Auf zur Mandelblüte!
4. April 2017

Unsere General­probe für die kommende Fahrt in die Bretagne führt uns in die Pfalz. Zur Mandel­blüte. Denn von den schönen knatsch­rosa blühenden Mandel­bäumen haben wir schon viel Gutes gelesen und natür­lich vor allem gesehen. Da wird es doch mal Zeit, sich das in echt anzugucken!

Wir starten also am späten Mittag und reihen uns, wie üblich, in den Stau am Lever­ku­sener Kreuz an. Die eigent­lich sinnvol­lere Route über die Brücke dürfen wir ja wegen der hochbe­gabten Checker bei Straßen-NRW wegen Überbreite nicht nutzen. Macht ja auch Sinn, dass die Brücke unter unserer Breite ächzt und nicht unter unserem weit unter 3,5t liegendem Gewicht…

Also nehmen wir die Route über die A3 und werden kurz vor Mainz
vom Navi elegant über die Dörfer zur A61 gelotst. Wir sind begeis­tert davon, wie stress­frei sich die Reise auch mit 2 Hunden gestaltet. Elli nimmt klaglos neben Mia auf der Rückbank Platz und denkt sich „Wenn die Große das gut findet, kann es ja so schlecht nicht sein!“

Wir haben auf Empfeh­lung von Annettes Mutter hin einen Stell­platz beim Weingut Eberle in Burrweiler reser­viert. Kann ja gut sein, dass zur Zeit der Mandel­blüte dort der Bär steppt. Dachten wir. Tatsäch­lich aber ist immer noch deutlich Vorsaison und wir somit die einzigen Gäste auf den 3 ausge­bauten Stell­plätzen. Ist uns recht!

Da auf unser Klingeln niemand öffnet erkunden wir erst mal zu Fuß den Ort. Also, das Örtchen. Und stellen verwun­dert fest, dass hier ein Restau­rant auch mal an einem Freitag einen Ruhetag einlegt. Ups. Annette entdeckt aber unter den vielen Wegwei­sern zu den diversen Weingü­tern der Region auch ein Restau­rant. Das Sankt-Anna-Gut. Wir stapfen also den Weinberg hinauf und werden dort freund­lich empfangen und auch für die Hunde gibt es einen guten Platz. Wir lassen es uns gut gehen und probieren die rusti­kalen Pfälzer Köstlich­keiten. Jetzt weiß ich also wie Saumagen schmeckt (besser als sein Name), was Leber­knepp sind (leckere Leber­knödel) und dass die Bratwurst mit Mostert serviert wird. Gesät­tigt und zufrieden wanken wir den Berg hinunter zum MoMo. Nicht schlecht als Einstieg.


Am nächsten Morgen lassen wir es zunächst langsam angehen und genießen die milden Tempe­ra­turen und die entspannte Atmosphäre auf dem Hof des Weinguts. Herr Eberle gibt uns Tipps für Wande­rungen und Einkehr. Insbe­son­dere das Einkehren scheint eine sehr wichtige Sache zu sein in der Pfälzer Lebensart. Sehr sympathisch!


Wir gucken den Hunden beim Spielen zu und machen erst nach einiger Zeit in aller Ruhe die Räder fertig. Heute muss Elli zum ersten Mal in den Hänger! Auch das klappt richtig gut, wenn auch die Hunde große Geduld aufbringen müssen, weil ich bei der Fahrrad­pflege an alles gedacht habe. Nur nicht ans Reifen aufpumpen…

Als es dann aber losgeht macht es Spaß, durch die erwachende Frühlings­land­schaft zu radeln. So viele weiß blühende Bäume am Weges­rand. So viel frisches Grün! Aber erst mal nur sehr zaghaft ein paar blühende Mandel­bäum­chen. Da geht noch was!

An der zauber­haft gelegenen Burrweiler Mühle werfen wir einen Blick auf die Karte und stellen fest, dass wir gerne später noch mal wieder­kommen, wenn ab 15 Uhr geöffnet ist. Denn die Speise­karte sieht sehr verlo­ckend aus.

Im weiteren Verlauf stellen wir aber auch fest, warum das Wort Berg in Weinberg enthalten ist. Von unten sah es so aus, als könnte ich das kurze Stück­chen halt mal schieben. Aber mit dem Hunde­hänger hinten dran wird das ein regel­rechter Workout. Fühlt sich eher an wie Tragen… Deshalb machen wir auf einer der vielen Bänke kurz vor Weyher erst mal Rast, genießen den Blick in die Landschaft und das perfekte Wetter.

