Spekta­ku­lärer Aursjø­vegen
22. Juli 2016

Es ist Sommer! Wir können in kurzen Sachen draußen frühstücken — hossa!

In Oppdal frischen wir unseren Proviant auf. Neben allerlei Obst, Gemüse und Grillzeug müssen wir auch die Biervorräte erneuern. Denn ein skandi­na­vi­sches Feier­abend­bierchen beim Blogschreiben gehört zu den Luxus­aus­gaben, die wir uns hier gönnen. Aber wir sind angenehm überrascht: Sooo teuer ist das Bier hier im Super­markt ja gar nicht. Ein Sixpack für 35 Kronen, das sind ja knapp 60 Cent pro Dose. Da kann man doch nicht meckern. Bis uns auffällt, dass das nicht der Sixpack-Preis ist, sondern ein Stück­preis… 3,50€ für ein Dosenbier sind echt ’ne Ansage! Egal: Urlaub!

Von Oppdal geht es jetzt Richtung Atlan­tik­küste durchs Sunndal entlang der Driva. Eine tolle Strecke, die sich richtig gut fahren lässt. Auch wenn es Annette bei dem 10%igen Gefälle wieder ganz schön mulmig wird. Wenn sie wüsste, was noch kommen soll…!

Wir genießen die Fahrt entlang des Flusses und die vielfäl­tigen Aussichten. Annette kürt sogar einen neuen Lieblingsberg zu ihrem Favoriten.

Beim Wasserfall Vinnu­fossen machen wir am nett angelegten Rastplatz einen kleinen Fotostop. Schon irre, wie das Wasser über mehrere Kaskaden in die Tiefe stürzt. Und die Oberkante praktisch ständig in den Wolken verschwindet.

In Sunndalsøra biegen wir dann ins Litle­dalen ab und wollen den Geheimtipp Aursjø­vegen abfahren. Doch, oh Schreck! An der Schranke wird die Maut von 100NOK per Kredit­karte kassiert und der Automat weigert sich beharrlich, sämtliche Karten, die wir im Besitz haben, zu schlucken. Was nun? Da kommt aus dem Mautweg ein norwe­gi­sches Auto. Ich halte ihn an und schildere mein Problem. Gleich­zeitig kommt auch ein anderer Tourist und hat an einem Haus am Wegesrand um Rat gefragt. Angeblich müsse man einfach geduldig immer wieder die Karte einführen — irgendwann solle es dann klappen. Unser Norweger schüttelt nur milde lächelnd den Kopf und winkt mit seinem Dauerchip, mit dem er als Anwohner die Schranke passieren kann. Und lässt unsere beiden Fahrzeuge mit seiner Wunder­waffe einfach durch. Und Geld möchte er natürlich nicht dafür. Nett. Sehr nett!

Wir fahren also ein ins Wunderland und sind schon vom ersten See Dalavatnet, umgeben von den steilen Hängen der umlie­genden Gebirgs­wände, total begeistert. Wie schön es hier ist!

Nach einer Weile kommt dann die erste Steigung. Und begeistert steige ich an der ersten Kehre aus, um ein Foto zurück ins Tal zu schießen.

Aber nun wird die Strecke doch rauer, steiler und schot­te­riger. Und zu allem Überfluss beginnt es zu regnen. Erst tröpfelnd, dann immer heftiger. Die Straße kommt uns als rauschender Bach entgegen. Und die von Stein­schlägen arg rampo­nierte Leitplanke wirkt auch nicht mehr vertrau­en­er­we­ckend. Der in den nackten Fels gehauene Tunnel passt gut dazu.

An einem Stausee kommen wir an eine erste Passhöhe. Zumindest fühlt es sich so an. Und während wir noch den prasselnden Regen auf dem See bewundern und überlegen, welchen James Bond man hier demnächst drehen könnte, klart es weiter vorne schon wieder auf. Und nur wenige Meter weiter liegt auf einmal der Osvatnet in strah­lendem Sonnen­schein vor uns. Was ist denn hier los?

Wir steigen aus und befinden, dass der tolle Platz in der Nähe der Staumauer mit Picknickbank ein fürst­licher Ort für eine Übernachtung mit Grillen sei. Sensa­tionell schön, einsam und ein Stell­platz wie gemalt. Was will man mehr?

Doch während wir uns noch freuen, ziehen die Wolken aus dem hinter uns liegenden Tal in Sekun­den­schnelle hoch und es wird wieder deutlich ungemüt­licher. Und für die Region sind Gewitter vorher­gesagt. Wollen wir da in einer so exponierten Lage stehen? Zähne­knir­schend beschließen wir: Nein.

