Von Abisko nach Norwegen

25. Juli 2021

Irgendwie hatten wir uns mehr von unserem Platz in Puoltsa verspro­chen. Aber vielleicht sprechen einfach die Umstände gegen das Gutfinden. Das Wetter ist trüb und am gestrigen Abend gab es wieder heftige Mücken­at­ta­cken, sodass wir nur drinnen sitzen konnten. Und heute haben wir auch keine Zeit mehr, den Ort zu erkunden, da es uns magne­tisch weiter nach Westen zieht. Das nennt man wohl einen Fall von schlechter Planung. Aber gemessen an unseren sonstigen guten Entschei­dungen auf dieser Reise wollen wir da mal nicht so sein.

Puoltsa

Abisko ruft

Auch beim zweiten Anblick gewinnt Kiruna keinen Schön­heits­preis. Nee, wat ist das hässlich hier. Selbst der ICA, in dem wir noch mal vor Norwegen unsere Schweden-Vorräte auffri­schen, wirkt irgendwie minder­be­mit­telt. Nicht mal frische Kanel­bullar haben die hier!

Die ersten 50 Kilometer auf dem Weg zur Grenze zu Norwegen sind dann eher langweilig und trist. Erst, als wir den Tornet­räsk-See errei­chen, wird das plötz­lich anders. Und zusätz­lich zum See kommen dann noch richtige Berge ins Spiel, die das Ganze schon viel sehens­werter machen. Von den tollen Spiege­lungen im Wasser ist bei dem trüben Wetter heute aller­dings nichts zu sehen.

Abisko
Abisko
Findet ihr den weltal­ler­flachsten Regenbogen…?

Als wir schließ­lich im Abisko-Natio­nal­parks­zen­trum ankommen hat es sich sogar richtig einge­regnet. Mühsam ergat­tern wir noch einen Parkplatz am Naturum – erst nach unserer Wande­rung sehen wir, dass das Parken mit Womo am Parkplatz des Sessel­lifts viel einfa­cher gewesen wäre…

Kungs­leden

Als der Regen für einen Augen­blick aufhört, bereiten wir uns für die kleine Wander­runde vor, die man hier machen kann. Regen­zeug und leichtes Gepäck reichen für die 1½ Stunden. 

Hier ist der Beginn (oder das Ende) des Kungs­leden, des berühmten Langstre­cken-Wander­wegs hier im Norden. 

Abisko

Und den hat man hier wirklich kunst­voll insze­niert: Mit einer Art Eingangs­pforte, durch die man hindurch­schreitet und anschlie­ßend einem Fußgän­ger­tunnel, der kunst­voll gestaltet ist und dazu werden samische Gesänge abgespielt. Gleich­zeitig rauscht auf den ersten Metern neben einem der Abisko­jokk mächtig vorbei. Mehr Motiva­tion für einen Wanderweg geht ja kaum!

Abisko

Und so sehen wir auch die Langstre­cken­wan­derer beim Loswan­dern und beim Ankommen. 

Erstere sehen aufge­regt-gespannt aus. Insbe­son­dere einem Viertrupp begegnen wir erstaun­li­cher­weise immer wieder. Einer von ihnen erinnert uns an den pumme­ligen Sam aus Game of Thrones – ob der weiß, auf was er sich da einge­lassen hat?

Letztere sehen teilweise reich­lich fertig aus. Bei einem in Sandalen machen wir uns Sorgen, ob er die letzten Meter überhaupt noch schafft. Und die Sandalen trägt er bei dem Wetter wahrschein­lich auch nicht ganz freiwillig…

Abisko

Es ist ein ausge­spro­chen schöner Weg, den man auf dem ersten Teilstück immer etwas oberhalb des Flusses entlang wandert. Zum Teil geht man durch knorrige Birken­wäld­chen, die sich hier gegen­seitig zu stützen scheinen.

Nasses Laufen

Für die zweite Hälfte des Weges wird man dann in einem Bogen vom Fluss weg wieder zum Naturum zurück­ge­führt. Immer wieder geht es dabei über moorige Gebiete mit Holzbohlenstegen. 

Abisko
Abisko

Und da der Regen inzwi­schen leicht aber regel­mäßig auf uns prasselt, sind wir am Ende froh, dass wir nur die kleine Runde machen und im Womo in trockene Klamotten wechseln können.

Abisko

Auf nach Norwegen

Was jetzt kommt, ist für uns eine echte Novität: Wir fahren (Tusch!) vom verreg­neten Schweden ins trockene Norwegen. Verkehrte Welt! Aber wenn der Wetter­be­richt nicht völlig lügt, wird es in Norwegen so schön werden, wie es an der Ostküste Schwe­dens vorges­tern noch war.

