Nicht Mias Tag
5. Oktober 2015

Auf den Wetter­be­richt ist Verlass. Morgens prasselt der Regen auf das Dach und wir freuen uns, dass wir statt des warmen Regens draußen eine heiße Dusche im MoMo haben.

Unsere wasser­scheue Mia ist bei dem Wetter auch nicht wirklich für eine Gassirunde zu begeistern und so lassen wir sie nach den ersten Kilometern in einem Waldstückchen ihre Geschäfte verrichten, da sie dort zumindest ein bisschen Schutz vor dem Regen findet. Ich finde es super, weil ich so Zeit für ein Foto vom verwun­schenen Waldweg habe. Und auch im weiteren Verlauf ist die Landschaft abwechs­lungs­reich und auf einer Ortsdurch­fahrt sehen wir eine Baumallee in den schönsten Herbst­farben. Da werden Erinne­rungen an den Indian Summer wach!

Unser Geist ist willig, an der Loire auch mal ein Schloss zu besich­tigen und die Wahl fällt auf das Wasser­schloss Chateau de Serrant. Dumm nur, dass wir vor verschlos­sener Schranke stehen, da in unserem Reise­führer nicht stand, dass Montag und Dienstag Ruhetage sind… Immerhin gibt es in St. Georges sur Loire aber einem Stell­platz mit kosten­loser Ver- und Entsorgung, so dass wir zumindest an dieser Front wieder erst mal Ruhe haben.

Damit wir wenigstens etwas von der Loire sehen, beschließen wir nach Champ­to­ceaux zu fahren, wo es eine halbver­fallene Zollbrücke am Ufer und einen schönen Blick auf den Fluss zu bewundern gibt.

Unser Plan, nun das letzte Stück zu unserem Etappenziel Nantes entlang der Loire zu fahren, geht nur zur Hälfte auf, denn auf den nächsten Kilometern sieht man vom Fluss genau gar nichts. Und zu allem Überfluss haben alle kommenden Brücken eine Höhen­be­grenzung, die nicht MoMo-kompa­tibel ist. Das wäre ja was! Aber die nächste Brücke führt uns dann hinüber und mitten ins Zentrum von Nantes, wo wir sogar auf einem beschrankten Parkplatz am Chateau völlig problemlos einen Parkplatz kriegen. Chapeau!

Da wir ein bisschen bummeln wollen und eventuell auch in Kirchen rein wollen, beschliessen wir heute mal, dass Mia ein MoMo-Wachhund sein muss und lassen sie zurück. Aller­dings mit einem leicht mulmigen Gefühl, da doch einige zwielichtige Gestalten rund um den Parkplatz rumlungern.

Wir verdrängen die schlechten Gedanken aber recht bald als wir auf Höhe des Wasser­grabens das Chateau halb umrunden. Doller Bau! Und auch die Gäßchen mit ihren teils origi­nellen, teils aber auch gräßlich ordinären Restau­rants lenken uns ab. Was vor allem noch geklärt werden muss: Warum kann man mit SFR keinen Hotspot für das iPad einrichten? Den ersten Tages­be­richt hatte ich nämlich fix und fertig auf dem iPad, konnte ihn aber nicht hochladen, da ich mit dem iPhone kein WLAN für das iPad bereit­stellen konnte. Und die Meldungen und Infos von SFR waren mehr als kryptisch. Im Laden teilte man mir dann freundlich lächelnd mit, dass das mit einer Prepaid-SIM leider nicht möglich sei. Und wo wir schon dabei sind: Ein Aufladen per Kredit­karte, wie es in Schweden problemlos möglich war, geht natürlich auch nicht. Die spinnen, die Franzosen! Immerhin hilft uns dann der nette Ami mit dem großen M bezüglich des WLANs aus, so dass den Blog wieder auf den aktuellen Stand bringen kann. Aber schön ist anders…

Schön ist nämlich zum Beispiel die Passage Pommeraye. Ganz im Stil der tollen Passagen die wir aus Paris kennen, gibt es viele Geschäfte mit unseligem Unsinn. Genau richtig für uns! Direkt zu Beginn gibt es eine Choco­la­terie, wo wir kurz entschlossen erst mal Kekse und vor allem ein Gläschen Caramel au beurre salè erstehen. Mjam! (Und nein, dafür werden keine Kalorien gezählt!)