Also geht es weiter entlang des Sees. Und es bleibt weiter eine Märchen­land­schaft. Wir sind mal wieder überrascht, wie viele Häuschen dann doch hier oben zu finden sind. Fahren die echt alle regel­mäßig diese Strecke zum Einkaufen!?!

Es geht schot­terig weiter zum Aursjöen — ein riesiger Stausee, dem die Straße ihren Namen zu verdanken hat.

Es wird zunehmend wolkig-neblig. Die Felswände links und rechts können wir nicht mehr erkennen — nur noch die Mondland­schaft vor uns, durch die sich die Straße auf und ab windet. Trotzdem, oder gerade deswegen: Aufregend.

An einem schönen Wasserfall steigen wir uns und müssen uns beeilen, dass er nicht schon wieder in den Wolken verschwindet, als wir ihn fotogra­fieren wollen.

Als das Wetter so langsam wieder etwas aufklart, sehen wir die gewal­tigen Steil­wände und vor allem: den sich abzeich­nenden Weg zurück ins Tal. Annette verkriecht sich förmlich in Beifah­rersitz und ich schüttele nur den Kopf über diese irrsinnige Straßen­bauidee. Denn von oben sieht es so aus, als würde man an irgend­einer Stelle dann doch einfach senkrecht runter­fallen, weil es einfach nicht mehr weitergeht.

Ganz so schlimm ist es zwar nicht, aber wir kriechen mit hemmungslos genutzter Motor­bremse hinab entlang der auch hier lädierten Leitplanken. Jetzt bitte kein Gegen­verkehr!

Besonders irrwitzig ist der Tunnel, den wir dann auch noch durch­fahren müssen. Roh aus dem Fels gehauen. Da würde jeder ADAC-Tester die Hände über dem Kopf zusam­men­schlagen. Dazu habe ich aber keine Zeit, denn irgendwie hat man ständig das Gefühl, gleich mit dem Alkoven irgendwo anzuecken. Und muss ich noch erwähnen, dass es stocken­duster ist? Selbst das Fernlicht wird irgendwie von dieser Dunkelheit geschluckt.

Als wir den Schlagbaum im Eikes­dalen passieren sind wir uns einig: Das war noch um Längen spekta­ku­lärer als unsere Fahrt zur Grotta del Vento in der Toskana!

Mit einer Mischung aus Adrenalin und Pipi im Blut fahren wir die nun völlig harmlose und gut ausge­baute Straße im Tal mit ganz entspannten 40 km/h. Ist auch egal, da eh keiner kommt und wir die Landschaft so in Ruhe genießen können.

Denn unser eigent­liches Ziel des Tages liegt noch vor uns: Der Doppel­was­serfall Mardals­fossen. Annette protes­tiert zwar, dass sie noch so eine Bergtour heute auf gar keinen Fall mitmachen würde, steigt aber trotzdem nicht aus, als wir in den Schot­terweg zum Wasserfall einbiegen. Und siehe da: Am Ende finden wir nach gar nicht steiler Anfahrt einen großen, komfor­tablen Parkplatz mit Picknick­bänken vor und den Foss können wir von dort aus auch schon mal sehen.

Und da wir mächtig Hunger haben und man schon sehen kann, dass nur noch letzte Reste des Sonnen­scheins an der Bergkante zu sehen sind, beschließen wir, zugunsten eines Essens die Wanderung zum unteren Fall auf morgen zu verschieben. Jetzt brauchen wir erst mal was zu essen und Zeit, das Erlebte zu verdauen.

Vassen­den­index

Den kurzen Schauer und den Nebel werte ich mal nicht als Pisswetter. Morgens strahlend schön und abends draußen bloggen können reicht als Quali für Sommer­wetter. 😉

Sommer­wetter: 6,5

Pisswetter: 1,5

2 Kommentare

  1. Toll. Wir sind in der gleichen Gegend und fahren jetzt ebenfalls zum Meer.
    Gute Reise weiterhin.
    Martin

    Antworten
    • Euch auch!

      Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Norwegen und Schweden Sommer 2016
Volldampf voraus

Volldampf voraus

Ordnungsgemäß habe ich mir den Wecker gestellt, damit wir nicht die Fähre verschlafen. Wäre aber nicht nötig gewesen, da Annette schon wach wurde als unsere Berliner Nachbarn mit ihrem Bus losfuhren. Komisch, die wollten doch auch mit der Fähre nach Rostock...? Bis es...

Finale Furioso

Finale Furioso

Merkwürdig. Je mehr die Reise sich dem Ende zuneigt, um so früher wachen wir auf. Vorbereitung auf den Arbeitsalltag oder Auskosten jeder Minute, die noch bleibt...? Annette ist Feuer und Flamme, bei dem schönen sonnigen Wetter draußen zu frühstücken. Mir sitzt aber...

