50 shades of green
26. Juli 2015

Als wir aufwachen und einen ersten Blick nach draußen werfen sieht der See im Morgen­nebel total verwun­schen aus. Ein toller Anblick!

Wir wollen heute den Morgen ausgiebig zum Wandern nutzen, denn ab Mittags soll der Regen wieder stärker werden. Geplant ist die Wanderung zur Troll­kyrka, die schon vom Namen her vielver­spre­chend klingt. Das Navi habe ich schon zum Wander­park­platz program­miert, überrede Annette aber, noch ein paar Meter weiter auf der Straße in Richtung Vitsand zu fahren, weil da ein toller Strand am See sein soll.

Der Strand ist tatsächlich prima, aber bei diesem Wetter und um diese Uhrzeit natürlich so gut wie ausge­storben. Lediglich ein Pärchen scheint in seinem VW-Bus direkt auf dem Parkplatz im Natio­nalpark geschlafen zu haben. Offiziell verboten, scheint aber keinen gestört zu haben.

Und wir stellen zu unserer großen Verwun­derung fest, dass wir die Wanderung aus dem Rother-Wander­führer eigentlich auch von hier starten können. Nur, dass wir die “kleine” Wanderung zum Stenkälla zuerst machen und dann überlegen können, ob wir noch den Schlenker zur Troll­kyrka zusätzlich machen.

Also parken wir das MoMo und gehen zunächst noch entlang des Ufers in Richtung Stenkälla, einer Grotte unter einem 10m hohen Felsblock.

Und auch wenn es wieder über Stock und Stein geht, ist die Empfindung heute eine gänzlich andere. Ob das an den hinter jeder Wendung neuen Aussichten auf riesige, flech­ten­be­wachsene Granit­blöcke liegt? Es gibt heute einfach so viel zu sehen, dass die Kameras nicht still stehen und das sorgfältige Wählen des nächsten Schrittes auf glitschigen Wurzeln und Felsen in den Hinter­grund rückt.

Wir sind begeistert von den sumpfigen Passagen, wo das Wasser in Zeitlupe fließt und sich die Bäume und der Himmel so toll spiegeln.

Als wir zur Stenkälla kommen, begegnen wir auch zunehmend mehr Wanderern. Und wir haben das Gefühl, dass die meisten von ihnen Deutsche sind. Für Schweden wäre es (gerade am Sonntag) wahrscheinlich einfach noch zu früh…

Die Größe der Stein­klopse die dort rumliegen und diese Grotte bilden, lässt sich mit Worten und auch Bildern nur schwer beschreiben. Sicher ist nur, dass es sehenswert ist. Nicht unbedingt im Sinne von “Muss man unbedingt gesehen haben” aber definitiv im Sinne von “Oh wie schön!”. Vor allem, wenn direkt davor winzig kleine Pilze an einem morschen Baumstamm wieder mal zeigen, wie schön die Natur sein kann.

Wenige Meter weiter geht es steile Holztreppen hinauf zum Aussicht­punkt Stenkäl­le­knack, den man ja nun wirklich alleine schon wegen des Namens besteigen muss!

Was Aussicht angeht, kann er leider nicht so sehr punkten, weil man auch von hier “oben” eher auf die umlie­genden Baumwipfeln als in die Weite des Landes schaut. Aber die großen flachen Granit­flächen bieten sich trotzdem für ein kleines Päuschen an.

Auch auf dem weiteren Weg wird es uns nicht langweilig. 50 shades of green lassen Moose, Farne und Gräser immer wieder spannend aussehen. Das einzig schwierige ist es, das ganze in Fotos zu bannen, da das grün auf dem Display dann doch irgendwie immer anders aussieht. Wir haben aber unser Bestes gegeben!

In den Blåbären wird es Zeit, den Blåbär-Rechen auszu­pro­bieren, den Annette gestern im Super­markt entdeckt hat. Und tatsächlich funktio­niert das Ding so ziemlich klasse und nach wenigen Minuten habe ich schon so viel geerntet wie sonst nach einer halben Stunde! Wenn etwas aber wirklich sensa­tionell ist, dann ja wohl, dass Mia auf den Geschmack gekommen ist. Bei unserer ersten Blåbär-Ernte habe ich ihr aus Spaß ein paar gefüttert. Mittler­weile erledigt sie das routi­niert alleine…

Auf der abwechs­lungs­reichen Wanderung kommen wir schließlich an den Stora Trehör­ningen, wo wir am Ufer eine wohlver­diente Essens­pause machen. Der Ausblick auf den See ist auch von unten einfach schön. Leider kündigt sich die für den Nachmittag angekün­digte Wetter­ver­schlech­terung mit ersten Regen­tropfen an, so dass wir in die Regen­jacken schlüpfen und uns auf den Rückweg machen.

Wir sind dann froh, als wir wieder am MoMo eintreffen, denn auf den letzten Metern hat sich der ab und zu einset­zende Tröpfel­regen doch in ein ziemlich dauer­haftes Plästern verwandelt. Also erst mal Kleider­wechsel  im MoMo, Kaffee aufsetzen und dann mit dem Rest vom Blåbär-Schoko-Kuchen von vorgestern aufwärmen. Habe ich schon mal erwähnt, wie sehr wir das Womo-Leben genießen? Erst recht, als wir neben uns einen Passat aus Deutschland halten sehen und sich allen Ernstes zwei Unent­wegte in perfekter Regen­aus­stattung auf ihre Wanderung machen. Da klappt uns echt die Kinnlade runter!

Als Etappenziel für heute, mit dem Vorsatz, weiter in den Süden zu kommen, haben wir uns den moorigen Store-Mosse-Natio­nalpark ausge­guckt. Was mich auf der Strecke überrascht, ist, dass so wenige Straßen autobahn­ähnlich ausgebaut sind und man trotzdem gut und entspannt mit Geschwin­dig­keiten zwischen 70–90km/h reisen kann. Als wir hinter Jönköpping Autobahn fahren, kommen mir die 100km/h vor wie Autorennen!

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