In die Wüste

29. März 2018

Das ist doch schon ein ganz anderes Urlaubs­ge­fühl: Eine himmlisch durch­schla­fene Nacht, perfekt sommer­liche Tempe­ra­turen zum Frühstück und dieser wunder­bare Blick auf Palmen, Lake Mead und Red Rocks.

Sicht­lich entspannter starten wir in den Tag, denn bis jetzt (toi, toi, toi) gibt es nichts am Minnie Winnie zu bemän­geln. Wir können es kaum glauben, freuen uns aber um so mehr. Es fühlt sich so an, als wäre man von einem verros­teten alten Kadett in einen schnu­cke­ligen Mercedes umgestiegen. Wenn ab jetzt alles gut läuft, soll uns dieser Tausch sehr recht sein.

Richtung Mojave

Nachdem wir in Boulder City noch mal kleinere Einkäufe getätigt haben, soll es auf den Highway Richtung Süden gehen. Aber vorher noch ein kleiner Schreck, denn beim Fahren öffnet sich in einer leichten Kurve auf einmal die Aufbautür! Gut, dass kein Verkehr neben uns ist und wir kurz darauf das Problem lösen. Diesmal war es wirklich eine nicht richtig zugezo­gene Tür und nicht der nächste gravie­rende Mangel. Trotzdem sperren wir die Tür jetzt lieber doppelt und dreifach ab, damit das nicht wieder passiert.

Ganz entspannt cruisen wir danach auf dem Highway, auf dem sogar 75mph erlaubt sind. Und trotzdem fährt man und fährt man und fährt man, ohne dass sich die Szenerie so schnell ändert…

Fotoshoo­ting aus dem Nichts

Als wir den Highway Richtung Mojave Desert verlassen, wird es richtig einsam. Hier ist wenig Verkehr und links und rechts der Straße wimmelt es von Joshua Trees, die sich, einer anders als der andere, fotogen präsen­tieren. Und nur, weil wir ohnehin heute noch im Joshua Tree Natio­nal­park landen, fahren wir einfach an ihnen vorbei.

In der auf der Karte vermerkten Stadt Cima finden wir nicht mal mehr eine Ghost Town vor. Ein Eisen­bahn­kno­ten­punkt und ein verlas­sener Trading Post mit einem Hinterhof voller verros­tender Fahrzeuge. Das ist alles.

Eigent­lich wollte ich nur mal eine kurze Pinkel­pause einlegen, aber als ich mir etwas die Beine vertrete, sehe ich, wie viele lohnens­werte Fotomo­tive es hier gibt. Annette und Sofie wundern sich derweil, warum ich so lange verschwunden bin.

2 junge Männer, die wir zielsi­cher als tuntige Blogger erkennen, machen eine Art Fotoshoo­ting vor einem halb verfal­lenen Gebäude.

Und tatsäch­lich ist es wie gemacht als Kulisse für Fotos. Verschie­dene Farben, abgeblät­terte Farbe, verblasste Schrift­züge. Geil! Und so machen wir eine inpromptu-Fotoses­sion, wo jeder mal vor der Kamera posieren muss/darf/will. Großer Spaß!

Dünen im Grünen

Auf der Weiter­fahrt zu den Kelso Dunes kommt uns einer dieser scheinbar unend­lich langen US-Züge entgegen. Wagen um Wagen rollt an uns vorbei. Und vor uns: ein Minnie Winnie.

Und in der Ferne kann man jetzt schon von Weitem die Dünen sehen. Ein riesiger gelber Fleck in der noch riesi­geren eher grün-beigen Wüste.

Überra­schen­der­weise gibt es an den Kelso Dunes sogar einen Trail­head mit Infos und Toilet­ten­häus­chen. Bei unserem geplanten stärkenden Kaffee­trinken vor dem Womo stellen wir dann fest, dass von den 3 gemie­teten Faltstühlen 2 kompletter Schrott sind. Wie könnte es bei Sachen von BestTime/LA auch anders sein… Annette macht aus der Not eine Tugend und setzt sich wie ein Cowgirl einfach auf den Zaun.