Endspurt

Endspurt

Wobei: Spurt trifft es nur bedingt. Wir brechen nämlich ganz gemütlich auf und auch die Fahrt ist alles andere als gehetzt. Aber es geht halt auf die Zielgerade. Die Ziellinie in Form des Trelleborger Hafens zeichnet sich klar im Kalender ab und daher müssen wir heute...

Kleine Tour zum Langen Jan

Kleine Tour zum Langen Jan

Die Entscheidung, noch eine weitere Nacht auf dem Campingplatz zu bleiben, fällt uns nicht schwer. Das Wetter ist heute mal wirklich richtig sommerlich - man kann tatsächlich ohne Reue in T-Shirt und Shorts rumlaufen. Hatten wir jetzt auch nicht so häufig... Wir...

Hey hey, my my

Hey hey, my my

Ein bisschen läuft uns das schlechte Wetter nach. Heute morgen ist es bedeckt und windig. Macht uns aber mittlerweile schon nix mehr aus. Wir fahren zur nahe gelegenen Burg Eketorp. Aber das Angucken von der Ferne reicht uns dann auch aus. Den eher happigen Eintritt...

Reif für die Insel

Reif für die Insel

Spät geht es heute los. Wir genießen das Trödeln und das freundlich-warme Wetter am kleinen Sandstrand unseres Stellplatzes. Dann geht es aber weiter in unsere "Heimatstadt": Nach Mönsterås! Wir wollen dort sicherheitshalber unsere leere Gasflasche auffüllen lassen....

Schwe­den­ro­mantik

Schwe­den­ro­mantik

Nachdem wir uns in Västervik noch mal mit Einkaufen und Volltanken für die letzten Tage gerüstet haben, geht es wieder auf die E22. Wir fahren weiter Richtung Süden. Annette hat im Womoführer den Tipp entdeckt, einen Abstecher nach Stensjö By zu machen. Ein eigentlich...

Windige Ecke

Windige Ecke

Nach den Gammeltagen auf dem Campingplatz müssen wir erst mal wieder auf Touren kommen. Aber gaaanz langsam! Also erst mal nur ein kurzes Stückchen bis nach Västervik, was die nächste etwas größere Stadt ist. Direkt an den Ostseeschären. Wir finden mitten im Zentrum...

Faulheit, Fahrrad und Piggelin

Faulheit, Fahrrad und Piggelin

Heute ist Teil 2 des ultimativen Seele-baumeln-lassens. Insofern gibt es hier nicht viel zu berichten. Das Wetter ist weiter heiter-stürmisch-bewölkt-warmkühl. Irgendwie für dauernd draußen sitzen zu kalt und für drinnen bleiben zu schön. Also wechseln wir beständig...

Gammeltag mit Unwetter

Gammeltag mit Unwetter

Eigentlich ist der heutige Tag schnell mit dem Wort "Gammeltag" zusammengefasst. Nach einem gemütlichen Frühstück ziehen wir vom provisorischen Wiesenplatz auf den Campingplatz um. Erfreulicherweise kriegen wir sogar unseren Wunschplatz unter all den Möglichkeiten,...

Endlich chillen

Endlich chillen

Ich werde ausgesprochen früh wach und nutze die Gelegenheit, um vor allen anderen zu duschen. Denn der Stellplatz liegt noch in friedlichem Schlummer vor mir - kein Wunder, ist ja auch Sonntag. Und auch die Dusche an diesem Stellplatz ist kostenlos, aber trotzdem top....

Umstel­lungen

Umstel­lungen

Man könnte es glatt persönlich nehmen. Auch heute morgen ist es wieder grau und trüb. Naja, dann fallen die Entscheidung zum Weiterfahren und der Abschied nicht so schwer. Trotz Landstraße kommen wir hier in Schweden einfach schneller und stressfreier voran. Tempomat...

Urlaub vom Urlaub

Urlaub vom Urlaub

Komischerweise wachen wir heute ungewöhnlich früh auf. Leider hat das Wetter nicht das gehalten, was wir uns gestern erhofft hatten und stattdessen brav gemacht, was der Wetterbericht angekündigt hat. Es ist trüb und grau. Die Wolken hängen tief. Und wir haben den...

Home of crazy roads

Home of crazy roads

Nach einem Frühstück mit herrlichem Blick auf Fjord und Haussteg geht es los Richtung Aurlandfjord. Und dafür muss man erst durch einen langen Tunnel und noch im Ende des Tunnels finden sich die Wartespuren für die Fähre nach Fodnes. Wahrscheinlich, weil sonst einfach...

Back to the Fjord

Back to the Fjord

Das Wetter ist freundlicher, hurra! Zwar nicht so sonnig wie erhofft, aber auf jeden Fall kann man die Berggipfel entlang der Sognefjellet-Straße sehen. Das ist schon mal deutlich mehr als wir gestern hatten. Die Strecke ist wirklich so schön, wie wir sie uns nach all...

