Durch die Alpen
28. März 2015

Was ein perfekter Reisetag!

Wir werden von strahlend blauem Himmel (und eisigen Tempe­ra­turen) begrüsst — ideales Fahrwetter. Also machen wir uns nach dem Morgen­kaffee auf in die Schweiz, um mit Annettes Schwester samt Familie zu frühstücken. Das Kaufen der Vignette am Grenz­übergang erfolgt problemlos an der Tankstelle und die Strecke nach Embrach schaffen wir mit links.

Nach einem wunderbar gedecktem Frühstücks­tisch (vielen Dank noch einmal!) und stolzem MoMo-Zeigen geht es dann weiter Richtung Süden.

Die Entscheidung Gotthard oder San Bernhardino war schon beim Frühstück gefallen, da die einhellige Meinung war, dass die San Bernhardino-Route landschaftlich toller sei — und das bei diesem Wetter! Und dass der Tunnel “nur” 6,6km lang ist, schadete dann auch nicht…

Im Womo-Forum hatte ich davon gelesen, dass die Via Mala kurz vor dem Tunnel ein lohnens­werter Abstecher sei. Und da das auch ein guter Zeitpunkt für eine weitere Pause war, steuern wir also den “bösen Weg” an. Kurz nach der Abfahrt fährt man steil hinauf, durch enge Tunnel (netter­weise auch noch Baustelle!), die aus dem rohen Stein geschlagen wurden. Ob man da nicht doch in einer Kurve mit dem Alkoven hängen bleibt?

Nein, es geht alles gut und wir steigen am Aussichts­punkt aus. Einen Parkplatz kriegen wir locker, weil der Abstieg in die Schlucht noch gar nicht geöffnet ist. Der Ausblick ist aber auch so schon beein­dru­ckend genug!

Während Annette und Sofie von der Weiter­fahrt durch die sich an der Felswand entlang windende Straße nicht sehr überzeugt sind, setze ich mich mit Abenteu­erlust durch und wir fahren weiter, ohne sofort auf die Autobahn zurück zu fahren. Gute Entscheidung! Denn die Landschaft ist einfach wunder­schön und an den frischen Wiesen und den Schnee­gipfeln können wir uns nicht satt sehen. Auch die Fahrt hoch zum San-Bernhardino-Tunnel ist einfach spekta­kulär! Die Straße ist schneefrei, aber es gibt immer noch große Schnee­felder und halb vereiste Seen unterhalb der weißen Berge zu bestaunen. Schööön!

Die Abfahrt ins Tal wird gerne mit einem mahnenden oder ängst­lichen oder empörten “Micha!” kommen­tiert, wenn ich mit rasanten 40 durch eine Kurve rase. Vielleicht haben aber auch nur die Warnschilder mit LKWs, deren Bremsen brennen, Annette so verun­si­chert.

Egal, wir kommen gut hinab und kurz vor Bellinzona machen wir einen kurzen Stop an einer Raststätte. Und es ist unglaublich: Das Thermo­meter zeigt stolze 21°, manche Wohnmo­bi­listen haben auf dem wirklich nicht attrak­tiven Platz ihre Sessel rausgeholt, ein anderer zeigt uns seinen behaarten Rücken, bevor er sich an den Camping­tisch setzt. Es herrschen, zumindest in der Sonne, sommer­liche Zustände. Nicht schlecht, wenn man aus dem verreg­neten Bergi­schen kommt und morgens auch in Süddeutschland noch Tempe­ra­turen um den Gefrier­punkt hatte!

Wir hatten schon vorher beschlossen, dass wir heute nicht einen weiteren Endlos-Fahrtag machen wollten, nur um in der Toskana anzukommen. Staatt­dessen haben wir uns einen Stell­platz am Lago Maggiore ausge­guckt. Und nachdem wir zunächst im schwei­ze­ri­schen Teil sehr skeptisch waren, da es kaum (eigentlich gar keine) Möglich­keiten zum MoMo-Parken gab, war im italie­ni­schen Teil alles etwas anders. Es gab Parkplätze, auf denen Wohnmobile sogar ausdrücklich erlaubt waren (sosta consentita bedeutet zumindest laut Google grünes Licht).

Und so haben wir am Abend einen Stell­platz, der in richtig guter Seelage ist, aber natur­gemäß auch direkt an der Straße liegt. Ach ja, und eine Eisen­bahn­linie gibt es gratis dazu! Mal gucken, wie die Nacht wird… Aber Blogschreiben unter offenem Himmel mit Seeblick hat schon was!

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