Oô lala!
4. August 2017

Wir bereiten alles für den Abflug vor. So bequem unser Camping­platz­auf­enthalt auch war: Die Straße ruft! Aber wir sind etwas rat- und planlos. Es gibt einfach so viele Sachen, die sich grandios anhören und auf unserer Liste stehen und das Festlegen der weiteren Route ist eine süßsaure Qual. Annette hat aber die rettende Idee: Sie erinnert sich an den Heidel­beer­kuchen, den es in der Hütte am Lac d’Oô geben soll. Den können wir nun mal gar nicht auslassen. Also ist das Ziel klar: Wir fahren 20 Minuten ins nächste Tal.Oo-002.jpg

Naja, Tal ist relativ, denn wir fahren von Luchon aus erst mal ganz schön bergauf. Eigentlich ins Nirgendwo. Wäre da nicht das Örtchen mit dem vielleicht kürzesten Namen der Welt: Oô. Gibt es eigentlich auch Aa, Ee, Ii und Uu? Hinter dem Ort kommt an einem Mini-See auf einmal ein größerer Parkplatz, der sehr, sehr voll ist. Aber durch glück­liches Geschick kriegen wir sogar einen Platz unmit­telbar am Wasser.

An dieser Stelle mal ein kleiner Exkurs zu den Hunden. Dem einen oder anderen ist sicher schon aufge­fallen, dass wir immer nur mit Elli auf Wander­schaft gehen. Das bedeutet nicht, dass wir einen Wachhund im MoMo zurück lassen müssen oder Mia nicht mehr mitnehmen möchten. Vielmehr ist unsere alte Dame auf der Hinfahrt leider erblindet.

Kurz vor der Abreise waren wir noch bei unserem Tierarzt, haben Augen­tropfen und Corti­son­salbe bekommen, aber auch die Ankün­digung, dass es bei ihren ohnehin einge­trübten Augen zu einer völligen Blindheit kommen könnte. Leider ist es nicht besser geworden und die ersten Tage war es schon ziemlich hart, zuzusehen, wie sie dauernd gegen Gegen­stände gerumst ist, weil sie sie nicht mehr gesehen hat.

Sie arran­giert sich zwar von Tag zu Tag besser mit ihrer Behin­derung, aber längere Strecken, noch dazu durch anspruchs­volles Terrain, wären für sie der totale Horror. Sie genießt da eher das Leben in der vertrauten Umgebung und die ist im MoMo ja eher klein und überschaubar. Und da wir alles verdunkeln (was sie jetzt ja nicht mehr stören kann, schnief…) und über die Dachluken frische Luft hinein­kommt, lässt es sich erstaunlich gut für sie aushalten.

Dafür gibt’s dann eine Extrast­rei­chel­einheit, wenn wwir wieder da sind. Bis jetzt klappt diese neue Teamauf­teilung erstaunlich gut, auch wenn wir sie auf den Wegen natürlich dann doch immer wieder vermissen.

Wir packen also für eine läppische Einstun­den­wan­derung zum Lac de Oô. Ich möchte nicht auf die dicke Kamera verzichten und so packen wir statt dem normalen Rucksack lieber den Fotorucksack und nehmen noch ein Fläschchen Wasser mit. Wird schon reichen, da wir ja ohnehin an der Hütte am See einkehren wollen…Oo-003.jpg

Der Weg führt uns stetig nach oben. Ach ja, wir sind ja in den Bergen. Nach einem Drittel der Strecke bin ich nass. Also: schweissnass. Und fertig. Gut, man hätte jetzt vielleicht nicht in der Mittags­hitze losgehen müssen. Aber nach 20 Minuten…? Annette ist da tougher und bietet mir an, den Rucksack zu übernehmen. Beschämt, aber dankbar nehme ich an. Nach weiteren 20 Minuten hat sich die Steigung sogar noch verstärkt. Dafür gibt es jetzt immerhin schattige Passagen und kleine Wasser­läufe, die in Rinnen den Weg passieren. In diesen Wasser­läufen lässt sich großartig das eiskalte Gebirgs­wasser in der Mütze sammeln und über den Kopf verteilen. Aaah!Oo-006.jpg

Oo-007.jpgDer Weg im letzten Drittel wird dann noch ein bisschen fieser, denn zusätzlich zur unver­mindert heftigen Steigung wird er noch etwas unebener und geröl­liger. Mann, Mann, Mann! Was einem dann den Rest gibt sind die Jogger, die einem bergab entgegen kommen. Doll…

Aber der erste Blick auf den See und dem, wen man den Aussagen glauben darf, höchstem Wasserfall der Pyrenäen entschädigt dann für die Mühen. Mann, was sieht das toll aus! Oo-022-Bearbeitet.jpg

Und auch das Essen auf der Hütte ist für uns ein echter Hochgenuss: Es gibt tatsächlich den Blåbärkaka, der sich auf franzö­sisch aber deutlich schöner anhört: Tarte Myrtilles. Und ein rusti­kaler Aufschnitt­teller begleitet von Siroooh mit diesem tollen Ausblick: Es kann einen im Leben schlechter treffen!IMG_5110.jpgOo-012.jpg

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Solcher­maßen gestärkt wandern wir noch ein bisschen am Ufer des Sees entlang und entdecken jetzt erst, dass sich überall am Ufer noch weitere Wanderer verteilt haben und teilweise in Badekleidung das absolute Badeverbot im herrlich klaren See gekonnt ignorieren.Oo-002-2.jpgOo-025.jpgOo-029.jpg

Wie bei fast allen Aktionen der letzten Tage denken wir irgendwann an Mia, die im MoMo auf uns wartet und treten den Rückweg an. Der ist bergab zwar deutlich weniger anstrengend, braucht aber trotzdem volle Konzen­tration, da man auf dem unebenen Weg gerne mal wegrutscht oder umknickt. Zum Glück kommen wir aber heile wieder am Wohnmobil an.

IMG_5111.jpgDort reißen wir uns förmlich die Klamotten vom Leib, stürzen uns zuerst in Schwimm­kleidung und dann in den eiskalten Minisee vor der Haustür. 12°, teilt uns später unser Womonachbar mit, habe er gemessen. Aber wie herrlich erfri­schend nach diesem schweiss­trei­benden Tag!

Der Tag geht hier dann auch deutlich früher zu Ende: Um 18 Uhr verschwindet für uns schon die Sonne hinter der Bergspitze gegenüber und es ist schon beein­dru­ckend, zu sehen, wie viel länger die Gipfel­partien, die noch in der Sonne liegen, von der Sonne beschienen werden.

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Wir machen es uns mit einem Chenas aus dem Beaujolais in unseren Stühlen bequem und sind zufrieden.IMG_5116.jpg

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