Von steilen Wegen und düsteren Kirchen

Hier im Tal ist es über Nacht dann doch frisch geworden. Bei 12° wollen wir dann doch nicht draußen frühstücken… Und sicherheitshalber ziehen wir uns für heute dann doch mal lange Hosen an und packen für unsere heute geplante Wanderung auch noch die Jacken in den Rucksack – in Norwegen kann man ja nie wissen!

Vindhellavegen

Wir fahren das kurze Stückchen zum Einstieg in den Vindhellavegen und machen uns auf die erste Wanderung des Urlaubs. Der Weg führt über den Bergrücken zur Stabkirche von Borgund. Laut Reiseführer eine Attraktion, die man nicht auslassen darf.

Das besondere am Vindhellavegen ist, dass er steil ist. Also 20%-Steigung-steil. Und das ist noch die entschärfte Variante, denn in seiner ersten Version hatte dieser Weg sogar 25% Steigung. Da war doch was mit Norwegen und Straßen? Ach ja, „Home of crazy roads“…

Und wirklich: wir kommen nach 200m steilem Bergaufgehen zu einem lauschigen Bänkchen mit der Bezeichnung „Lusahaug“. Haben wir mal ganz frei mit „Bank für Loser“ übersetzt und uns niedergelassen, um erst mal den anderen zuzugucken, die auf dieser Straße nach oben wollen. Und verfluchen jetzt schon unsere Bekleidungswahl. Denn es ist, obwohl noch schattig, ein weiterer sommerlicher Tag, der definitiv keine langen Hosen geschweige denn Jacken erfordert.

Besonders im oberen Teil mit seinen Serpentinen ist der Weg wirklich fotogen: Geländerpfosten, die mit Rost und Flechten gesprenkelt sind, Birken am Wegesrand und die geschwungene Straße die ruft „Komm, so schlimm wird’s nicht!“

Borgund

Der Abstieg hinunter zur Stabkirche ist dann ein Klacks. Man kann sie lange nicht sehen, bis sie dann doch durch die Bäume hindurchschimmert. Zunächst sind wir verwirrt, weil es so aussieht, als gäbe es keinen Zugang vom Wanderweg aus, aber nachdem wir außen um das Gelände herumgeführt worden sind, ist uns auch klar, warum: Die wollen Geld sehen. Denn man kann weder ins Besucherzentrum noch auf das Kirchengelände ohne 90 Kronen (9€) Eintritt gezahlt zu haben. Und Hunde sind auch verboten. Na toll!

Nach kurzem Kriegsrat ist der Plan klar: Ich kaufe ein Ticket, gucke und fotografiere alles weg und erstatte dann hinterher Bericht. Und Annette macht sich eine gemütliche Zeit mit den Hunden im Schatten des Besucherzentrums.

In der wirklich gut gemachten Ausstellung im Besucherzentrum wird die Bauweise erklärt und auch ansonsten alles, was wichtig ist, gut dargestellt. Das können die Norweger echt gut!

Der eigentliche Kirchbesuch ist dann für mich aber eher ein Flop. Der Innenraum ist düster und eher klaustrophobisch klein und zu sehen gibt es auch nicht viel. Das mag ein Schreiner, Theologe oder Historiker anders sehen. Aber für den banausigen Fotografen ist das eher ernüchternd. Aber immerhin: Der Geruch nach altem Holz war toll – der lässt sich nur so schlecht fotografieren…

Den Rückweg treten wir dann über den Sverrestigen an.

Benannt nach dem König Sverre, nicht weil er so schwer ist. Wobei: Wir hatten uns auf einen netten ebenerdigen Panoramaweg zurück zum MoMo eingestellt, haben dann aber doch ganz ordentlich zu klettern und wieder hinabzusteigen. Nur leider ohne weitläufige Aussicht.

Nachdem wir uns am MoMo erst mal mit Salzkaramelleis gestärkt haben, welches Annette gestern in Fagernes n den Einkaufskorb geschmuggelt hat, geht es weiter Richtung Fjord.

Durch unzählige, aber immer auffallend lange Tunnel geht es weiter. Und als wir das erste Mal wieder den Blick auf einen „richtigen“ Fjord werfen, sind wir auch sofort wieder sicher, eine gute Entscheidung getroffen zu haben.

Aber als wir dann am gletschergrün schimmernden Årdalsvatnet eine kurze Kaffeepause einlegen, wird es sogar noch besser. So ein unwirkliches Grün! Immer wieder schön.

Unser Ziel für heute ist der Campingplatz im Utladal bei Øvre Årdal. EIn sehr einfacher Platz mit einer sehr originellen Entsorgungstation. Man fährt quasi in einen baumumsäumten Platz, wo das Abflussloch an einer Stelle ist, wo kein Wohnmobil seinen Grauwasserabfluss hat. Also wird mit Staubsaugerschlauch und Winkelrohr ein Abflussrohr gebastelt, was man dann beim Ablassen festhalten muss. Nunja.

Wir genießen es, uns mal wieder draußen breit zu machen und, da es hier doch deutlich feuchter ist als im Osten, sogar zur Feier des Abends zu grillen. Das erste Mal, dass man das ohne schlechtes Gewissen auch tun kann. Und vielleicht deswegen doppelt so lecker?

Abends parken zusehends mehr Leute an der Straße neben dem Campingplatz. Heraus steigen Familien mit Kind und Kegel und pilgern los. Wir vermuten, dass hier in der Nähe was großes los sein muss!

Als wir abends dann mal dorthin spazieren, wo alle hingegangen sind, löst sich das Rätsel auf: Der Norweger Lars Monsen wandert quer durch Norwegen und im staatlichen Fernsehen gibt es eine Sondersendung dazu. Und wir sind mittendrin…!

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