Von tiefen Wolken und engen Kiefern

Von tiefen Wolken und engen Kiefern

Das, was sich gestern schon ankündigte, bestätigt sich heute morgen: Vassenden-Wetter. Die Wolken hängen tief im Tal. Was rein optisch durchaus seinen Reiz hat. Denn der grüne See, an dem entlang wir das Oldental verlassen ist nicht nur spiegelglatt, sondern...

Abgekühlter Ruhetag

Abgekühlter Ruhetag

Heute verwirklichen wir unseren Plan von gestern. Was bedeutet, dass wir 10km weiter fahren und auf dem Melkevoll-Bretun-Campingplatz einchecken. Der urige Stellplatz, den wir gestern schon ins Auge gefasst hatten, ist an drei Seiten von hohen Findlingen umgeben. Er...

Grandiose Gletschertour

Grandiose Gletschertour

Morgens erfreuen wir uns erst mal an warmer Dusche und leckerem Frühstück mit Prachtaussicht. Der Plan für den Tag ist schnell geschmiedet. Hier ist es schön, also bleiben wir noch eine zweite Nacht. Und machen eine kurze Radtour bis zum Beginn des Aufstiegs zum...

Adven­tures Inc.

Adven­tures Inc.

Das ist ja mal angenehm. So schlecht wie wir es nach gestern befürchtet hatten, ist das Wetter heute morgen nicht. Also eher das Gegenteil. Hell und freundlich. Und was für einen Unterschied das für die Aussicht macht! Gestern waren wir einfach nur froh, dass wir...

Es trübt sich ein

Es trübt sich ein

Bewölkt? Check. Dauerregen? Check. Kühl? Check. Wenig Aussichten auf Wetteränderung? Check. Herzlich willkommen im perfekten Vassenden-Wetter. Nachdem wir morgens noch draußen frühstücken können, wird das Wetter ab Mittag immer schlechter. Und so nutzen wir den Tag,...

Lunde auf Runde

Lunde auf Runde

Für heute haben wir uns vorgenommen, morgens nicht ganz so schlimm zu versacken und früher aufzustehen. Als Hilfe haben wir das Deckenfenster nur zur Hälfte abgedunkelt. Das klappt auch so gut, dass wir um 8 Uhr tatsächlich aus den Federn kommen. Wäre aber gar nicht...

Trolle, Erdbeeren und dicke Schiffe

Trolle, Erdbeeren und dicke Schiffe

Wir stellen fest, dass wir etwas verlottern. Die Abende werden lang und länger und entsprechend spät kommen wir aus den Federn. Heute tatsächlich erst um 10 Uhr! Immerhin ist es deutlich freundlicher als gestern abend. Die Trollwand sieht mit blauem Himmel und...

Vom Atlantik zu den Trollen

Vom Atlantik zu den Trollen

Was sich gestern abend ankündigte, ist heute nicht mehr zu überhören und -sehen. Dauerregen prasselt aufs MoMo-Dach und lässt uns im Alkoven noch einmal umdrehen. Hier ist es ja gemütlich! Aber irgendwann brechen wir dann doch auf und machen uns auf den gleichen Weg...

Fahrradtag am Farsta­d­strand

Fahrradtag am Farsta­d­strand

Wir sind von unserem hier gefundenen Stellplatz so angetan, dass wir beschließen, hier noch eine Nacht zu bleiben. Und den heutigen Tag mal wieder auf den Rädern zu verbringen. Die Strecke bietet sich hierfür an: Wir sind ja am Meer und wollen dem Küstenverlauf...

Bitte ein Bud

Bitte ein Bud

Auch morgens ist die Aussicht noch so spektakulär wie am Vortag. Annette fotografiert die Morgenstimmung um halb fünf, lässt mich aber netter- (oder gemeiner-?)weise schlafen, da mir gestern nach den bretonischen Dosenfischsuppen wieder etwas (sehr) übel war. Der...

Molde-Panorama

Molde-Panorama

Gut, dass wir gestern den Tag und die Aussichten so genossen haben! Denn der heutige Tag grüßt uns mit feinstem Vassenden-Wetter: Die Wolken hängen tief, so dass man die steilen Wände rundherum nicht mal mehr erahnen kann. Und wach werden wir vom tröpfelnden Regen auf...

Rund ums Dovrefjell

Rund ums Dovrefjell

Nach dem Frühstück heißt es Abschied nehmen von unserem Stellplatz der letzten zwei Tage im Rondane. Und das heißt: Über die enge Serpentinenstraße wieder zurück ins Tal. Und obwohl ich mir