Im nächsten Geschäft erstehen wir dann sogar noch die Steigerung: Den leckeren Brotauf­strich mit Noisette, Lait & Eclats de Caramel au Beurre Salè. Sozusagen Nutella auf speed! Haben wir in Paris täglich in unserem Cafè zum Frühstück gehabt und sind seitdem süchtig.

Ebenfalls witzig: Der Laden mit den Pyjamas mit den unmög­lichsten Motiven und Farbkom­bi­na­tionen — muss man halt tragen können!

Auf dem Rückweg stellen wir fest, dass a) die Zeit wie im Fluge vergangen ist, b) wir Mords­hunger haben und c) der arme Hund jetzt lange genug auf uns gewartet hat. Also kaufen wir noch flugs in einer sehr urigen Bäckerei Brot fürs Abend­essen und ein belegtes Sandwich für den gröbsten Hunger.

Mia freut sich sehr, als wir endlich wieder da sind und hat ihre Pflicht als Wachhund offen­sichtlich ernst genommen: Es ist nichts passiert. Wir genießen unsere Sandwichs, die statt dem erwar­teten Tomate-Mozza­rella Tomate-Ziegenkäse-Walnuss-Kräuter und noch dazu super­lecker sind. Und beobachten das Treiben der zwielich­tigen Gestalten, die entweder am Handy hängen, sich Finger­zeichen geben oder einfach nur rumlungern. Offen­sichtlich parken wir an Nantes’ Drogen­um­schlag­platz Nr.1…

Daher lassen wir nur zu gerne die Großstadt hinter uns und freuen uns darauf, nun endlich am Meer anzukommen. Wir machen unseren France-Passion-Hattrick perfekt und peilen einen Bauernhof in Saint Brevin Les Pins an. Sieht auf den ersten Blick eher wie ein Schuppen aus, wird aber durch den wieder mal sehr freund­lichen Empfang wett gemacht. Mia wird aufs ausgie­bigste von den drei Hofhunden beschnüffelt, was sie gotter­geben über sich ergehen lässt. Ebenso wie unsere Auskunft, dass sie leider nicht mit uns zum Strand kann, da wir dorthin mit den Rädern fahren wollen. Und Fahrrad und Mia klappt eher so mittel…

Mit leicht schlechtem Gewissen fahren wir als Richtung Strand, wobei wir uns mehrfach auf der Karte verge­wissern müssen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, denn ausge­schildert ist der Strand nirgends. Als wir dann aber angekommen sind, werden fast Heimat­ge­fühle wach. Der Strand ist ähnlich weitläufig wie in Egmond und wir legen eine kurze Gedenk­minute für Mia ein, die hier sicherlich gerne rumgerast wäre. Denn nicht nur ist der Strand breit, nein, wir haben ihn auch noch **komplett** für uns alleine! Man stelle sich das mal in Holland vor!

Am Wasser freuen wir uns über die vielen Muscheln, die zum sammeln förmlich einladen und warten gespannt auf den Sonnen­un­tergang, der sich dann auch wahrlich nicht lumpen lässt. Eine tolle Lightshow ist das mit Farbtönen am Himmel, die an übelste Kitsch­bilder erinnern und die rot-orange-blau-Palette wird kräftig gemischt. Toll!

Nachdem die Sonne hinterm Horizont verschwunden ist, brechen wir bald auf, damit wir nicht in völliger Dunkelheit fahren müssen, verpassen dadurch aber eine weitere Farbex­plosion am Himmel, die wir leider nur mit einem Schul­ter­blick vom Fahrrad aus sehen. Auf jeden Fall aber ein mehr als viel verspre­chender Start in unsere Zeit am Meer!

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