Vildmarksvägen III

18. Juli 2021

Das Wetter ist weiter so lala. Immerhin aber nicht mehr der Dauerregen von gestern. Von unserem eigentlich sehr schönen Platz am See haben wir, wenn man ehrlich ist, gar nichts gehabt. Dafür hat sich das hinunterhoppeln nicht gelohnt. Viel spannender ist zudem jetzt die Frage: Kommen wir da auch wieder hoch? Ich bin mir zwar sicher, dass die Steigung geringer ist als an den bösen Stellen des Weges nach Käringsjön, aber wir haben hier einen entscheidenden Nachteil: keinen Schwung. Und ohne Allrad und mit Frontantrieb wird das eine wahre Zitterpartie, die ich erst im zweiten Anlauf, mit mehr Gas als ich eigentlich geben möchte, so gerade hinkriege. Puh, das war knapp!

MoMo in action
Vildmarksvägen

Fatmomakke

Wir besuchen heute nach Ankarede unser zweites samisches Kirchendorf. Eigentlich vor allem wegen des Namens. Denn für mich hört sich Fatmomakke wie ein herzhafter Fluch an, den man ausstößt, wenn man erstaunt-empört ist. „Mein lieber Scholli!“ auf samisch: „Fatmomakke!“ Was natürlich kompletter Blödsinn ist. In Wirklichkeit bedeutet es nämlich „einander umarmen“.

Vom Parkplatz aus geht man über zwei Brücken und eine Insel, um zum eigentlichen Dorf zu kommen.

Wettermäßig bewegen wir uns auf der Grenze zwischen großartigem Licht und Regenschauern. Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln.

Fatmomakke
Fatmomakke

Von der Ausstrahlung gefällt uns dieses Kirchdorf deutlich besser als Ankarede. Es ist eine schöne Mischung aus den Holztipis, Stelzenhäusern und Grasdachhäusern, garniert mit einer hübschen Kirche und einem pittoresken Friedhof. Wirklich sehenswert.

Fatmomakke
Fatmomakke

Scenic Road

Der Vildmarksvägen macht seinem Ruf als Touristenstraße auf dem kommenden Stück wirklich alle Ehre. Nicht nur sind die Aussichten auf Wasser, Berge und Bäume grandios, sondern hier wurde auch die Fahrbahn vor Kurzem erneuert. Nach der holprigen Schotterstraße nach Fatmomakke fühlt sich das an wie Schweben.

Vildmarksvägen

Leckerer Röding

Kurz hinter Saxnäs sehen wir eine Hütte, wo Röding verkauft wird. Normalerweise wären wir schulterzuckend vorbeigefahren. Wer weiß denn bitteschön, was Röding ist? Wir haben aber in Gubbhögen von Werner den Tipp bekommen, dass man den unbedingt probieren muss, wenn man Fisch mag. Es ist nämlich der lachsartige Saibling, der hier in der Gegend wohl besonders schmackhaft ist.

Wir betreten die Bude und sind mehr als skeptisch: In der Auslage liegen ein paar Softdrinkdosen und sonst nichts. Aber die freundliche indischstämmige Verkäuferin läuft zu Hochtouren auf: Sie hätte gerade einen ganz frischen Röding für uns da, er sei sogar noch warm! Und die Sauce, die sie dazu verkauft, sei „homemade“ und wir würden garantiert wiederkommen, wenn wir die mal probiert hätten.

So ganz geheuer ist uns das alles nicht und wir verlassen die Bude mit dem leichten Gefühl, gerade einem großen Touristennepp zum Opfer gefallen zu sein. Annettes Theorie ist, dass sie den Röding einfach kurz in die Mikrowelle gesteckt hat, als sie das Wohnmobil vor der Tür gesehen hat.

Aber als wir den Fisch dann wenig später verspeisen können wir Entwarnung geben. Der ist wirklich lecker, frisch und reicht für zwei Personen als Hauptmahlzeit. Empfehlung!

Trappstegsforsen

Als Ort für das Mittagessen haben wir uns übrigens den Trappstegsforsen ausgesucht, den wir wenige Kilometer nach Saxnäs zu unserer Linken entdecken.

Trappstegsforsen

Diesen ausgesprochen fotogenen Wasserfall, der in mehreren Kaskaden mehr hinunterklettert als fällt, haben wir als Aussicht beim Essen und sind damit auch sehr zufrieden, als immer wieder ein Schauer durchzieht.

Trappstegsforsen

Als ich mich nach dem Essen dann ans Fotografieren mache, höre ich auf einmal eine vertraute Stimme neben mir. Es ist Werner, der, wie es der Zufall will, auch vor dem Regenwetter gen Osten flieht, den Vildmarksvägen weitergefahren ist und jetzt mit uns hier steht. Nach einem kurzen Schwatz trennen sich unsere Wege wieder.

Trappstegsforsen

Was hier wirklich angenehm ist, ist die überschaubare Anzahl an Leuten, die sich hier tummelt. Sicher, es ist nie völlig menschenleer, aber das wäre an so einer Attraktion auch wirklich ungewöhnlich. Aber es sind auch nicht die Mengen an Leuten, die ich eigentlich befürchtet hatte.

Trappstegsforsen

Stromschnellen

Nur wenig weiter auf dem Vildmarksvägen müssen wir schon wieder anhalten. Erneut gibt es Stromschnellen, die zwar noch ganz so besonders wie der Trappstegsforsen sind, aber immer noch einen feinen Hintergrund für eine Kaffeepause abgeben. Und zum Planen für den weiteren Verlauf der Reise. Denn wir könnten jetzt weiter nordwärts fahren, würden dafür aber in Kauf nehmen, dass das Wetter dort in der kommenden Woche eher so mittelmäßig vorausgesagt ist. Oder wir fahren von hier aus erst mal querfeldein an die sonnigere Ostküste Schwedens und fahren dann von dort noch etwas in Richtung Norden, da es am Bottnischen Meerbusen tendenziell deutlich freundlicheres Wetter hat als im Inland.

Stromschnellen

Campingplatz deluxe

Wir beschließen, uns zunächst mal einen „echten“ Campingplatz zu gönnen. Also einen mit echten Duschen und Toiletten. Mit kompletter Ver- und Entsorgung. In Toplage. All diese Anforderungen soll der Campingplatz Kolgården kurz vor Vilhelmina erfüllen.

Als wir nach einer ausgesprochen schönen Fahrt den Campingplatz vor uns auftauchen sehen, verstehen wir sofort die vielen positiven Kritiken. Die schöne Lage am See ist das eine. Die wirklich sehr sauberen Einrichtungen und der penibel gepflegte Platz sind das andere. Und der freundliche Empfang macht die Sache dann rund: Hier wollen wir gerne bleiben.

Kolgården
Kolgården

Das einzige, was wir nicht bedacht haben: mit Toffi ist so ein großer Campingplatz mit vielen Hunden eine anstrengende Geschichte… Es ist ein wenig Spießrutenlaufen mit unserem Kläffer.

Aber schon wenig später kommt ein bekanntes Gesicht um die Ecke: Auch Werner hat es hierhin verschlagen und wir verabreden uns auf ein Gläschen Wein vor seinem Womo. Was die warme Abendstimmung in den Bildern nicht vermittelt, ist die doch recht kühle Außentemperatur von 12°. Zusammen mit dem Wind sorgt sie dafür, dass wir uns dann doch eher früher als später ins MoMo zurückziehen und die Heizung andrehen. Brrrr!

Kolgården

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Der wilde Westen von Mull

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