Von Pontius zu Pilatus
19. Juli 2018

Wir ringen morgens ein bisschen mit uns, ob wir noch ein paar Tage in Grinsby dranhängen sollen. Wetter­be­richt, Platz und Stimmung sprechen dafür. Unsere Rumtrei­bergene und der perfekte Abend gestern, den man nicht mehr toppen kann, sprechen dagegen. Es gibt einfach immer noch so viel Neues zu sehen!

Also brechen wir unsere sprich­wört­lichen Zelte ab und begeben uns wieder auf die Straße. Richtung Norden. Es sind ja noch ein paar Kilometer…!

Die Strecke fährt sich ultra-entspannt. Musik an, Tempomat rein, gelegentlich mal nachregeln, Lenkrad festhalten, Landschaft genießen.

In Torsby steht ein Besuch im XL-Bygg auf dem Plan. Wir wollen mal eben neue Halte­stifte für unsere rausge­hüpften Regal­bretter kaufen und denken, dass das im Baumarkt doch eigentlich gehen sollte. Geht es aber nicht. Der nette junge Mann dort empfiehlt uns Jysk, was wohl ein Einrich­tungshaus sei.

Also fahren wir ein paar Kilometer wieder zurück und sind frohen Mutes, als neben dem Jysk sogar ein Dollar Store zu finden ist. Einer von beiden muss doch… Nö. Dafür gibt es aber sehr hübsche Kissen und Decken, die Annette mehr und mich weniger in Versu­chung führen.

Und auch im Dollar Store gibt es jede Menge unseligen Unsinn, aber keine Halte­stifte. Aber auch im Jysk hat der junge Mann an der Kasse noch einen Tipp für uns: im Hardware-Store Karl Hedin gäbe es so was vielleicht. Prakti­scher­weise ist der natürlich in der Nähe von XL-Bygg, so dass wir die E16 wieder zurück fahren dürfen.

Bei Karl Hedin weiß die Verkäu­ferin sogar sofort, was wir haben wollen, zeigt uns aber nur Rundstifte, die so ungefähr die unprak­tischste Lösung für unser Problem sind. Aber immerhin etwas, was passt. Nehmen wir.

Jetzt geht es endlich zu unserem anvisierten Ziel, dem Camping­platz Nya Skogsgården in Mårbacken, etwas westlich von Torsby.

Dort werden wir freundlich empfangen, dürfen uns einen Stell­platz aussuchen, was wir natürlich gewis­senhaft tun und nur unwesentlich oft korri­gieren, bis das MoMo in Parkpo­sition steht.

Als wir uns nachmittags dann in der Rezeption anmelden, treffen wir noch einen netten Offroader, der mit seinem halb im Eigenbau umgebauten Pickup unterwegs ist. Wir staunen nicht schlecht, als er sein Dach elektrisch nach oben verschiebt und dadurch erst die Fenster zum Vorschein kommen. Quasi ein Vertikal-Slideout!

Er erzählt aber auch, dass er auf Bekannte warte, die gerade aus dem Norden kommen und dass man dort große Rauch­wolken von den Waldbränden sehen könne. Ja, Waldbrände! Die sind hier gerade echt ein Thema, denn es ist einfach heiß hier. Und das nicht nur für ein paar Tage, sondern im Prinzip schon den ganzen Sommer. Entspre­chend ist es nur logisch, dass in einem Land mit viel Wald bei diesem extremen Wetter die Waldbrand­gefahr extrem hoch ist.

Und wir kommen ernsthaft ins Grübeln. Wollen wir da wirklich hin? Wir würden ja liebend gerne einfach irgendwo in the middle of nowhere an einem See stehen. Aber was ist, wenn ausge­rechnet bei uns in der Nähe ein Waldbrand ausbräche? Da sähe es mit Fluchtweg aber duster aus! Und auch so kann es uns ja passieren, dass die Straße, die wir nehmen wollen, plötzlich wegen der Brände gesperrt ist. Und Umwege sind dann eher weit.

Also: Was ist die Alter­native? Naheliegend! Wir weichen einfach nach Westen aus und klappern noch ein paar Ecken in Norwegen ab, die wir vor 2 Jahren nicht geschafft haben. Dort ist es zwar tenden­ziell kühler und feuchter, dafür aber halt nicht so feurig. Und die Landschaft dort soll ja auch nicht ganz übel sein…

Es ist zwar ein Jammer, dass fast alle Orte, auf die wir uns schon gefreut hatten und auch eine Landschaft, die wir super­gerne kennen­lernen wollten, noch ein bisschen warten müssen, aber das ist uns der Seelen­frieden dann allemal wert. Norwegen, wir kommen!

Aber damit wir wenigstens halbwegs einen Plan haben, was die nächsten Tage kommen soll, verbringen wir den restlichen Nachmittag dann mit dem Wälzen von Reise­führern und Landkarten und tüfteln aus, wie es jetzt weiter geht. Was ist das aber auch für ein Luxus, wenn man statt eines anders geplanten Urlaubs dann plötzlich notge­drungen nach Norwegen „muss“!

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