Schnit­zeljagd und Gletscherwind
26. Juli 2018

Die Nacht war kalt. 5° haben wir länger nicht gehabt! Aber als am nächsten Morgen die Sonne am blauen Himmel aufgeht, wird es schnell wärmer und Annette möchte bei diesem Pracht­wetter liebend gerne draußen frühstücken. Aber was ist das? Als alles herge­richtet ist, verschwindet die Sonne wieder hinter dem mächtigen Berg an der östlichen Talseite. Würd es reichen, einfach den Tisch zu verschieben? Ich checke mit meiner Foto-App und es sieht schlecht aus…

Egal, wir mummeln uns ein und frühstücken auch im frischen Schatten. Wir sind ja nicht zum Vergnügen hier!

Schnit­zeljagd am Fåberg­støls­breen

Denn das Vergnügen kommt erst danach: Wir starten zur Tour zum Fåberg­støls­breen, dem Gletscher nebenan, den man aber von der Talstraße aus nicht sehen kann.

Wir brechen mit beiden Hunden auf, müssen aber nach ein paar Metern die Tour als zu hart für Mia einstufen: grober Kies, gerne auch mal klettern und man merkt ihr auf diesem Unter­grund doch an, dass sie sich unwohl fühlt. Nicht behin­der­ten­ge­recht! Aber als sie sich, wieder zurück am MoMo, auf ihren Chefsessel kuschelt, wirkt sie nicht so wirklich traurig, dass sie nicht mitkommen darf.

Für uns geht es aber los und es ist ein bisschen wie eine Schnit­zeljagd. Denn anstelle einer Farbmar­kierung gibt es hier nur die bekannten Stein­türmchen, die entlang des Weges immer wieder zu finden sind. Und da der Weg oft nicht so wirklich klar zu erkennen ist, heißt es: Augen auf!

Wirklich verlaufen kann man sich aber auf dieser Tour ohnehin nicht. Einfach immer dem Gletscherbach folgen und nach oben. Und bei der Kraxelei steinauf, steinab fühlen wir uns bestätigt, dass es eine sehr gute Entscheidung war, Mia nicht mitzu­nehmen. Das wäre für sie (und uns) der reine Horrortrip geworden.

Für uns ist es eine mäßig anstren­gende, aber sicheren Tritt erfor­dernde Wanderung. Aber ab der Mitte des Weges ist es ein Selbst­läufer. Nämlich ab da, wo der Gletscher zu sehen ist.

Zunächst wirkt er noch weit entfernt, dann aber kommen wir erstaunlich nah dran. Also nicht in Berüh­rungs­weite, aber doch so, dass man das blaue Leuchten aus den Gletscher­kanten genießen kann. Was für Farben!

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Auf den letzten Metern ziehen wir sogar unsere Windjacken an, weil vom Gletscher ein kühler Wind hinab­bläst. Zunächst noch herrlich erfri­schend, später aber so, als hätte jemand im Auto die Klima­anlage auf 18° einge­stellt. Auf dem Rückweg merkt man dann aber ziemlich schnell, dass man wieder in den Sommer unterwegs ist: Jacken wieder aus!

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Stygge­vatnet

Zurück am MoMo brechen wir dann ziemlich schnell zum Stausee am Ende des Tales auf. Wir schrauben uns noch mal einige Höhen­meter nach oben und landen an der mächtigen Staumauer. Nur dumm, dass die Landschaft drumherum noch mächtiger aussieht und das ganze fast schon wie Spielzeug aussehen lässt.

Nach einer Stärkung mit Kaffee und Keksen nehmen wir den Aufstieg zur Staumau­er­krone in Angriff.

Und weil es hier oben noch Schnee gibt, kann ich der Versu­chung nicht wider­stehen und hinter­lasse einen Abdruck im Schneefeld. Schön kühl!

Der Blick hinüber auf den Gletscher ist dann eine feine Belohnung für den gar nicht mal so langen Weg. Was für eine Landschaft!

Der Camping­platz zu Babel

Nachdem wir auf dem Rückweg noch fleißig Blaubeeren gepflückt haben, geht es zurück in die Zivili­sation: Heute soll es mal wieder ein Camping­platz mit Entsorgung und Internet sein.

Wir haben über den Camping­platz am Nigards­breen nichts schlechtes gelesen und dass die ältere Dame an der Rezeption nur Norwe­gisch spricht, kann doch nicht wirklich ein Problem sein, oder?

Nun, in der Tat ist es das. Wir müssen dringend unser Grauwasser entsorgen, sehen aber keine Station. Lediglich ein tonnen­för­miges Loch, was wohl für die Toilet­ten­ent­sorgung gedacht ist. Wir versuchen, uns irgendwie verständlich zu machen, aber irgendwie reden wir immer anein­ander vorbei. Sie wirkt regel­recht verzweifelt, weil wir anscheinend nicht die ersten sind, die mit ihr an der Sprach­bar­riere scheitern. Was wir verstehen: Man könne ja an dem anderen, 3km entfernten, Camping­platz entsorgen und dann wieder­kommen. Hm, aber warum sollten wir dann noch mal zu ihr umkehren? Schwierige Entscheidung und bei ihr fließen in der traurigen Verzweiflung, dass wir uns nicht verstehen, schon ein paar Tränchen. Eieiei…

Wir beschließen, erst mal den anderen Camping­platz auszu­checken, da hier alles schon sehr basic wirkt. Sollte es uns dort besser gefallen, bleiben wir und ansonsten: Mal gucken.

Der Camping­platz in Gjerde ist dann in jeder Hinsicht das Gegenteil. Alles pieksauber, ein Traum von einer Ver- und Entsor­gungs­station und noch dazu werde ich aufs freund­lichste auf Deutsch begrüßt. Nur leider mit einer traurigen Botschaft: Alles voll! Ich erzähle ihr von unserem Erlebnis am anderen Camping­platz und sie nickt verständ­nisvoll — entsorgen sei bei ihr heute kein Problem und wenn wir morgen wieder­kommen wollten (aber bitte früh am Nachmittag!), wären wir sehr willkommene Gäste.

Bei einem kurzen Stop im Breheimsen­teret, dem Gletscher­be­su­cher­zentrum, erfahren wir, dass man leider nicht über Nacht dort stehen dürfte. Kuriose Inter­pre­tation des „No Camping“-Schildes: „Och, Stühle und Tische könnt ihr ruhig rausstellen, das stört uns nicht. Aber Übernachten geht halt nicht, sorry.“

Also fahren wir wieder zurück zu unserer norwe­gi­schen Omi, machen den Platz für die Nacht klar und können dann endlich Feier­abend mit Blaubeer­pfann­kuchen machen.

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