Was man auf Straßen­karten ja meistens nicht so sieht, sind die Steigungen. Und so treten wir weiterhin bergauf in die Pedale. Weiter, immer weiter. Und so denken wir an der Hütte Rietania an Herrn Eberles mahnende Worte, dass wir das Einkehren nicht unter­lassen sollten. Also parken wir die Räder, setzen uns auf die Terrasse und genießen erfri­schende Getränke und einen Handkäse mit Musik. Haben wir vorher aber erst mal gegoo­gelt, was das wohl ist. Ein Sauer­milch­käse mit Zwiebel-Essig-Öl-Marinade. Muss man mal probiert haben! Und die Musik bezieht sich wohl auf die Verdau­ungs­ge­räu­sche nach dem Verzehr…

Bei der Weiter­fahrt kommen wir mandel­blü­ten­mäßig voll auf unsere Kosten. Schon auf der Abfahrt hinunter in den netten Ort Rhodt leuchtet es am Weges­rand intensiv rosa. Und da in Edenkoben das Mandel­blü­ten­fest auf der Mandel­meile statt­findet, geht es dort munter weiter. Alle paar hundert Meter gibt es am Straßen­rand Stände mit reich­lich Sitzge­le­gen­heiten, wo man dann bei einem Weinchen oder Lecke­reien verweilen kann. Da wir aber noch auf die nächste Pause in der Burrweiler Mühle speku­lieren belassen wir es bei einer Vorbei­fahrt am munteren Treiben. Vielleicht nächstes Jahr…

Auf dem Weg zur Mühle sehen wir auf einmal ein etwas größeres Aufgebot an Feuer­wehr, Polizei und Schau­lus­tigen an einem Schilf­wäld­chen. Die Überra­schung ist groß, als wir auf einmal unseren Winzer in Feuer­wehr­montur wieder­erkennen! Ein paar Jungs hätten wohl gezün­delt, seien aber immerhin von selbst auf den Gedanken gekommen, die Feuer­wehr anzurufen. Drama auf dem Dorf!

Jetzt wird es aber doch Zeit für ein weiteres Päuschen in der anspre­chend gestal­teten Außen­an­lage der Burrweiler Mühle. Wir probieren uns durch Blutwurst-Lasagne(!, aber lecker) und Enten­brust, da es dort die sehr pfiffige Idee von „Mini“-Portionen gibt, damit man mehrere Sachen probieren kann. Im Prinzip die Pfälzer Variante von Tapas. Ich mache aber einen Anfän­ger­fehler und bestelle mir eine große Rotwein­schorle dazu. Lecker, aber mit ordent­lich wumm. Herr Eberle klärt mich am nächsten Tag auf: Das Pfälzer Rezept für Weinschorle ist nämlich einfach 4 Finger­breit Wein und 4 Finger­breit Sprudel. Nur, dass die einen Finger senkrecht stehen und die anderen waage­recht… Stimmt!

Danach bin ich froh, als wir wieder am MoMo ankommen… Und statt der angedachten Weinprobe gibt es dann lieber mal Kaffee! Und während die Hunde schlafen oder spielen, nutze ich noch ein bisschen die Zeit und das schöne Licht zum Fotogra­fieren. Spaß macht das!

So vergeht die Zeit bis zum Abend im Fluge und wir machen uns zum erneuten Schlemmen auf: Bei den von der Leyens… Ein wirklich sehr empfeh­lens­wertes Restau­rant in Burrweiler-City – also direkt neben dem Kirch­turm. Leckere und auch schön angerich­tete Speisen und eine Speise­karte, bei der man sich kaum entscheiden kann. Und umso besser, wenn es dann auch noch so schmeckt, wie es aussieht. Das sind echt Schlem­mer­tage, die wir hier verbringen!

Der nächste Morgen begrüßt uns dann nicht mehr so freund­lich und wir hören tatsäch­lich das vertraute Tröpfel­ge­räusch auf dem MoModach. Eieiei, es sollte doch nur weniger sonnig werden!

Nach dem Abschied vom Weingut brechen wir zu unserer Wande­rung für heute auf. Auch diese ein Tipp von Herrn Eberle: Parken an der Drei-Buchen-Hütte und dann zur Ruine Neuschar­feneck. Und 2 Hütten zum Einkehren. Hört sich doch gut an!

Nachdem wir fachmän­nisch schon mal die Speise­karte an der Hütte begut­achtet haben geht es los. Ein breiter Waldweg. Da kann man ja nichts falsch machen. Eigent­lich… Aber wir waren wohl mit der Essen­pla­nung so beschäf­tigt, dass wir übersehen hatten, dass man an der Hütte den oberen Weg nehmen muss. Und so müssen wir später erst mal so einige Höhen­meter wieder gut machen. Puh! Die Ruine ist wirklich sehens­wert und auch der Ausblick hinaus in die Pfälzer Berge ist toll. Wir bleiben erst mal und genießen.

Dann ruft aber doch die nächste Hütte. Die Landauer Hütte. Von Freiwil­ligen an den Wochen­enden bewirt­schaftet und eine schöne Zwischen­sta­tion. Natür­lich mit Einkehr, aber diesmal wohlweis­lich nichtalkoholisch…

Für unser Baby wird die Runde dann doch irgend­wann zu anstren­gend, so dass sie sich bei Annette in den Rucksack kuschelt und tragen lässt. Gemütlich!

Nachdem wir uns nach Beendi­gung der Runde noch einmal an der Drei-Buchen-Hütte gestärkt haben, geht es dann durchaus schweren Herzens wieder auf die Heimfahrt. Wir wären gerne länger geblieben und werden sicher­lich wieder­kommen. Eher früher als später!

Wieder mal ein Beweis dafür, dass man es sich auch in Deutsch­land richtig gut gehen lassen kann und tolle Landschaften sehen kann.

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