Erholtag mit Aussicht
24. Juli 2018

Heute legen wir einen Erholtag ein. Die Eindrücke wollen verar­beitet werden und ein bisschen Lesen ist ja auch mal ganz schön. Wir nutzen daher schamlos aus, dass es weiterhin sommerlich ist und sitzen bei angenehmen Tempe­ra­turen in der Sonne und schauen weiße Wölkchen beim Dahin­ziehen über den blauen Himmel zu. Erst als es sich gegen Mittag zuzieht, brechen wir unsere Zelte ab und fahren weiter.

In Øvre Årdal frischen wir noch einmal unsere Vorräte auf, bevor es dann hinauf auf den Tinde­vegen geht. Vor 2 Jahren haben wir ihn schweren Herzens ausge­lassen — heute ist er fällig!

Die Voraus­set­zungen erfüllen wir locker — erst ab 10m Länge ist es verboten. Und die möchte ich in einem solchen Schlacht­schiff bei den engen Serpen­tinen zu Beginn auch nicht wirklich hoch kutschieren. Unser kurzes wendiges MoMo ist mir da mal wieder sehr lieb.

Und wer in Höchst­ge­schwin­digkeit einmal mitfahren möchte: Bitte­schön, wir haben da mal ein Video vorbe­reitet!

Wir klettern und klettern und klettern — ganz schön hoch hier! Das einzige, was die mächtige Landschaft hier dann doch empfindlich stört sind die 3 Reihen von Strom­lei­tungen, die uns den größten Teil des Weges begleiten. Aber auch so ist das Erlebnis eindrücklich genug.

Hinter der Mautstation, die sich sinni­ger­weise fast schon an der Passhöhe befindet und nur mit Kredit­karte gefüttert werden kann, wird es dann richtig dolle. Und am Rastplatz hat man einen wirklich großar­tigen Rundum­blick und kann von hier aus auch den Rastplatz auf der Sognef­jellet-Straße sehen, von dem wir beim letzten Mal hier rüber geguckt haben und die Fahrt dann doch auf ein anderes Mal verschoben haben. Erledigt!

Wir machen bei sehr bedecktem Wetter, böigem Wind, aber kurio­ser­weise eher milden Tempe­ra­turen erst einmal ein Kaffee­päu­schen. Hat schon was mit dieser Aussicht! Und die Norweger haben netter­weise auch Stein­tischchen und Bänke hinge­stellt, die gut in diese karge Landschaft passen.

Wir hatten kurzzeitig überlegt, an diesem Platz mit seiner tollen Aussicht unsere Zelte aufzu­schlagen. Aber ein zwischen­zeit­licher Regenguss und eventuell mögliche Gewitter lassen uns dann doch lieber einen Platz am Fjord suchen.

Die Bergab­fahrt gestalte sich in gewohnter Manier: Ich habe Spaß und Annette steht Todes­ängste aus. Zumindest rutscht sie immer tiefer in ihren Sitz, bremst verzweifelt in ihrem Fußraum mit und stöhnt „Aber doch nicht so schnell!“ 40km/h sind aber auch wirklich eine Höllen­ge­schwin­digkeit…!

Am heutigen Nachmittag haben wir das erste Mal wieder das graue und wolken­ver­hangene Norwegen erlebt — nur mit dem Unter­schied, dass man weiterhin im T‑Shirt rumlaufen kann, ohne dass man dafür ein Wikinger sein müsste. Es ist immer noch mild.

Hinter Skjolden sehen wir am herrlich grünen Lustrafjord ein paar Womos auf einer großen asphal­tierten Fläche stehen.

Sieht gar nicht mal so dumm aus! Aber als wir dann sehen, dass der dann doch sehr sparta­nische Platz ohne irgend­welche Annehm­lich­keiten 150 Kronen kosten soll, zeigen wir ihm einen Vogel und fahren weiter Richtung Urnes, wo die Straße am Fähran­leger endet.

Dorthin wollen wir heute aber gar nicht. Denn es gibt auf dem Weg noch eine Top-Sehens­wür­digkeit: Der Feige­fossen ist nach dem Vettis­fossen der zweit­höchste nicht regulierte Wasserfall Norwegens. Da wollen wir hin. Die Straße dorthin ist aber wieder mal eine „crazy road.“ Zwischen Fjord und Felswand schlängelt sich ein einspu­riges Sträßchen, auf dem es oft für längere Zeit keine wirkliche Ausweich­stelle gibt. Ach ja, und unbeleuchtete, stock­düstere Tunnel. Sehr adrena­lin­för­dernd! Aber gottseidank hält sich der Gegen­verkehr in Grenzen…

Der Wander­park­platz am Wasserfall entpuppt sich als Reinfall. Womover­bots­schild…

Aber Annette hat neben einer Ausweich­bucht so ungefähr die einzige Stelle auf 10km gesehen, wo man sich hinstellen kann, ohne asozial die Ausweich­stelle gleich mit zu blockieren. Probieren wir aus. Passt!

Nach dem Abend­essen gehen wir noch mal Richtung Wasserfall. Und genießen die herrlich ruhige Abend­stimmung am Fjord. Was ein schöner Ort das hier ist!

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