Ein Tag für Gourmets

Der morgendliche Ausblick ist nicht gerade erfreulich. Es schüttet so sehr, dass sich auch der Esel, der neben uns auf der Weide steht, in seinen Unterstand verzogen hat. Auch als wir uns von unserer Gastgeberin verabschieden wollen, hat sich daran nichts wesentliches geändert. Da wir sie aber zunächst nicht antreffen, macht Annette noch die Gassirunde mit einer mäßig begeisterten Mia. Und siehe da, als beide zurückkehren ist auch unsere Gastgeberin aus dem Gewächshaus gegenüber aufgetaucht. So können wir uns also noch mit ein paar sehr ungewöhnlich geformten Tomaten, Schoko-Paprika und einem Aubergine-Feigen-Chutney eindecken. Toll, was man in Frankreich alles an Leckereien entdecken kann!

Wir fahren bei heftigen Windböen über die Pont de Saint-Nazaire, die sich unheimlich hoch über die Loire hinweg erhebt und haben endlich bretonischen Boden unter den Rädern. Hurra!

Wir haben uns vorgenommen, zunächst den Nationalpark Grande Brière mit seiner Sumpflandschaft zu erkunden. Ähnlich wie in Schweden im Store Mosse ist das Wetter mit seinen stürmischen Regenschauern aber eher nicht so aussteigen-förderlich, so dass wir in Ile-de-Fèdrun zwar kurz eine Broschüre im OT holen, aber dann auch schnell wieder ins trockene MoMo einsteigen. Der Ort hat zwar ein paar nette Reetdachhäuser, ist aber nicht so charmant wie im Reiseführer beschrieben.

Wir steuern also mit geringen Erwartungen das nächste angeblich hübsche Reetdachdorf Kerhinet an. Und der verpflichtende Parkplatz mit dem rosa Reisebus vor dem Dorf lässt Schlimmstes befürchten, aber tatsächlich erwartet uns ein Highlight.

Denn der restliche Parkplatz ist so gut wie leer und als wir durch das wahrlich schnuckelige Dorf ziehen, gehört es uns ganz alleine. Keine Menschenseele ist unterwegs und zu allem Überfluss ist mittlerweile auch noch die Sonne rausgekommen. Jackpot!

Wir gucken und fotografieren uns einen Wolf und schlagen in der Essensabteilung des Kunsthandwerkerhäuschens zu. Im Gebiet um Guèrande, was wir als nächstes besuchen wollen, ist nämlich Salz **das** lokale Produkt. Und salziger Honig hört sich nur auf den ersten Blick komisch an, schmeckt aber ziemlich lecker! Und so wandert er zusammen mit Kaninchen-Patè und einer Kräuter-Meersalzmischung in unsere Taschen.

Da der Parkplatz nicht sooo malerisch ist, versuchen wir unser Glück für eine Mittagsmahlzeit im wenige Kilometer entfernten Brèca, wo ein Hafen für die Wasserstraßen des Nationalparks sein soll. Und wir finden tatsächlich einen recht netten Platz für unser Indoor-Picknick mit den heute erstandenen Leckereien. Und was noch besser ist: Es schmeckt auch noch alles vorzüglich!

Solchermaßen gestärkt geht es jetzt nach Guèrande, der Salzhauptstadt der Region, mit seiner mittelalterlichen Festungsmauer, die mich spontan an den Ring um Lucca erinnert. Nur, dass hier nix los ist. Kein Wunder, bei dem immer noch eher bescheidenen Wetter!

Wir lassen uns aber die Laune nicht vermiesen und stöbern uns durch die netten Lädchen, die vor allem viele leckere Überraschungen bereit halten. Zum Beispiel alle möglichen Varianten von Schoko-Frühstücksaufstrichen – warum haben wir eigentlich das vergleichsweise armselige Nutella überhaupt mitgenommen? Unser persönlicher Favorit ist ja die Schokocreme mit Erdnüssen!

