Gletscher­tas­tisch
27. Juli 2018

Unser Plan für heute ist simpel: MoMo auf dem alten Camping­platz stehen lassen, mal eben rüber den Nigards­bre­en­glet­scher weggucken und dann frühzeitig auf den schöneren Camping­platz in Gjerde wechseln. Was sollte da schon schief gehen?

Zum einen: Spät aufbrechen. Annette weckt mich um 9 Uhr, weil wir ja doch irgendwann mal los wollen.

Zum anderen: Wir brechen wieder zu viert auf. Es gibt nämlich parallel zur Fahrstraße einen Wanderweg, der so schwer nicht sein kann und 3km kommen uns läppisch kurz vor. Das schafft man auch mit blindem Hund.

Jedoch: der Weg ist nicht sehr behin­der­ten­freundlich. Zwischen­durch gibt es zwar immer kurze „kulti­vierte“ Teilstücke, aber das meiste ist das bekannte Kraxeln über Steine. Für Mia und mich Schwer­arbeit.

Als wir am großen Parkplatz für die Autotou­risten ankommen ist Mia sichtlich wenig begeistert von unserer tollen Idee und ich bin schweiß­ge­badet. Denn heiß ist es heute auch noch. Für norwe­gische Verhält­nisse sind mit 28° offiziell Sahara­tem­pe­ra­turen erreicht.

Wir gönnen uns die Abkürzung mit dem Bötchen. Das verkürzt den Wanderweg zum Gletscher, welchen man übrigens schon lange vorher blauweiß leuchten sieht, um 20 Minuten. Vor allem aber: Um mühsames Voraus­gucken und Führen. Dumm, dass man für das Boot nur cash zahlen kann und wir 10 Kronen zu wenig im Porte­monnaie haben. Nett, dass der Kassierer großzügig meint: „Passt scho!“

Die Fahrt im vollbe­setzten Motorboot geht dann schneller vorbei als uns lieb ist.

Denn der Weg zum Gletscher hat sich noch nicht merklich verkürzt. Was hier aber schon anders ist: Im Seewasser schwimmen kleine Gletscher­eis­stücke. Eins davon nimmt Annette dankbar zum Kühlen des Wespen­stichs, den sie sich auf der Wanderung zugezogen hat…

Gletscher in Sicht

Weiter geht es über lange, vom Gletscher glatt geschliffene Stein­blöcke. Aber auch immer wieder über jede Menge Geröll.

Je näher wir an den Gletscher heran­kommen um so aufre­gender wird es.

Denn der Ausblick auf diese noch viel größeren und blaueren Eisflächen als am Fåberg­støls­breen ist wirklich spekta­kulär.

Und erst recht bei dem strah­lenden Sonnen­schein.

Ebenfalls beein­dru­ckend ist der Gletscher­fluss, der regel­recht aus einem Haifischmund heraus­ge­schossen kommt. Welche Power!

Was ebenfalls beein­dru­ckend ist: Zu sehen, wie die winzig­kleinen Menschen­ketten ihre Gletscher­touren auf dem Gletscher machen. Wie kleine bunte Ameisen in Slow-Motion sieht das aus.

Der Rückweg zieht sich dann. Obwohl wir zum Schluss die Fahrstraße statt des Wander­weges nehmen und zügig voran kommen, ist es fast 15 Uhr, als wir wieder am MoMo ankommen.

Schnell packen wir alles zusammen und fahren los. Heute soll es doch klappen mit dem anderen Camping­platz! Denn ohne Bargeld hätten wir an dem anderen ja gar nicht bleiben können. Und genug haben wir von diesem tollen Tal noch nicht!

Feiner Camping­platz

Als wir am Camping­platz in Gjerde ankommen, werden wir wieder­erkannt und freundlich begrüßt. Und ja, es gibt noch einen Platz für uns. Wie schön!

Heute gibt es aber eher das Problem der Qual der Wahl. Es gibt reichlich Auswahl.

Und nachdem wir uns schon an einem Platz fast komplett häuslich einge­richtet haben, kommen wir doch noch mal ins Grübeln. Denn vom nebenan liegenden Stall eines Bauernhofs kommt ein monotones Lüftungs­ge­räusch und es liegt frische Landluft in der Luft.

Wir planen also noch mal um, nehmen einen Platz direkt am Fluss und sind mit unserer Wahl jetzt so was von happy, dass wir sicher sind: Hier wollen wir ein paar Tage bleiben. Wie lange? Mal gucken…

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