Mizen Head und Beara

19. April 2022

Das ist ja toll! Wir wachen heute schon früh auf und haben damit einen wunderbar friedlichen und einsamen Morgen an einem Ort, den andere Touristen nur als sehr belebt kennen.

Mizen Head
Mizen Head

Ich habe sogar alle Zeit der Welt, die Drohne mal ausfliegen zu lassen und schon mal etwas zu erkunden, was uns später erwarten wird. Wobei das für uns gerade eine schwere Diskussion ist: Was macht man und was lässt man dann doch bleiben und fährt noch weiter? Ich argumentiere: Wir haben doch gestern schon den tollen Ausblick auf die Klippen vom Browhead gehabt, was soll uns da jetzt noch überraschen können? Annette argumentiert: Wenn wir jetzt schon mal hier sind, dann machen wir das auch richtig. Und richtigerweise höre ich dann auf die beste Ehefrau von allen.

Mizen Head

Immer wieder neu

Auf meinem Erkundungsflug mit der Drohne sah es noch so aus, als würde man vom Eingang aus über die Brücke zum Leuchtturm gehen und das wäre es dann auch. Ich ging davon aus, dass das in maximal einer Stunde erledigt sein sollte. In Wirklichkeit werden wir mehr als zwei Stunden dort verbringen und es hätten locker auch drei oder vier sein können. Plant also Zeit ein, wenn ihr dorthin wollt – zumindest wenn das Wetter so genial wie bei uns heute ist.

Mizen Head

Denn obwohl das von der reinen Entfernung her nicht sehr viel Strecke ist, gibt es ständig was Neues zu entdecken. Es gibt immer kleine Abzweigungen, auf denen freundlicherweise die Entfernung und die zu veranschlagende Zeit angegeben ist. Letztere ist zwar etwas übertrieben, aber man könnte sich an den Aussichten durchaus so viel Zeit nehmen. Sie sind es wert.

Mizen Head

Größtes Kino

Am spektakulärsten ist der Ausblick oberhalb der Brücke auf die nördlich gelegenen Klippen. Bis kurz vor dem Aussichtspunkt kann man sie allenfalls erahnen und ist dann umso mehr geflasht, wenn man dieses grandiose Küstenpanorama vor sich hat.

Mizen Head
Mizen Head
Mizen Head
Mizen Head

Aber auch alle anderen Blicke auf die Klippen und die schäumende Brandung sind einfach Weltklasse. Wenn da bei diesem schönen Wetter und weitestgehend ruhigen Seegang schon so die Post abgeht, wie mag es dann erst bei wirklich rauer See aussehen?

Mizen Head

Apropos raue See: Das Leuchtturmwärterhäuschen ist eigentlich kein großes Schmuckstück. Es kann aber damit punkten, wie liebevoll es versucht, das Leuchtturmwärterleben lebendig zu machen. Vor allem ist man einfach beeindruckt, wie Menschen an so einem exponierten Ort überhaupt so etwas bauen konnten. Und der eigentliche Leuchtturm ist dann eher ein Leuchtfeuer, weil es ohnehin schon an der höchsten Stelle platziert werden konnte. Annette hat es lieb.

Mizen Head

Leider kein Beweisfoto haben wir von den Delfinen, die wir hier immer wieder aus dem Wasser auftauchen sehen. Während mir beim nachträglichen Durchsehen der Bilder Zweifel kommen, ob das nicht stattdessen doch ganz ungewöhnliche Wellen waren, ist sich Annette sicher: Sie hat durch das Fernglas definitiv Delfine sehen können.

Mizen Head

Von schmalen Straßen

Als wir ganz beseelt zum MoMo zurückkehren, schämen wir uns erst mal. Denn der morgens noch so leere Parkplatz hat sich ordentlich gefüllt und es sieht zunächst so aus, als hätten wir mit dem quergestellten Wohnmobil ganz schön asozial geparkt. Beim Näherkommen stellt sich aber heraus, dass es immer noch reichlich Parkplätze gibt. Das wäre uns sonst auch echt peinlich gewesen…

Mizen Head

Wir entscheiden uns, ein Mittelding zwischen langsamem Reisen und Vorankommen zu machen. Schweren Herzens lassen wir den kleinsten der „Finger“ im Südwesten weg – den Sheep Head werden wir bei der nächsten Reise besuchen.

Mizen Head

Für uns geht es weiter in Richtung Beara Peninsula. Wir fahren bei bestem Wetter mitten durch die Halbinsel und können uns schon mal an die deutlich engeren Straßen des Südwestens gewöhnen. Im besten Fall sind wir die Dicken, für die andere aus dem Weg gehen. Im schlechtesten Fall kommt einem ein dicker Lkw mit Vollgas entgegen, welcher der Meinung ist: „Passt scho“. Aber bis jetzt hat unser Außenspiegel überlebt.

