Ein Traum in Ocker
8. Oktober 2015

Beim Frühstück klopft es an die MoMo-Tür. Ein freund­licher Herr in Uniform weist uns darauf hin, dass die Übernach­tungs­gebühr von 5€ doch bitte schön in der Tourist Infor­mation zu bezahlen sei. Warum man jetzt alle Womos in die Ortsmitte lotst, anstatt dem Mann ein Porte­monnaie zu spendieren, verstehen wir aller­dings nicht so ganz.

Nach einer Morgen­runde mit Mia über den Strand brechen wir auf und steuern ein Ziel an, auf das wir uns alleine vom Namen her schon freuen: Penestin mit seiner Plage de la Mine d’Or.

Penestin ist ein nettes Örtchen, der große Parkplatz ist so gut wie leer, die Sonne lacht. Ideale Start­be­din­gungen für eine kleine Wanderung. Also, eigentlich ist es eher ein etwas längerer Spaziergang entlang der Küste, denn anstrengend wird das ganze in den kommenden 3 Stunden wirklich nicht.

Wir erreichen dir Küste und sind zum wieder­holten Male baff, dass an diesen schönen Stränden so gut wie kein Mensch zu finden ist. Gut, es ist Donnerstag, aber auch Mütter mit kleinen Kindern oder Senioren sucht man vergebens. Und auch Touristen treffen wir auf der Strecke praktisch nicht. Schön für uns!

An einem mit vielen Muscheln und Kieseln übersäten Strand machen wir eine kleine Pause und beobachten das Meer — denn bei Flut soll hier angeblich alles überschwemmt sein, so dass der Wanderweg an dieser Stelle einen Ebbe- und einen Flutweg anbietet.

Aber die Flut kommt so langsam, dass wir uns ganz entspannt mit unserem Proviant stärken können und dann weiter oberhalb des Strandes weiter­gehen.

Nach einiger Zeit sehen wir endlich das, wofür wir vor allem gekommen sind: Die Mine d’Or sind nämlich ein Ocker­bruch direkt am Meer und die Färbung der bröselnden Klippen zusammen mit Himmel und Meer ist einfach der Kracher!

Dummer­weise sehen wir es aber von oben und wir ärgern uns kurz darüber, dass wir nicht am letzten Abzweig zum Strand runter gegangen sind. Aber ein schneller Check mit Google Maps zeigt uns, dass bald ein weiterer Abgang folgt und (noch wichtiger) es auch wieder einen Aufgang gibt. Denn auch am bald erreichten Abgang waren Schilder wieder vor der Flut. Scheint hier echt ein Thema zu sein!

Wir gehen also hinunter zum Strand und kommen aus dem Staunen und Genießen gar nicht mehr heraus. Nee, wat is dat schön! Und entspre­chend fotogra­fieren wir uns einen Wolf und denken bei jedem Bild, dass wir **jetzt** wirklich das ultimative Bild geschossen hätten. Bis jetzt das Highlight der Tour!

Irgendwann ist auch der letzte Ocker wegge­guckt und wir machen uns auf den Heimweg. Unterwegs durch die ausge­storbene Straße zurück zum Ort sind aller­dings noch einige Restau­rants und Creperies (Creperien?) und einige wenige davon haben sogar geöffnet. Wir beschließen, unsere erste Formule Midi zu probieren. Das ist dieses Mittag­essen, wo man wahlweise Vor- oder Nachspeise dazube­kommt. Die Speise­karte übersetzt uns netter­weise Herr Google.

Annette verzichtet daher auf die Kuttel­wurst, genannt Andouil­lette de Troyes, obwohl sie doch mit einer (bestimmt leckeren) Senfsauce serviert wird und nimmt lieber einen Lammspieß. Ich bin aber abenteu­er­lustig und bestelle sie mal auf gut Glück, was mir einen ungläu­bigen Blick der Bedienung einbringt. Sie gibt wirklich alles, um mich davon abzuhalten, diese Spezia­lität zu probieren und bestätigt auch Annettes Verdacht mit den Innereien, den sie mit Zeigen auf den eigenen Bauch kommu­ni­ziert. Aber jetzt fühle ich mich doch an der Ehre gepackt und bleibe erst recht bei meiner Bestellung.

Nun, es war eine Erfahrung. Nicht wirklich schlecht oder ungenießbar und sogar gut gebraten. Aber warum jemand das würde essen wollen, wenn es auf der Erde so viel schönes zu schlemmen gibt, kann ich mir auch nicht erklären. Und erst recht nicht, warum es eines von fünf Gerichten für eine Formule Midi sein sollte. Aber ich wurde ja gewarnt!

Von Penestin geht es nun weiter an die Presqu’Ile de Rhuys, die südliche Halbinsel des Golf du Morbihan. Unterwegs tanken wir noch mal und kaufen in einem Carrefour-Super­markt ein. Aber anders als in Schweden können wir mit dem Super­markt gar nicht so viel anfangen, denn die wirklich leckeren Sachen kaufen wir dann tatsächlich lieber auf dem Markt oder beim Erzeuger. Fühlt sich hier in Frank­reich einfach richtiger an. Aber immerhin können wir unsere Rotwein­vorräte auffüllen. Auch wichtig.

Wir steuern nun einen Stell­platz fast am Ende der Halbinsel an. Der Platz in Kerjouanno hört sich verlo­ckend an: Strom und WLAN würden uns wirklich gut tun. Denn ersteres brauchen wir, um die Akkus wieder zu füllen und letzteres würde unsere SFR-gebeu­telte Inter­net­kasse schonen. Ach ja, und nett gelegen soll der Platz auch noch sein. Strand- und ortsnah.

Wir finden einen durchaus nett angelegten Platz vor, der für 50 Womos vorge­sehen sein soll. Und genau das ist irgendwie auch das Problem. Die Stell­plätze sind eine Stufe besser als eng, asphal­tiert und im Sommer möchte ich hier nicht wirklich stehen. Die Strom­ver­sorgung ist sehr alter­nativ gelöst: Es gibt 20 Anschlüsse für 50 Womos… Und da der Platz schon (für diese Saison) ordentlich gefüllt ist, gucken wir in die Röhre. Ist nix mit Strom, alles schon belegt. Immerhin funktio­niert das kostenlose WLAN, ist aber so lahm, dass man nicht wirklich mal eben etwas recher­chieren kann.

Aber für heute reicht uns das, so dass wir das MoMo abstellen und zum nahe gelegenen Strand gehen. Dort bietet sich das nun schon vertraute menschen­leere Bild und wir setzen uns in den Sand und genießen die Stille des Meeres­rau­schens. Das schon wunderbar warme Abend­licht sorgt für eine tolle Stimmung und es gibt sehr schöne glatt geschliffene Kiesel zu sammeln.

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