Queen of crazy hikes

Wir sind im Skandinavien-Modus angekommen. Das bedeutet, dass ein Tag nicht sehr weit vor 10 Uhr beginnt.

Wir haben festgestellt, das die Kunststoffschürzen am Aufbau, die unten links und rechts hinter den Türen angebracht sind, marode sind. Auf der rechten Seite ist sie genau an der dünnen Stelle gebrochen, wo die Schraube sie an der Karosserie festhalten soll. Und links ist das nur noch eine Frage der Zeit. Mrks.

Unser Freund Panzertape hält auch diese Macke hoffentlich bis nach Hause, wo wir mal bei Knaus nachhören wollen, was das denn sein soll.

Und beim Entleeren der Toilette macht es auf einmal so ein klonkerndes Geräusch im Innern. Wir holen überrascht ein längliches weißes Kunststoffteil aus der Kassette. Zu unserer Verdauung gehörte das aber nicht! Hat jemand eine Ahnung, was das sein könnte? Und wofür es gut ist? Denn gottseidank ist die Kassette weiterhin benutzbar und auch dicht. Zumindest für den Moment…

Aufgrund dieser Problemchen starten wir etwas später als geplant zu unserer heutigen Wanderung durchs Utladalen mit dem Vettisfossen als Zielpunkt. Seines Zeichens höchster unregulierter Wasserfall Norwegens mit einem freien Fall von stattlichen 273m!

Wanderung nach Vetti Gard

Auf dem Parkplatz kriegen wir mit einen der letzten Plätze – voll hier! Und auch auf der Wanderung begegnet man regelmäßig anderen Wanderern. Ein beliebter Hike!

Schon auf den ersten Metern wird deutlich, warum: die Landschaft hier im Tal ist grandios, die im hellen Türkis schäumende Utla wird nie langweilig und als wäre das noch nicht genug, gibt es mehrere tolle Wasserfälle auf der Strecke, die dann mit dem wunderschönen Vettisfossen als klangvollem Höhepunkt ihr Ende findet.

Sozusagen als Appetithäppchen gibt es den mächtigen Hjellefossen, den man quasi für lau am Einstiegspunkt in die Wanderung präsentiert bekommt. Nicht schlecht!

Hinter dem erneut grandiosen Ardalsfossen geht ein eher unscheinbarer Weg steil und unwegsam hinauf zu einem…Hotel! Man macht am Wegesrand fleißig Werbung für das Avdalen Gard, aber für heute bleiben wir dann doch lieber auf der Hauptstrecke.

An einer Stelle liegt in der Utla ein merkwürdig rotes Ding, was wir zunächst nicht zuordnen können. Normalerweise gehört dies nicht hier hin, so viel steht fest. Ein älterer Norweger löst das Rätsel für uns: Es müsste ein Elch(?)-Kadaver sein, der hier als Wasserleiche aufgedunsen rumliegt. Hey, unser erster Elch…!

Im weiteren Verlauf wird man auf einem tatsächlich auch als Fahrstraße zu benutzenden Weg Richtung der Tourenhütte Vetti Gard gelotst. Ein Stück mit besonders heftiger Steigung ist sogar asphaltiert!

Man bekommt wieder einen Heidenrespekt für die Norweger, als man diese kleine Siedlung dann tatsächlich am Ende des Weges erreicht: Da haben die echt noch Häuser hingebaut? Wahnsinn!

Wir sind aber einfach nur froh, dass wir uns nach 300m Steigung mit Waffel und Cola stärken können, bevor es zum Vettisfossen weitergeht.

Zum Vettisfossen

Auf dem Papier liest sich das easy: 1km, 30 Minuten und schon ist man am Fuße des Wasserfalls angekommen. In der Realität ist das Schwerarbeit. Denn nicht nur muss man die 300m, die man nach Vetti Gard hochgelaufen ist, in ziemlich kurzer Strecke wieder steil hinab, sondern das ganze jetzt auch noch auf einem Stolperpfad, wo man jeden Schritt auf den vielen, vielen Steinen gut setzen muss.

Und wir haben uns dann auch noch ein kleines Handicap eingebaut, was es noch ein bisschen anspruchsvoller macht: Annette übernimmt Elli, die gerne schon mal übermütig Harakiri am Steilufer der Utla probt. Und ich habe unsere alte, blinde Mia an der Leine, die sich mehr als wacker schlägt. Nicht nur hat sie auch am Ende des Tages die beste Kondition von allen, sondern sie findet auch willig und forsch immer einen Weg – buchstäblich immer der Nase nach! Ich hätte mir als Blinder an ihrer Stelle mehr als einmal vor Angst in die Hose gemacht und mich alsbald schlicht geweigert, weiter zu gehen. Für uns ist sie die Heldin des Tages, unsere „Queen of crazy hikes“!

Nach einem seeeehr langen Kilometer kommen wir am Vettisfossen an und sind sofort für die Strapazen entschädigt. Man sieht ihn tatsächlich quasi erst unmittelbar vor Ende der Tour, ist dann aber von dem majestätischen Schleier, der die Felswand hinunterfällt, sofort gefangen.

Spektakulärer Rückweg

Auf dem Rückweg erledigen wir dann noch ein paar Specials, die wir uns auf dem Hinweg verkniffen hatten.Wir kommen wieder an der Hängebrücke über die Utla vorbei und diesmal trauen wir uns auch drauf. Erst Micha, dann Annette. Den Hunden ersparen wir diesen leichten Nervenkitzel…

Noch besser wird es beim Høljafossen. Dieser Wasserfall mit seinem natürlichen Becken am unteren Ende sah schon auf dem Hinweg so aus, als hätte man hier den „Schatz im Silbersee“ gedreht. Jetzt gehen wir die paar Schritte hinunter und ich komme noch dazu, ein paar Fotos zu machen. Toller Wasserfall Nummer 4!

Auf dem weiteren Rückweg geht es uns dann bittersüß: Man erinnert sich an die besonderen Punkte, die einem schon beim Hinweg gefallen haben, hat aber immer auch das Gefühl „Ach, hier sind wir erst – dann kommt ja jetzt auch noch xyz, bevor wir wieder zurück sind…“

Denn wir sind am Ende der Wanderung echt fertig. Und daher ist der Plan für den Rest des Tages auch schnell geklärt: Zurück zum Campingplatz. Denn andere Alternativen haben wir hier in der Nähe nicht und jetzt ist für den Rest des Tages einfach mal ausruhen angesagt…

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