Spektakulärer Aursjøvegen

Es ist Sommer! Wir können in kurzen Sachen draußen frühstücken – hossa!

In Oppdal frischen wir unseren Proviant auf. Neben allerlei Obst, Gemüse und Grillzeug müssen wir auch die Biervorräte erneuern. Denn ein skandinavisches Feierabendbierchen beim Blogschreiben gehört zu den Luxusausgaben, die wir uns hier gönnen. Aber wir sind angenehm überrascht: Sooo teuer ist das Bier hier im Supermarkt ja gar nicht. Ein Sixpack für 35 Kronen, das sind ja knapp 60 Cent pro Dose. Da kann man doch nicht meckern. Bis uns auffällt, dass das nicht der Sixpack-Preis ist, sondern ein Stückpreis… 3,50€ für ein Dosenbier sind echt ‘ne Ansage! Egal: Urlaub!

Von Oppdal geht es jetzt Richtung Atlantikküste durchs Sunndal entlang der Driva. Eine tolle Strecke, die sich richtig gut fahren lässt. Auch wenn es Annette bei dem 10%igen Gefälle wieder ganz schön mulmig wird. Wenn sie wüsste, was noch kommen soll…!

Wir genießen die Fahrt entlang des Flusses und die vielfältigen Aussichten. Annette kürt sogar einen neuen Lieblingsberg zu ihrem Favoriten.

Beim Wasserfall Vinnufossen machen wir am nett angelegten Rastplatz einen kleinen Fotostop. Schon irre, wie das Wasser über mehrere Kaskaden in die Tiefe stürzt. Und die Oberkante praktisch ständig in den Wolken verschwindet.

In Sunndalsøra biegen wir dann ins Litledalen ab und wollen den Geheimtipp Aursjøvegen abfahren. Doch, oh Schreck! An der Schranke wird die Maut von 100NOK per Kreditkarte kassiert und der Automat weigert sich beharrlich, sämtliche Karten, die wir im Besitz haben, zu schlucken. Was nun? Da kommt aus dem Mautweg ein norwegisches Auto. Ich halte ihn an und schildere mein Problem. Gleichzeitig kommt auch ein anderer Tourist und hat an einem Haus am Wegesrand um Rat gefragt. Angeblich müsse man einfach geduldig immer wieder die Karte einführen – irgendwann solle es dann klappen. Unser Norweger schüttelt nur milde lächelnd den Kopf und winkt mit seinem Dauerchip, mit dem er als Anwohner die Schranke passieren kann. Und lässt unsere beiden Fahrzeuge mit seiner Wunderwaffe einfach durch. Und Geld möchte er natürlich nicht dafür. Nett. Sehr nett!

Wir fahren also ein ins Wunderland und sind schon vom ersten See Dalavatnet, umgeben von den steilen Hängen der umliegenden Gebirgswände, total begeistert. Wie schön es hier ist!

Nach einer Weile kommt dann die erste Steigung. Und begeistert steige ich an der ersten Kehre aus, um ein Foto zurück ins Tal zu schießen.

Aber nun wird die Strecke doch rauer, steiler und schotteriger. Und zu allem Überfluss beginnt es zu regnen. Erst tröpfelnd, dann immer heftiger. Die Straße kommt uns als rauschender Bach entgegen. Und die von Steinschlägen arg ramponierte Leitplanke wirkt auch nicht mehr vertrauenerweckend. Der in den nackten Fels gehauene Tunnel passt gut dazu.

An einem Stausee kommen wir an eine erste Passhöhe. Zumindest fühlt es sich so an. Und während wir noch den prasselnden Regen auf dem See bewundern und überlegen, welchen James Bond man hier demnächst drehen könnte, klart es weiter vorne schon wieder auf. Und nur wenige Meter weiter liegt auf einmal der Osvatnet in strahlendem Sonnenschein vor uns. Was ist denn hier los?

Wir steigen aus und befinden, dass der tolle Platz in der Nähe der Staumauer mit Picknickbank ein fürstlicher Ort für eine Übernachtung mit Grillen sei. Sensationell schön, einsam und ein Stellplatz wie gemalt. Was will man mehr?

