Ab aufs Wasser
18. Juli 2018

Es ist warm. Schwülwarm. Und bedeckt. Ein komisches Wetter, was wir so eher von Zuhause gewohnt sind, aber in Skandi­navien noch nicht erlebt haben.

Aber anderer­seits ist es auch deutlich freund­licher als es die dunkle Wolken in der Wetter-App vermitteln. Also beschließen wir, endlich mal ein Kanu zu mieten. Wollten wir schon bei unserem ersten Aufenthalt in Grinsby eigentlich machen, haben es aber irgendwie nie auf die Kette gekriegt.

Beim Mieten werde ich dann noch unangenehm überrascht: Ein Teil unseres „alten“ Geldes von vor 2 Jahren ist mittler­weile ungültig. Und die Bank würde das auch nicht mehr annehmen oder umtau­schen. Gut, dass wir keine Unmengen Geldreste hatten!

Unserer alten, blinden und wasser­scheuen Mia (und uns) wollen wir das Spektakel der Kanutour ersparen. Sie bleibt gerne auf ihrem Kuschel­platz im MoMo zurück. Aber Elli ist aufgeregt: Was ziehen sich die beiden da für lustige Westen an? Was für ein langes zigar­ren­för­miges Ding legen die da ins Wasser? Da soll ich rein? Na gut, aber nur wenn Frauchen ganz nah bei mir bleibt.

Also stechen wir mit Galle­ons­figur Elli in See und erkunden den Stora Bör von See aus. Herrlich!

Das Wasser ist so klar, dass man im Uferbe­reich bis zum Boden gucken kann und es geht so sanft ins Wasser, dass man beim aktuellen Niedrig­wasser sogar ein bisschen aufpassen muss, dass man nicht an einem Felsen vorbei­schrammt, der knapp unter der Wasser­ober­fläche liegt. Wir stellen uns aber als gutes Team heraus und meistern das erste Mal paddeln im Kanu ganz ordentlich. Gut, unser Kurs sieht mit seinen Schlan­gen­linien wahrscheinlich nach Volltrun­kenheit aus. Aber ansonsten…

Nach einer halben Stunde machen wir Station auf einer kleinen Insel in Ufernähe. Beim Anlanden muss man aufpassen, dass man nicht auf den algigen Steinen ausrutscht. Elli hüpft aus dem Kanu und ist begeistert, dass sie wieder festen Boden unter den Füßen hat. Sie flitzt erst mal herum und guckt sich das Ganze an.

Wir nutzen die Gelegenheit zu einer Abkühlung im See. Es geht doch nichts darüber, wenn sich das Gefühl von „Boah ist das kalt!“ in „Och, ich glaub ich bleib noch ein bisschen!“ verwandelt, weil es so herrlich erfri­schend ist.

Aber das Wetter ist heute, wie erwähnt, komisch. Mittler­weile hat es sich stärker zugezogen und in weiter Ferne hört man es sogar donnern. Also tun wir das Vernünftige und steigen wieder ins Kanu — Gewitter auf dem See müssen wir nicht haben.

Schade, eigentlich sind wir gerade auf den Geschmack gekommen und wären gerne noch ein bisschen länger gepaddelt. Aber wir sind uns sicher: Das war nicht das letzte Mal in einem Kanu in diesem Urlaub!

Den Nachmittag über hören wir immer mal wieder ein Grummeln, es sind auch die schon angekün­digten dunklen Wolken zu sehen. Aber es bleibt zunächst noch trocken.

So können wir dann einen gemüt­lichen Mittags­snack mit Potatis­salad, Knäckebröd, Rohkost und Räkost zu uns nehmen.

Und nachdem wir den Nachmittag noch mit Klönen mit den netten Nachbarn verbracht haben geht dann doch ein kurzer leichter Schauer über uns nieder. Für die ausge­trocknete Natur hier aber nur ein Tropfen auf den buchstäblich heißen Stein.

Abends wagen wir uns dann noch mal aufs Wasser. Und es ist schon ein echtes frühes Highlight des Urlaubs, an das wir uns noch lange erinnern werden. Nicht, weil so viel passiert ist, sondern genau im Gegenteil, weil gar nichts passiert ist.

Wir paddeln auf dem stillen See am Ufer entlang, bis wir an einer kleinen Minibucht problemlos anlegen können. Dort genießen wir etwas, das es so nur noch selten gibt: absolute Stille. Und passend zu dieser irgendwie feier­lichen Stimmung kommt abends auch noch einmal die Sonne hinter den Wolken hervor.

Im grandiosen Abend­licht paddeln wir wieder los, genießen das Licht, was die Landschaft in die wärmsten Farben taucht.

Und mitten auf dem See stellen wir dann einfach das Paddeln ein, legen die Paddel quer und sitzen für ein paar Minuten auf dem stillen Wasser.

Sensa­tionell!

Und mir kommt der Spruch vom Stell­platz in Greven in den Sinn:

Der Lärm verbraucht.

Die Stille ernährt.

Und weil sich die Natur selten lumpen lässt, gibt’s zum Abschluss am MoMo noch einen zarten Regen­bogen zu sehen. Schön.

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