Runde Steine
28. Juli 2015

Unsere Planung für die letzten Tage in Schweden ist sehr simpel: Den im Wetter­be­richt angekün­digten (mehr oder weniger) Dauer­regen hinnehmen und das beste draus machen. Das hatten wir erwartet. Es sah dann heute morgen so aus:

Und nur, weil ich zu faul war, Stühle und Tisch draußen aufzu­bauen, haben wir im MoMo gefrüh­stückt. Ansonsten ein traum­hafter Morgen! Wer hat denn diesen bekloppten Wetter­be­richt verfasst?

Naja, vielleicht derjenige, der ein bisschen landein­wärts lebt. Denn auf unserer Weiter­fahrt in den Stens­huvud-Natio­nalpark bei Kivik baut sich eine richtig schwarze Wolkenwand auf und es plästert wie aus Kübeln. Während Annette noch mit unserem Schicksal hadert und am liebsten wieder nach Nogersund zurück­fahren würde, bin ich ganz zuver­sichtlich: Am Meer wird es wieder schön. Und tatsächlich: Über uns zeigen sich blaue Stellen am Wolken­himmel und als wir aussteigen, ist von Regen nichts mehr zu sehen.

Ausge­stiegen sind wir übrigens am Cafe Annor­lunda kurz vor dem Park. Wer mit einem Kak-Buffè wirbt, muss belohnt werden! Und Annette ist von dem Gebäck-Buffet begeistert — mir ist da das Räkmacka (zu deutsch: Krabben­brötchen) lieber.

So gestärkt begeben wir uns in den Natio­nalpark, der bis jetzt der “überlau­fenste” von allen ist. Was aber lediglich bedeutet, dass man immer wieder jemandem begegnet. Und dass sich an den Aussichts­stellen auch garan­tiert mehrere Leute aufhalten. Von Rüdes­heimer Verhält­nissen aber immer noch meilenweit entfernt.

Was uns in diesem Park, neben den schönen Aussichten am besten gefällt sind die verkno­teten Wurzeln, die sich um die Baumstämme ranken und die kleinen, irgendwie niedlichen mit Moos bewach­senen Steine. Und als wir zum Schluss noch durch ein Stückchen Heide mit Meerblick gehen sind wir uns einig: Das ist ein richtig toller Natio­nalpark!

Da bei der Durch­fahrt das Örtchen Kivik einen sympa­thi­schen Eindruck gemacht hat, fahren wir noch einmal zurück. Und was ein Glück: Denn zum einen ist der Ort wirklich wieder mal richtig pittoresk, zum anderen gibt es eine Räucherei mit einer Auswahl, die man erst mal gesehen haben muss! Wir stellen uns ein leckeres Abend­essen für später zusammen und müssen nur aufpassen, dass wir nicht auf die Theke sabbern.

Eigentlich war unser Plan, eine sehr empfohlene Pizzeria in der Nähe zu besuchen, da sich die Beschreibung schon sehr ungewöhnlich und gut anhörte. Ich gebe also die Adresse ins Navi ein und als wir ankommen, glauben wir, dass sich jemand einen Scherz erlaubt hat. Die Straße ist JWD und der Weg in den wir abbiegen sollen, gleicht eher einem Feldweg. Sicher­heits­halber fahre ich nicht hinein und versuche die nächste Abzweigung. An dieser steht auch tatsächlich ein Hinweis­schild. Auch dies ist aber ein unbefes­tiger Weg, der aber zumindest etwas vertrau­en­er­we­ckender aussieht. Wir parken das MoMo mehr schlecht als recht in einer Feldweg­kurve und wollen den restlichen Weg lieber zu Fuß erkunden. Und tatsächlich finden wir das Restaurant, das eher einer wildro­man­ti­schen Garten­laube gleicht. Vor dem Eingang steht ein Stuhl mit einem handge­schrie­benen Zettel “Tis ons stängt”. Die Übersetzung sagt mir “Dienstags geschlossen”. Ach so. Schade, denn es sah wirklich urig aus. Wer das statt uns mal checken möchte: Tangdala Lonnkrog.

In der Gewissheit, leckere Alter­na­tiven im Kühlschrank zu haben, sind wir nicht ganz so traurig und fahren weiter zu unserem Tagesziel: Ales Stenar.

Die Fahrt dorthin genießen wir zur goldenen Stunde bei strah­lendem Sonnen­schein (habe ich schon erwähnt, dass es den ganzen Tag dann nur noch höchstens ein paar Tröpfchen geregnet hat?). Wir sind beide begeistert von dieser Landschaft, die man so gar nicht mit seinem Schweden-Klischee verbindet.

In dem Städtchen Kåseberga gibt es einen riesigen Rasen­platz, der schon gut mit Wohnmo­bilen gefüllt ist. Nachdem wir einen Platz gewählt haben, kassiert ein geschäfts­tüch­tiger älterer Schwede die 100 Kronen für den Stell­platz — dafür gebe es auch Toalett und Dusch im gelben Haus. Das gelbe Haus ist wohl so was wie ein Vereinsheim, denn für die Dusche steht einem dann alleine eine komplette Mannschafts­um­kleide mit einer Dusche zur Verfügung.…

Nach unserem Festessen mit geräu­chertem Lax und Makrill geht es noch einmal los. Der an Stone­henge erinnernde Stein­kreis von Ales Stenar liegt in Abend­spa­zier­gan­gent­fernung. Ein toller Anblick und natürlich ein dankbares Fotomotiv. Freund­li­cher­weise hat sich auch ein fast voller Mond am Himmel platziert. Mehr kann man nicht verlangen!

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