Doch während wir uns noch freuen, ziehen die Wolken aus dem hinter uns liegenden Tal in Sekundenschnelle hoch und es wird wieder deutlich ungemütlicher. Und für die Region sind Gewitter vorhergesagt. Wollen wir da in einer so exponierten Lage stehen? Zähneknirschend beschließen wir: Nein.

Also geht es weiter entlang des Sees. Und es bleibt weiter eine Märchenlandschaft. Wir sind mal wieder überrascht, wie viele Häuschen dann doch hier oben zu finden sind. Fahren die echt alle regelmäßig diese Strecke zum Einkaufen!?!

Es geht schotterig weiter zum Aursjöen – ein riesiger Stausee, dem die Straße ihren Namen zu verdanken hat.

Es wird zunehmend wolkig-neblig. Die Felswände links und rechts können wir nicht mehr erkennen – nur noch die Mondlandschaft vor uns, durch die sich die Straße auf und ab windet. Trotzdem, oder gerade deswegen: Aufregend.

An einem schönen Wasserfall steigen wir uns und müssen uns beeilen, dass er nicht schon wieder in den Wolken verschwindet, als wir ihn fotografieren wollen.

Als das Wetter so langsam wieder etwas aufklart, sehen wir die gewaltigen Steilwände und vor allem: den sich abzeichnenden Weg zurück ins Tal. Annette verkriecht sich förmlich in Beifahrersitz und ich schüttele nur den Kopf über diese irrsinnige Straßenbauidee. Denn von oben sieht es so aus, als würde man an irgendeiner Stelle dann doch einfach senkrecht runterfallen, weil es einfach nicht mehr weitergeht.

Ganz so schlimm ist es zwar nicht, aber wir kriechen mit hemmungslos genutzter Motorbremse hinab entlang der auch hier lädierten Leitplanken. Jetzt bitte kein Gegenverkehr!

Besonders irrwitzig ist der Tunnel, den wir dann auch noch durchfahren müssen. Roh aus dem Fels gehauen. Da würde jeder ADAC-Tester die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Dazu habe ich aber keine Zeit, denn irgendwie hat man ständig das Gefühl, gleich mit dem Alkoven irgendwo anzuecken. Und muss ich noch erwähnen, dass es stockenduster ist? Selbst das Fernlicht wird irgendwie von dieser Dunkelheit geschluckt.

Als wir den Schlagbaum im Eikesdalen passieren sind wir uns einig: Das war noch um Längen spektakulärer als unsere Fahrt zur Grotta del Vento in der Toskana!

Mit einer Mischung aus Adrenalin und Pipi im Blut fahren wir die nun völlig harmlose und gut ausgebaute Straße im Tal mit ganz entspannten 40 km/h. Ist auch egal, da eh keiner kommt und wir die Landschaft so in Ruhe genießen können.

Denn unser eigentliches Ziel des Tages liegt noch vor uns: Der Doppelwasserfall Mardalsfossen. Annette protestiert zwar, dass sie noch so eine Bergtour heute auf gar keinen Fall mitmachen würde, steigt aber trotzdem nicht aus, als wir in den Schotterweg zum Wasserfall einbiegen. Und siehe da: Am Ende finden wir nach gar nicht steiler Anfahrt einen großen, komfortablen Parkplatz mit Picknickbänken vor und den Foss können wir von dort aus auch schon mal sehen.

Und da wir mächtig Hunger haben und man schon sehen kann, dass nur noch letzte Reste des Sonnenscheins an der Bergkante zu sehen sind, beschließen wir, zugunsten eines Essens die Wanderung zum unteren Fall auf morgen zu verschieben. Jetzt brauchen wir erst mal was zu essen und Zeit, das Erlebte zu verdauen.

Vassendenindex

Den kurzen Schauer und den Nebel werte ich mal nicht als Pisswetter. Morgens strahlend schön und abends draußen bloggen können reicht als Quali für Sommerwetter. 😉

Sommerwetter: 6,5

Pisswetter: 1,5

2 Kommentare
  1. Martin sagte:

    Toll. Wir sind in der gleichen Gegend und fahren jetzt ebenfalls zum Meer.
    Gute Reise weiterhin.
    Martin

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