Ruinen mit Einkehr
5. Oktober 2019

Wir starten spät. Schon voll im Urlaubsmodus.

Unser erstes Ziel ist Bad Dürkheim, das wir per Abkür­zung über den Berg errei­chen. Also, genauer gesagt errei­chen wir erst mal den etwas außer­halb der Stadt gelegenen Womostell­platz, den wir aber mal so gar nicht attraktiv finden. An der Umgehungs­straße gelegen und wenig einla­dend angelegt. Eher ein großer Rasen­park­platz mit ein paar Bäumen. Aber dafür großzügig und mit Entsorgung.

So ein Scheiß

Und wir lernen wieder mal dazu. Gemüter mit empfind­li­chem Magen mögen bitte im übernächsten Abschnitt weiter­lesen… Vor uns ist ein Campingbus, der in die schon reich­lich mit Abwasser gefüllte Mulde für die Grauwas­ser­ent­sor­gung fährt. Verstopft? Pfiffi­ger­weise hat er eine Kunst­stoff­fuß­matte dabei, die er am Rande in die Mocke legt, sich dann weit unter seinen Campingbus an den Ablass­hebel beugt und offen­sicht­lich die Toilette entleert. Denn das schwarz­graue Wasser färbt sich auf einmal gelbbraun… Zum Abschluss wieder eine akroba­ti­sche Übung um das Ventil zu schließen, bei der man sensa­ti­ons­lüs­tern mitfie­bert, ob er das Gleich­ge­wicht verliert und in der eigenen Schlotze landet. Aber statt­dessen wird der ocker­far­bene Anteil brav mit einem Besen in Richtung Abfluss gekehrt, so dass es fast schon wieder ordent­lich aussieht. Und die angesi­fften Utensi­lien werden wieder im Fahrer­haus des Busses deponiert. Brrrrrr!

Auch als wir an der Reihe sind, gibt es kuriose Erleb­nisse. Während wir die Wasser­ver­sor­gung anschließen, kommt schon mal der Herr aus dem Womo hinter uns und entleert ohne mal zu fragen seine Toilette neben uns. Wir sind echt perplex. Und eine Minute später kommt schon der nächste Waldschrat mit seiner Toilette an. Den habe ich dann doch mal angespro­chen, dass er bitte warten möchte… Was ist denn bitte mit den Leuten los, dass sie nicht mehr warten und vor allem nicht mal fragen können?

Kurstadt mit begrenztem Flair

Anschlie­ßend parken wir auf dem riesigen Parkplatz am Kurpark von Bad Dürkheim. Kurz bevor wir aussteigen, sehen wir noch ein Trüpp­chen von 3 Männern, die sich merkwürdig inter­es­siert die geparkten Womos angucken. Checken die aus, wo sie als nächstes einsteigen wollen? Wir beobachten die Szenerie aus dem MoMo und sind erleich­tert als sie sich in ihrem Mercedes setzen und wegfahren. Trotzdem ein komisches Gefühl…

Wir spazieren durch die Straßen von Bad Dürkheim, aber irgendwie kriegt uns dieser Ort nicht so richtig. Es ist eine aufge­räumte Kurstadt mit Kasino, einem schönen Park, einer riesigen Saline, aber ohne das gewisse Etwas, das eine Stadt für uns spannend macht. Und vielleicht ist es auch nur dass ungute Gefühl, dass AfD-Wahlkämpfer auf den Straßen sind und von einer Passantin wohl zurecht lautstark beschimpft werden.

Immerhin werden wir in einer Buchhand­lung fündig und kaufen uns einen Straßen­atlas für Deutsch­land. Denn während wir von unseren auslän­di­schen Reise­län­dern immer gerne eine physi­sche Straßen­karte haben sind wir für Deutsch­land da völlig blank. Letzten Endes wird es nach ausgie­bigem Vergleich die Karte vom ADAC im Maßstab 1:200.000, da sie uns am übersicht­lichsten erscheint und vor allem die landschaft­lich schönen „grünen“ Straßen anzeigt.

Lecker­schme­cker

Unser Weg führt uns weiter zur Burgruine Harden­burg. Von dort kann man eine Wande­rung zur Kloster­ruine Limburg machen. Genau das, was wir heute brauchen, um unsere leckeren Essen von gestern abzuarbeiten.

Und es könnte kaum besser für uns kommen. Denn nachdem wir uns unten im Tal erst mal orien­tieren mussten, wo wir sind, ist es dann um so einfa­cher: Einfach den Schil­dern zur Burg folgen und nach einer machbaren Steigung ist man schon da. Die Ruine mit ihren roten Sandstein­mauern sieht imposant aus, wir ziehen aber zunächst mal vorbei.

Denn mit der Linden­klause gibt es nach wenigen Schritten eine leckere Alter­na­tive. Eine typisch pfälzi­sche Hütte mit dem vollen Programm von Schorle und deftiger pfälzi­scher Küche. Wir entscheiden uns dafür, uns vor der Wande­rung noch mal zu stärken (wir finden echt immer einen Grund, oder?) und bestellen rote und weiße Schorle und Flamm­ku­chen und gebra­tene Blutwurst. Und es ist besser, als man es von einem Hütten­essen erwarten dürfte. Vor allem der Flamm­ku­chen würde auch im Elsass bei jeden Wettbe­werb bestehen!

Von Ruine zu Ruine

Der Weg zur Kloster­ruine Limburg fällt uns danach nicht schwer. So eine Schorle beflü­gelt die Schritte schon sehr!

Nach einer guten Stunde haben wir sie erreicht. Und Annette schimpft, dass ich zunächst mal nicht sehr beein­druckt bin, da sie teilweise schon zu „ordent­lich“ nach Instand­set­zung aussieht.

Und ich stelle fest, dass man nach Schott­land wahrschein­lich für die meisten Burgruinen auf dem Konti­nent versaut ist. Aber wenn ich da an die tollen Klöster in den schot­ti­schen Borders denke, ist das im Vergleich einfach nicht das gleiche. Aber der Blick in die Ebene unter uns ist trotzdem schön.

Business as usual

Als wir zum MoMo zurück­kommen ist es schon dämmerig. Um 18 Uhr! Wir müssen uns erst mal wieder auf den Herbst einstellen. Wir steuern einen Wander­park­platz im Wald an, müssen aber feststellen, dass uns das Navi in die Irre leitet. Denn unsere Straße endet an einem unbefes­tigten Forstweg. Hm, was tun? Da wir heute nicht viele Kilometer gemacht haben, beschließen wir das nahelie­gende: Wir kehren einfach zum schön unspek­ta­ku­lären Fried­hofs­platz in Kallstadt zurück!

Als wir dort ankommen, ist diesmal der Platz aller­dings schon gut gefüllt. Unser Platz von letzter Nacht steht nicht mehr zur Verfü­gung. Also nehmen wir den gefühlt letzten halbwegs ebenen Platz und verkrü­meln uns für den Rest des Tages im mucke­ligen MoMo, da wir unser Lecker­schme­cker­essen ja schon in der Linden­klause hatten. Und zu unserer Überra­schung stellt sich später noch ein Kuschel­camper quasi in die Durch­fahrt noch neben uns. Kann man machen, muss man aber nicht…

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