 

Ungeplantes Workout

Wir machen uns, mit reich­lich Wasser im Rucksack, auf den Weg zu den Dünen. Schnell ist uns klar, dass wir es nicht bis zur Spitze schaffen werden, da wir es sonst nicht mehr bis zum Joshua Tree NP schaffen. Aber auch die Anstren­gung ist nicht ohne. Von den Tempe­ra­turen her ist es zwar perfekt, aber das Gehen im weichen Sand und dann noch mit einer teilweise kräftigen Steigung geht richtig auf die Kondition.

Sofie, der wir leider auch unsere Erkäl­tung aus Deutsch­land mitge­bracht haben, kehrt nach ein paar hundert Metern um — wir wollen ja nicht, dass sie uns kolla­biert! Aber auch mir wird an der ersten heftigen Steigung leicht schwarz vor Augen. Echt keine Kondi­tion mehr!

Wir beschließen also, dass wir auch hierhin noch mal wieder­kommen wollen, genießen den Ausblick aus halber Höhe und drehen wieder um. Immerhin entde­cken wir auf dem Rückweg noch unser erstes Wildlife: Eine dünne Schlange windet sich vor uns über den Weg und verschwindet, als wir sie beobachten wollen, schnell in einem Erdloch.

Grandiose Weite

Was jetzt folgt, ist ein absolutes Highlight dieser Tour. Wir fahren die Kelbaker Road weiter Richtung Süden und machen an einem Aussichts­punkt erste Fotos von kugeligen Felsfor­ma­tionen, Kakteen und Palmen.

Aber auf der Weiter­fahrt wird wirklich der Mythos des Wilden Westen greifbar. Vor und unter uns immer eine unfassbar weite Landschaft, die kein Foto auch nur annähernd einfangen kann. Nicht sehr einla­dend, aber großartig. Wenn hier plötz­lich ein Dinosau­rier vorbei­laufen würde, ginge das auch in Ordnung.

Route 66

Und schließ­lich landen wir auch noch für ein kurzes Stück auf der Route 66 — immer Richtung Sonnen­un­ter­gang. An Roy‘s Motel gibt es dann noch mal einen kurzen Fotostop, bevor wir Richtung Twenty­nine Palms abbiegen. Die Ortsnamen hier sind ohnehin der Kracher. Orte in der Nähe heißen Cadiz, Bagdad und Siberia…

Als wir schließ­lich auf den letzten Kilome­tern vor Twenty­nine Palms sind, ist die roman­ti­sche Stimmung mit der tief stehenden Sonne und den langen Schatten direkt vor uns nicht mehr zu toppen.

Campground der Superlative

Als wir die Einfahrt des Natio­nal­parks durch­fahren, sind wir wirklich gespannt, ob alles stimmt, was wir über den Jumbo Rock Campground gelesen haben. Um es kurz zu machen: Es ist alles noch viel besser!

Wir sind froh, dass wir unseren Platz gerade noch recht­zeitig(!) vor 2 Monaten(!!) reser­viert haben. Denn hier weisen viele Schilder darauf hin: „All campgrounds full“

Schon die letzten Kilometer vor dem Campground sind mit den tollen Jumbo­felsen absolut sehens­wert. Aber als wir dann die Einfahrt zum Campground sehen und noch viel mehr als wir „unseren“ Platz Nummer 37 sehen, fällt uns einfach die Kinnlade runter. Das ist der schönst­ge­le­gene Camping­platz, den wir je gehabt haben!

Wir sind schon ein bisschen nach Sonnen­un­ter­gang angekommen, deswegen bleibt leider viel zu wenig Zeit, um noch ein paar Fotos zu machen. Aber das Gute ist: Wir haben in weiser Voraus­sicht für 2 Tage reserviert!

Abschluss am Lagerfeuer

Während Annette sich an den Kochtop schwingt, kümmere ich mich um unseren Fireplace. Wir haben uns nämlich am Lake Mead extra für den Jumbo Rock 2 Pakete mit Brenn­holz geholt.

Und so sitzen wir schließ­lich bei Vollmond und Sternen­himmel am Lager­feuer und bewun­dern diesen großar­tigen Fleck Natur. Wer auch immer die Idee hatte, hier einen Camping­platz zu errichten: Danke, danke, danke!

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