Spektakuläre Stabkirche

25. Juli 2018

Unser Parkplatz am Straßenrand hat sich wie erhofft als ruhig und problemlos herausgestellt. Und auch der Regen hat sich die Nacht zum arbeiten ausgesucht – morgens scheint die Sonne wieder!

Feigefossen

Ideale Bedingungen, um zum Feigefossen hochzusteigen. Annette hatte gestern schon ausgecheckt, dass es wieder eine ziemliche Kraxelei werden würde, die wir Mia trotz ihren heldenhaften Leistung nicht noch einmal zumuten wollen. Denn gestern war sie quasi zu nichts zu gebrauchen und wollte nur ihre Ruhe haben. Darf sie ja auch.

Also begeben wir uns nur mit Elli hinauf zum Wasserfall. Schwer ist der Aufstieg nicht, aber auch hier muss man immer gut gucken – nix für blinde Hunde!

Wir haben dafür ums so mehr Spaß an dem, was wir hier sehen. Durch die Sprühzone des Wasserfalls gibt es hier ein üppiges Grün und wir fühlen uns sehr an Irland erinnert.

Als wir am Aussichtspunkt ankommen, sind wir trotzdem durchgeschwitzt. Es gibt gleich 3 Bänke und die Aussicht auf den Feigefossen ist formidabel.

Aber hier ist noch nicht Schluss. Es geht noch ein Stückchen weiter, bis man wirklich am Fuße des Wasserfalls landet. Zumindest gibt es ein Hinweisschild, dass den Weg für beendet erklärt, weil es sonst zu gefährlich würde. Es reicht uns auch so…

Hier gibt es am gesamten Weg immer wieder so üppige Himbeersträucher, wie ich so noch nie gesehen habe. Annette ist pragmatisch und funktioniert (unbenutzte…) Hundekacktüten zu Himbeersammeltüten um.

Für den Rückweg haben wir schon fest Kaffee und Waffel in einem kleinen Schuppen eingeplant. Alles dort wirkt von außen noch unfertig und improvisiert und um so überraschter bin ich, als ich den Schuppen betrete!

Alles ist liebevoll renoviert und mit einem Sammelsurium an Möbeln eingerichtet. Die freundliche Eigentümerin erklärt mir, dass es die ehemalige mit Wasserkraft betriebene Säge sei, die man wieder hergerichtet habe und sie jetzt in der ersten Saison sei. Die feine Doppelbank am Fjord ist auf jeden Fall ein Top-Platz, um sich für die Wanderung zu belohnen!

Die romantische Straße führt uns weiter am Lustrafjord entlang und es ist einfach nur toll, diese einsame Straße über dem grünlich schimmernden Fjord entlang zu fahren. Wir machen eine spontane Pause an einem Laden am Wegesrand, der mit dem Schild „SLOW local FOOD“ wirbt.

Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass es lediglich ein üppig gefülltes Kühlregal ist. Da die Waren aber verlockend aussehen, kratzen wir unser Geld für Rhabarbermarmelade und Bärlauchpesto zusammen und werfen es in die Kasse des Vertrauens. Toll, dass das hier in Norwegen so funktioniert!

Am Parkplatz in Urnes gibt es mehrere Picknickbänke mit Luxusaussicht auf den Fjord, wo wir uns dann die Himbeerdickmilch schmecken lassen, die Annette mit den gesammelten Himbeeren gezaubert hat.

Stabkirche von Urnes

Anschließend pilgern wir hoch zur Stabkirche. Nach dem Flop von Borgund allerdings mit sehr geringen Erwartungen. Der Weg führt den Berg hinauf und man fühlt sich fast ein bisschen nach Südtirol versetzt, weil hier auch so viele Apfelbäume am Wegesrand zu finden sind. Und kultivierte Himbeeren gleich noch dazu, die es hier in großen Schalen für 30 Kronen zu kaufen gibt.

Wir machen wieder das Borgund-Programm: Annette wartet mit den Hunden draußen, ich mache die Besichtigung. Aber der sehr nette Herr an der Kasse gibt mir schon mal einen guten Tipp: Annette könne mit den Hunden an der Friedhofsmauer entlang gehen und könne von dort aus auch gut die berühmten Schnitzereien an der Außenwand sehen.

Und es geht gut weiter: Denn obwohl von der Grundfläche her sicher kleiner als die in Borgund, ist diese Stabkirche innen wirklich sehenswert. Nicht so ein dunkles Loch wie in Borgund, sondern mit allem, was man in so einer alten Kirche auch erwarten würde.

Und wir kriegen das alles noch extra erklärt, als der nette Kassierer uns eine englischsprachige Einführung in die Geschichte und Bauweise dieser Kirche gibt. Und die ist wirklich spannend und hörenswert – was die alten Norweger sich beim Bau der Kirche alles für Feinheiten ausgedacht haben!

Aber vor allem: Wie beeindruckend, dass dieses alte Holz(!)-Bauwerk heute immer noch so stabil steht wie vor hunderten von Jahren!

Wer nicht so der Kirchenfreak ist und höchstens eine Stabkirche in Norwegen besuchen würde: Mit dieser macht man sicherlich keinen Fehler! Guckbefehl!

Auf dem Weg zurück zum MoMo sieht Annette die Fähre zum anderen Fjordufer nach Solvorn einlaufen. Das wird knapp! Wir finden uns schon halb damit ab, dass wir eine Stunde am Anleger auf die nächste Fähre warten müssen, werden aber wider Erwarten als wirklich allerletztes Fahrzeug noch an Bord gewunken – rückwärts auffahren bitte!

Nach dem netten Bezahlschnack mit dem deutsch sprechenden Fährmann legt die Fähre sofort ab und bringt uns ins wirklich hübsche Örtchen Solvorn auf der anderen Fjordseite. Wir wären gerne noch geblieben, aber das Jostedal ruft!

Unterwegs ist aber noch mal Tanken fällig, wobei ich mich am Tankautomaten besonders dusselig anstelle. Erst im dritten Anlauf fließt der Sprit…

Nach der „romantischen Straße“ von anderen Fjordufer kommen uns die Straßen hier wirklich wie Autobahnen vor. 80km/h. Wow!

Wildes Jostedal

Wir biegen ins Jostedal ein und sind von der breiten, teilweise wild schäumenden Jostedøla schon mal sehr beeindruckt. Gekommen sind wir aber für die Gletscher. Am Ende des Tals kommt dann nämlich mit dem Nigardsbreen ein beeindruckender Gletscher, den wir aber buchstäblich links liegen lassen, um zu unseren Stellplatz für die Nacht zu kommen. Am Fåbergstølbreen gibt es nämlich gleich mehrere Stellen, die wie inoffizielle Stellplätze wirken. Überall sieht man mit Steinen gebildete Feuerstellen und die paar Womos, die sich bis hier oben verirren, verteilen sich auf jeweils separate Plätze.

Nach unserem Abendessen, Spaghetti mit dem sehr leckeren Bärlauchpesto von heute mittag, machen wir uns noch zu einem kleinen Erkundungsspaziergang in der Umgebung auf und sind begeistert von den mächtigen Bergwänden an beiden Seiten und den in der Ferne sichtbaren Gletschern, denen wir morgen auf die Pelle rücken werden. Ach ja, Blaubeeren gibt es hier endlich in Hülle und Fülle!

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