Aber zunächst mal fahren wir durch grau-trübes Bergwetter. Brrrr!

An der Grenze überra­schen uns 2 Dinge: Zum einen, dass Riksg­ränsen nicht etwa die Grenze ist, sondern der Name einer Ansied­lung vor der Grenze. Achwas! 

Zum anderen, und das viel mehr: An der norwe­gi­schen Grenze ist nichts los. Nada. Niente. Keine Kontrolle, keine Corona-Tests. Nix. Wir sind völlig von den Socken. Die Norweger sollen doch so streng sein? Also viel Lärm um nichts. Na toll!

Norwegische Grenze

Wir sind beide aus dem Häuschen, dass das jetzt so einfach geklappt hat. Keine Covid-Kontrolle, keine Hunde­kon­trolle, keine Alkoholkontrolle!

Aber Norwegen empfängt uns trotzdem standes­gemäß. Nämlich mit irrer Strecke und dichtestem Nebel, sodass ich lieber mal die Nebel­schluss­leuchte anmache und mich langsam durch diese Suppe taste.

Norwegische Grenze
Norwegische Grenze

Endlich da

Nach 20 Kilome­tern kommt dann noch eine dicke Überra­schung: Die Norweger haben ihre Kontroll­sta­tion nämlich einfach ins Tal verlegt – laut Aussage des freund­li­chen Beamten, der unsere Impfzer­ti­fi­kate scannt und die Persos kontrol­liert, weil das für sie einfa­cher so sei…

Norwegische Grenze

Aber ab hier sind wir jetzt offiziell in Norwegen willkommen. Hurra! Und ich muss gestehen, dass mich das glück­li­cher macht, als ein schnöder Grenz­über­tritt das eigent­lich sollte. Corona hat auch seine guten Seiten: Man weiß Freiheit wieder so richtig zu schätzen!

Wir sind auch beide sofort wieder mit dem Norwegen-Virus infiziert. Mann, was ist das einfach schön hier. Die Berge, die Fjorde, das Licht, die Luft, der Geruch! Und wir sind ja noch nicht mal an unserem Ziel, den berühmten Lofoten angekommen.

Norwegen

Qual der Wahl

Bei einer Fika am Fjord versu­chen wir, eine kluge Entschei­dung zu treffen. Wir haben jetzt (mindes­tens) eine Woche in dieser Region und bei bestem Wetter vor uns. Wo also anfangen? Was weglassen? Wir entscheiden uns dafür, erst mal die „klassi­schen“ Lofoten­orte abzuklap­pern. Die sind ja nicht ohne Grund so beliebt und sehens­wert. Sollte uns das dort alles zu überlaufen und touris­tisch sein, können wir immer noch einen Plan B schmieden. 

Wir beschließen, einen letzten Abend auf dem Festland zu verbringen, da wir in dem Örtchen Evenskjer einen vielver­spre­chenden Platz kurz vor der Brücke nach Hinnøya, der größten Insel der Vesterålen gefunden haben. 

Das geht ja gut los

Als wir auf die Zielge­rade einbiegen sind wir schon mal vom Blick über den Fjord geflasht. Norwegen spielt einfach in einer anderen Liga als andere Länder. Selbst bei dem zunächst noch durch­wach­senen Wetter sieht das beson­ders aus. Quasi als wir an unserem Stell­platz ankommen schaltet das Wetter dann um auf „schön“. Also sonnig und mit immer wolken­loser werdendem Himmel.

Evenskjer

Da wir um kurz vor sieben angekommen sind, heißt das nach Nordland-Logik, dass noch vier Sonnen­stunden vor uns liegen. Genial!

Evenskjer
Elli wartet

Wir benötigen diese Zeit auch, um zu reali­sieren, dass gerade ein neuer Abschnitt der Reise begonnen hat: Norwegen und Lofoten, wir freuen uns auf euch!

Evenskjer
Evenskjer
Evenskjer
Annette im Sonnenuntergang

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Der wilde Westen von Mull

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2 Kommentare

  1. Hey ihr vier 😊
    herzlich willkommen in Norwegen 🇳🇴
    Seit 45 Jahre unsere 2.Heimat 👍
    Wir teilen eure Ansicht..Norwegen ist etwas besonderes 👌👌👌
    Wir wünschen euch viel Spaß und viel Sonne 🌞..haben diese für euch bestellt 😉😉😉
    Weiterhin gute Fahrt
    Gruß
    Husky und Seewolf
    Annegret und Werner

    Antworten
  2. Ich freue mich auch sehr, wieder mal zu den Lofoten zu reisen, wenn auch nur virtuell. Danke fürs Mitnehmen und eine schöne Zeit weiterhin

    Viele Grüße Familie Weber

    Antworten

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