren, aber nix gesehen haben. Schwierig wird nur die Entscheidung, was dann halt eben nicht mehr klappen wird.

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