Wir können auch kühler
21. Juli 2018

Auch am nächsten Morgen gefällt uns das Rauschen des Wasser­falls — es hat uns nämlich eine ausge­sprochen gute Nacht beschert: sehr beruhigend!

Nach dem Frühstück gehen wir noch in die Blaubeeren (und Himbeeren) und sammeln fleißig für unsere Dickmilch, die es später am Tage geben soll.

Es ist fast schon unheimlich, dass auch heute die Sonne strahlt, als gäbe es kein Morgen. T‑Shirts, Shorts und Flip-Flops sind die Kleidung für den Tag.

Unser Weg führt uns nach Fagernes, wo wir aufgrund der Menschen­mengen leicht irritiert sind. Alle erledigen ihren Samstags­einkauf!

Wir sind ganz entzückt, dass es direkt neben unserem Parkplatz den Sport-Outlet gibt, wo wir schon beim letzten Norwegen-Trip zugeschlagen haben. Ich werde mit neuer Regen­jacke (kann man in Skandi­navien ja immer brauchen, fühlt sich heute aber ausge­sprochen dumm an) und Sport­schuhen fündig. Annette geht leider leer aus, da ihre Wunsch­schuhe leider nicht in der richtigen Größe da waren.

Nach dem Einkauf fahren wir ein kurzes Stückchen und machen Pause am Stron­d­a­fjorden. Und sowohl die Küsten­straße als auch die Aussicht und sogar der Geruch erinnern uns stark an die Seen im Berner Oberland. Nicht die schlech­teste Referenz!

Wir machen ein Päuschen im dringend benötigten Schatten (erwähnte ich schon, dass es heiß ist?) und lassen uns unsere Dickmilch schmecken.

Auch der weitere Weg entlang des Stron­d­a­fjords geizt nicht mit schönen Aussichten.

Hinter dem Fjord fährt man am Fluss Storåni entlang, der sich hier neben der Straße entlang­schlängelt.

Wir wollen ein bisschen die Aussicht genießen, machen daher Kaffee­pause und unter­halten uns kurz mit der Familie aus Bangladesh, die jetzt in Norwegen lebt und vorher in Kiel war.

Wir fahren weiter und merken zunächst gar nicht, dass es Stück für Stück uriger und karger wird.

Passend dazu ist auf dem Tyinvegen dann auch erst mal Schluss mit dem Sonnen­schein. Bei Bewölkung und in entspre­chender Höhe sind es plötzlich nur noch 18°!

Hier oben mag es im Winter ganz toll sein — jetzt im Sommer ist das ein beein­dru­ckendes Nichts durch­setzt mit Steinen und Schafen. Dafür ist die Straße groß und breit ausgebaut. Und auch der Borlaugs­tunnel ist ein Erlebnis: 4km in gleich­mä­ßigem und nicht gerade geringem Gefälle bin ich so auch noch nicht gefahren!

Unser Ziel ist die Gegend um die Stabkirche von Borgund. Auf der ehema­ligen Route der E16, heute die „histo­rische Straße“, soll es einige Park- und Picknick­plätze geben, die sich für eine Übernachtung eignen könnten. Wir biegen also hinter dem Tunnel ab auf den Borgund­s­vegen, der auch sehr malerisch ist, aber nur einige Camping­plätze oder einen eher schmuck­losen Parkplatz an einer Pommesbude/Tankstelle zu bieten hat. Aber als wir dort aussteigen, steigt mir der Pommesduft so verfüh­re­risch in die Nase, dass wir eine Bestellung aufgeben. Der Preis von 3,50€ für ein Becherchen Pommes ist zwar norwe­gisch sportlich, dafür sind die Pommes aber immerhin wirklich lecker!

Solcher­maßen gestärkt machen wir uns weiter auf die Stell­platz­suche und finden schließlich wieder mal einen Top-Deluxe-Platz auf der an dieser Stelle wirklich als histo­risch erleb­baren Straße 630. An einem Tunnel mit Höhen­be­grenzung 3,20m werden wir leicht nervös, bis wir das Schild verstehen: Lediglich am Rand ist es so „niedrig“! In der Mitte sind es beruhi­gende 4,20m und man wird sogar ermutigt, im Zweifels­falle in der Mitte zu fahren. Nett!

Unser Parkplatz ist dann gegenüber der mittler­weile verlas­senen Bergsiedlung Galdane und ist nicht nur eben sondern auch groß und mit Picknick­bänken ausge­stattet. Jackpot!

Der Lærdal­selvi rauscht hier an uns vorbei und schimmert herrlich grün- weißlich. Und weil wir fast am Beginn der Straße eine Hänge­brücke über den Fluss gesehen haben, machen wir noch eine kleine Wanderung entlang der Straße.

Da die deutlich komfor­ta­blere E16 den meisten Verkehr übernimmt, ist es aber ein äußerst ruhiger Weg — wer jedoch auf seiner Reise auf der E16 Zeit hat, dem sei dieser Umweg entlang des Flusses hiermit wärmstens ans Herz gelegt. Wenn das in diesem Sonnen­sommer mit Niedrig­wasser schon so schäumt, muss das im Frühjahr ein ganz schön spekta­ku­läres Getöse sein!

Gänzlich ungewohnt beenden wir diesen Tag doch etwas wärmer angezogen, da die Sonne hier im Tal schon lange vor Sonnen­un­tergang goodbye gesagt hat und es dann doch etwas frisch wird. Aber das sind wir von Norwegen ja auch gewöhnt…

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