Salzig und wild
7. Oktober 2015

Was ist die richtige Antwort darauf, wenn morgens ein unange­kün­digter Regen­schauer übers MoMo fegt? Richtig, nochmal im Bett umdrehen!

Aber schon bald wird es deutlich freund­licher, so dass wir bei heiter bis wolkigem Wetter den Stell­platz verlassen und direkt vor dem ersten Rätsel des Tages stehen: An der Ver-/Entsor­gungs­station ist ein weiblicher Frisch­was­ser­an­schluss. Da hilft uns auch unser Gardena-Sammel­surium nicht weiter — einen doppelt männlichen Adapter haben wir nicht im Angebot. Ist aber nicht so schlimm, weil wir am nahe gelegenen Camping­platz in Turballe dann doch noch zu unserem Frisch­wasser kommen.

In Turballe parken wir das MoMo dann direkt unter dem Womo-Parkver­bots­schild, dass wir sehr frei als saison­be­dingt inter­pre­tieren, da an der Promenade und auch auf den örtlichen Parkplätzen reichlich leere Parkplätze vorhanden sind. Da werden wir wohl keinem den letzten Platz wegge­nommen haben…

Im Marchè Couvert decken wir uns dann mit Gemüse und Käse ein und vervoll­stän­digen den Einkauf in der Boulan­gerie. Annette bestellt mittler­weile schon so versiert, dass kaum noch auffällt, dass wir eigentlich kein franzö­sisch können. Dumm nur, wenn dann irgend­welche Nachfragen kommen!

Weiter geht es in die Marais Salants, da wir uns die tollen Salzfelder von Guèrande mal näher ansehen wollen.

Dem geneigten Leser mag an dieser Stelle aufge­fallen sein, dass wir uns wieder in Richtung Süden bewegen. Aber wir haben irgendwie das Gefühl, dass wir mit dieser Region noch nicht “fertig” sind.

Also hinein ins Terre de Sel, wo wir ein paar der wunder­baren Bilder der Salzfelder als Deko fürs MoMo kaufen. Dumm nur, wenn man beim Dekorieren feststellt, dass 5 eine total unprak­tische Zahl ist, um die Bilder gleich­mäßig zu verteilen und man dann noch mal ins Geschäft muss, um die nach langen Diskus­sionen zurück­ge­legte 6. Karte doch noch zu kaufen.

Weiter geht es bei mittler­weile strahlend sonnigem Wetter mitten durch die Salzfelder.

Für unser Navi ist das alles schon Meer und so lotst es uns über die Straßen, die links und rechts wasserblau umgeben sind. In Wirklichkeit bieten sich aber immer wieder tolle Ausblicke, so dass wir mehrfach anhalten, um diese wunderbare Landschaft zu fotogra­fieren.

Insbe­sondere die Salzbecken, in denen am Rande schon aufge­bro­chener, getrock­neter Salzschlamm in verschie­denen Blau- und Grüntönen zu finden ist, lassen das Fotogra­fenherz höher schlagen.

Am Ende der Salzfelder stoßen wir auf die Halbinsel von Le Croisic, welches auch unser nächster Zielort ist. Sicher­heits­halber navigiere ich zum örtlichen Womostell­platz, der aber wieder mal völlig leer ist. Wir stellen das MoMo ab und machen uns auf den Weg in das leicht verschlafen wirkende Hafen­städtchen. Man merkt, dass die Saison vorbei ist! Der Ort sammelt bei uns keine Plus‑, aller­dings auch keine Minus­punkte.

Wir fahren nun immer die Küste entlang rund um die Halbinsel. Hinter dem Ort beginnt die wilde Küste, die Cote Sauvage. Uns gefällt der Wanderweg, der oberhalb der schroffen Klippen verläuft und wir überlegen, ob wir nicht einfach einen Stell­platz nehmen und die Tour für heute beenden. Da aber die Küste immer noch ein bisschen schöner wird, je mehr wir nach Osten zurück­fahren, beschließen wir mindestens bis Batz-sur-mer zu fahren, dass im Reise­führer als nett beschrieben ist. Und entlang der Strecke fällt schon auf, wie viele Womolatten und explizite Womopark­verbote es gibt. Als wir also an einem Kreis­verkehr östlich von Batz einen offizi­ellen Stell­platz finden, stellen wir uns erst mal dort hin und berat­schlagen kurz, ob wir mitten an einer Kreuzung stehen wollen. Aber der Blick aufs Meer und der verlo­ckende Pfad entlang der Klippen geben den Ausschlag: Wir bleiben.

Und bei unserem spätnach­mit­täg­lichen Weg zurück nach Batz freuen wir uns über die Entscheidung. Der Blick auf Meer, Klippen und Brandung tut gut und als wir Batz auch noch als ausge­sprochen fotogenes und sympa­thisch verschla­fenes Nest kennen­lernen, beglück­wün­schen wir uns zu unserer Entscheidung.

Passend dazu werden wir auf dem Rückweg in wärmstem Abend­licht gebadet und sehen einige Womos traurig an unserem nun voll gefüllten Stell­platz vorbei­ziehen.

Wir wiederum basteln uns aus unserem reich­hal­tigen Sortiment an Lecke­reien ein wieder mal fürst­liches Abendbrot mit unserem ersten Cidre des Urlaubs. Auch das könnte zur Gewohnheit werden!

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