Und auch in anderen Geschäften werden diverse Kekse, Schokoladen, Trocken- und kandierte Früchte angeboten. Man könnte sich schier dusselig kaufen. Richtig angetan haben es uns aber die X Varianten von Fischsuppen, -aufstrichen und -konserven, die nicht nur durch ihre tollen bunten Dosen gefallen, sondern, wenn man dem Probiertischchen glauben darf, auch durch ihren Geschmack begeistern. Aber wer ist bitteschön auf den dummen Gedanken gekommen, ein Fischkonserven-Outlet mitten in der Altstadt zu platzieren? Da schleppt man sich ja tot!

Also lassen wir erst mal die Konserven Konserven sein und inspizieren erst mal die Kirche. Die hat nämlich wieder wunderbare Buntglasfenster, die trotz des mäßigen Wetters leuchten wie verrückt.

Anschließend machen wir uns auf die Suche nach der im Reiseführer angepriesenen Teestube Gout’Thè. Und tatsächlich gefällt es auch uns gut. Kein Wunder bei dem schweineleckeren Gateaux aux chocolate und den Tees, die man mit einer genialen Dreier-Eieruhr individuell ziehen lassen kann.

Wir durchstöbern noch ein paar nette Lädchen, wo man schöne Dinge für schönes Geld kaufen kann und schlagen auf dem Rückweg dann bei den Fischgeschäften zu. Der ultimative Fischsuppenvergleich kann kommen!

Aber zuvor müssen wir noch einen guten Platz für die Nacht finden. Denn der Stellplatz von Guèrande ist zwar großzügig, aber direkt am Kreisverkehr der Durchgangsstraße gelegen. Nicht so doll. Wir beschließen Richtung La Turballe zu fahren und dann einen Stellplatz nach dem anderen akzuklappern. Der Stellplatz im Süden der Stadt liegt verführerisch genau zwischen Meer und Salzbecken. Und noch keine Womos da – super! Kurz darauf wissen wir auch, warum: An der Schranke steht ein Automat, der zwar freundlich erklärt, welchen Knopf man drücken soll, aber darauf leider gar nicht reagiert. So ein Pech!

Auf dem Weg zum nächsten Stellplatz weiter nördlich kommen wir an einem Campingplatz vorbei, den sich Annette schon bei der Vorbereitung ausgesucht hat. Toll direkt am Meer gelegen. Aber bei einer näheren Inspektion sehen wir, dass alle Erste-Reihe-Plätze schon vergeben sind und man in der nächsten Reihe mit der Breitseite zum heftigen Wind stünde. Also wieder nix.

Der nächste angebliche Stellplatz ist mit Womo-Latten verbarrikadiert. So langsam fragen wir uns, ob das so weitergeht… Aber der nächste Platz hat zwar einen Automaten, aber diesmal lässt er mit sich reden und gibt uns für freundliche 6€ den Weg frei. Wir stellen fest, dass wir den 30-Womo-Platz für uns alleine haben und parken an einer gut windgeschützten Stelle. Nicht unwichtig, da für die Nacht Böen der Stärke 10 angekündigt sind!

Alsbald machen wir uns Richtung Sonnenuntergang auf, der sich hinter dem Uferwäldchen als potentiell lohnend ankündigt. Und kaum sind wir um die ersten paar Ecken gebogen, stehen dort 2 Womos auf unbezahlten Plätzen, die nicht wirklich schlechter als unser offizieller Platz sind. Wir können nur lachen und beschließen, die 6€ als gute Investition in die örtliche Infrastruktur zu sehen.

Der Blick über den aufgepeitschten Atlantik Richtung Sonne lohnt sich wenig später in der Tat. Aber da wir auch ein drohendes richtig fettes Regenfeld auf uns zukommen sehen, machen wir uns strammen Schrittes auf den Rückweg zum MoMo. Denn dort beginnen wir mit dem Fischsuppenvergleich Part 1 und ergänzen das ganze noch um Baguette mit diversen Aufstrichen. Wer wissen will, wie sich die Redewendung „Leben wie Gott in Frankreich“ anfühlt: Genau so!

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