Pause in Glengariff

In Bantry werden wir unseren angesammelten Müll los. Da wir wenig auf Campingplätzen waren und dazu auch nicht unbedingt Lust haben, hat sich eine ganze Menge an Verpackungen und Restmüll angesammelt. In Dungarvan haben wir gelernt, dass man an einer „Civic Amenity Site“ (deutsch: Mülldeponie) seinen Müll gegen Gebühr loswerden kann. In Bantry geht das dann erstaunlich unproblematisch. Wieder was gelernt.

Beim Einkauf in Bantry entdecke ich dann überraschenderweise frische Tarte Citron beim Gebäck. Wir sind hier doch nicht in Frankreich? Aber die Törtchen sehen zu gut aus, um nicht probiert werden zu müssen. Und lernen dabei, dass das auf Englisch „Lemon Meringue“ heißt. Annette kommt bei der Bestellung ganz mit den Sprachen durcheinander und ordert Deux Lemon Meringue. Die Bedienung lacht und spielt das Spiel gerne mit. Auf Annettes „Merci“ antwortet sie formvollendet mit „De rien.“

Lemon Meringue

Für die schon recht späte Kaffeepause suchen wir uns den Anleger der kleinen Fähre nach Garinish Island in Glengariff aus. Wir stellen erstaunt fest, dass nicht nur die Franzosen leckere Zitronentörtchen produzieren können. Die irischen werden wir jetzt wohl häufiger auf den Speisezettel setzen.

Glengariff

Richtige Entscheidung

Mit unserem Übernachtungsziel tun wir uns erstaunlich schwer. Eigentlich möchte ich nicht durch Beara durchrasen, sondern mir dafür Zeit lassen.

Wäre der Campingplatz am Fuße des Healy-Pass dann nicht das richtige? Aber er liegt auch direkt an der Durchgangsstraße. Das geht bestimmt noch besser.

Dann also ein neu angelegter Stadtparkplatz in Castletownbere? Der ist schön eben und direkt am Wasser gelegen. Aber als wir dort ankommen, haben wir beide das Gefühl: „Schön und gut, aber das ist es noch nicht.“

Und ehe wir uns versehen, fahren wir dann doch fast bis ans westliche Ende der Halbinsel, um den Campingplatz in Allihies anzusteuern. Irgendwie hörte der sich gut an.

Als wir auf der R575 nach einer Kurve auf einmal die Bucht von Allihies unter uns liegen sehen, wissen wir sofort: Alles richtig gemacht.

Wir sehen eine großartige Südwest-Landschaft sich vor uns ausbreiten. Mächtige Wellen rollen herein, leuchten intensiv blaugrün und brechen dann mit gehörigem Getöse an den Felsen. Spektakulär ist gar kein Ausdruck!

Allihies

Einzelplatz

Und auch mit dem Platz haben wir den richtigen Riecher gehabt. Er ist nahezu unbenutzt. Lediglich ein anderes Womo und ein Wohnwagen stehen dort über dem Sandstrand. Und wir folgen diesmal glücklicherweise dem Navi, das aus zunächst unerfindlichen Gründen noch 100 Meter weiter fahren möchte. Siehe da: Es gibt noch eine zweite Wiese, die offensichtlich auch zum Platz gehört und wir bekommen den wunderbarsten Platz direkt oberhalb der Klippen, sodass wenige Meter vor unserer Nase die Brandung schäumt und spritzt.

Wir haben wirklich Glück: Da keine Saison ist, können wir den Sonnenuntergang völlig allein am Strand genießen und den Hunden noch mal etwas Tobezeit gönnen.

5 Kommentare

  1. Hallo, wieder mal ganz tolle Fotos und ein schöner Bericht.
    Weiterhin gute Reise und viel Spass.
    Herzliche Grüsse
    S. Polland

    Antworten
  2. Liebe Anette, lieber Michael
    Ich habe den Anschluss bei euch wieder gefunden, obwohl die Benachrichtigung über neue Posts (noch) nicht funktioniert.
    Was für einen traumhaften Platz habt ihr da doch wieder gefunden!
    Und was für tolle Fotos können daduch auch eure Follower wieder miterleben. Danke!
    Wir stehen in den Pyrenäen und stecken mitten in einer grossflächigen Regenzone. Aber so ergibt sich Zeit für Indoor-Aktivitäten.
    Euch weiterhin eine gute Fahrt
    Gruss, Michael

    Antworten
    • Hallo Michael,

      heute ist es zur Abwechslung auch bei uns mal bewölkt. 🙂

      Was klappte denn bei dir mit den Benachrichtigungen nicht? Bekommst du gar keine Mail oder landen diese im Spam?
      Frage an alle: Hat noch jemand das Problem, dass die Benachrichtigungen nicht ankommen? Dann würde ich noch mal unser Plugin kontrollieren.

      Liebe Grüße
      Micha

      Antworten
      • …Nachrichten kommen zumindest in Soltau sehr verlässlich an!😉

        Antworten
        • Danke für das Feedback, Ronny! Da sich sonst niemand beschwert, scheint ja alles zu klappen. 🙂

          Liebe Grüße
          Micha

          Antworten

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