Richtung Rondane
19. Juli 2016

Heute sieht es trübe aus.

Wir sind umgeben von grauen Wolken und regel­mäßig geben sie auch etwas Regen von sich. Auch unsere Dusche ist in den wenig gepflegten Sanitär­räumen des Platzes nur ein mittlerer Erfolg, da die Duschzeit, die man mit einer Münze erkauft, doch sehr sportlich bemessen ist. Aber immerhin schön heiß — das tut gut an so einem Morgen!

Vor der Abfahrt erledigen wir noch das Entsorgen und auch hier sind wir von der Qualität der Anlage eher unter­wältigt. Man muss extrem nah ans Waschhaus fahren, dann ein viel zu kurzes Stück Kunst­stoff­röhre am Grauwas­ser­aus­fluss befes­tigen, um dann festzu­stellen, dass der Abfluss anscheinend halb verstopft ist und es deswegen zu Überschwem­mungen kommt, wenn man nicht den Grauwas­serhahn ständig nachjus­tiert. So wird der norma­ler­weise einfachste Teil der Ver- und Entsorgung zum stinkigen Gedulds­spiel. Bäh!

Aber das ist schnell vergessen als wir weiter fahren. Es geht jetzt wieder zurück Richtung Norden. Den Jotun­heim­vegen, auf den wir uns schon gefreut hatten, lassen wir schweren Herzens aufgrund des trüben Wetters aus. Statt­dessen geht es Richtung Vågåmo. Ein Gülle­wagen bremst uns aus und sorgt dafür, dass wir mit vermin­dertem Tempo weiter fahren. Aber wir haben ja Zeit!

Vor der Gefäl­le­strecke lässt er uns aber netter­weise passieren. Was uns nur teilweise freut, denn so haben wir nicht mehr so viel Zeit uns den unfassbar grünen See Vågåvatnet anzugucken.

Von oben sieht es einfach traumhaft aus, aber es gibt keine Halte­bucht, an der wir stehen­bleiben können. Das Bild hier gibt die Farbe des Sees nur unzurei­chend wieder — es ist ein leuch­tendes, strah­lendes Grün. Herrlich!

In Vågåmo gucken wir uns die Kirche an. Könnte unsere Schlecht­wet­ter­be­schäf­tigung werden. Irgendwie mag ich diese Holzkirchen lieber als die x‑te mit viel Blingbling und barocken Puttenengeln…

Nach dem Einkauf geht es weiter entlang des Flusses Otta in Richtung der Stadt Otta. Sehr ökono­misch, die Norweger. An einer Brücke halten wir trotz des Niesel­regens, weil man hier mal einen richtig guten Blick auf den vom Gletscher grün gefärbten Fluss werfen kann. Und ich habe gelernt, dass Bungee-Jumping auf Norwe­gisch “Strikkhopping” heißt. Gefällt mir doppelt so gut! Ist aber von dieser Brücke leider verboten.

Nachdem wir Otta erreicht haben geht es sofort auf einer steilen Serpen­ti­nen­straße hinauf zum Rondane Natio­nalpark. Und wir haben Glück: Direkt vor uns fährt der Linienbus und “räumt” uns den Weg frei. Wir wissen: Dort wo er durch­kommt, ist es für uns nicht mehr schwer. Aber als wir dem Trecker begegnen bin ich mir auf einmal nicht mehr so sicher. Es hat aber gepasst…

Angekommen im Bergdorf Mysuæter parken wir erst mal auf dem großen zentralen Parkplatz und sondieren nach Kaffee und Plätzchen die Lage und stellen fest, dass wir den per GPS-Koordi­naten angege­benen Stell­platz noch gar nicht erreicht haben.

Und tatsächlich finden wir einen Parkplatz, der aber irgendwie verwaist und halb geschlossen aussieht. Aber das Tor lässt sich problemlos öffnen und es gibt eine Kasse des Vertrauens samt Bezahl­for­mular. Für 40 Kronen wechseln wir gerne auf diesen doch etwas gemüt­li­cheren Platz neben ein paar Hütten. Und ein paar Kinder, die Schafe füttern wollen, gibt’s gratis dazu.

Am Abend stellen wir fest, dass wir neue Nachbarn bekommen haben. Annette hatte schon vom ersten Parkplatz erfreut eine Herde Isis gesehen und diese sind mittler­weile in den Bereich direkt bei uns hochge­wandert und lassen sich gerne strei­cheln und fotogra­fieren.

Wir machen uns dann noch zu einen Abend­spa­ziergang auf, da es mittler­weile etwas freund­licher, wenn auch nicht sonniger geworden ist. Und das Glück ist uns mal wieder hold: Nach nur kurzer Wegstrecke kommen wir an eine Brücke mit Wasser­kas­kaden. Schön!

Und auch das Flussbett aufwärts sieht sehr pittoresk aus. Schön hier oben!

Und als Höhepunkt entdecken wir noch den Ulavoss nur wenige Meter fluss­ab­wärts. Was das rauscht und donnert und brodelt!

Vassen­den­index

Sommer­wetter: 4,5

Pisswetter: 1,5

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