Falscher Hafen

2. April 2022

Unsere Nacht in Belgien ist kalt, aber zumindest ohne Schnee. Wenn man die Bilder von Zuhause sieht, ist man auch damit schon zufrieden.

Stellplatz Belgien

Beim morgendlichen Tanken bin ich von den „preiswerten“ 1,87 € so begeistert, dass ich auch noch den letzten Tropfen in den Tank quetschen möchte. Begeistert von meinem Feingefühl beim Auffüllen der letzten Tröpfchen schaue ich gebannt auf die Zapfsäule und merke gar nicht, dass der Tank schon überläuft. Gier macht in der Tat dumm …

Belgische Umwege

Auf dem Weg nach Calais zeigt das Navi an, dass wir besser einen Umweg fahren sollen, da es fast eine halbe Stunde Stau auf der Strecke geben soll. Hört sich vernünftig an. Was wir nicht bedenken: Es sind wirkliche Nebenstraßen, auf denen man ständig nahezu auf eine Höhen- oder Gewichtsbegrenzung wartet, die bedeutet, dass man alles wieder zurückfahren muss. Aber es geht alles gut.

Umweg Belgien

Ohne das wir es gemerkt haben, sind wir auf einmal schon in Frankreich. Und kaufen dort erst mal in einem Supermarkt ein paar französische Leckereien ein. Anschließend wundern wir uns, wie schnell wir auf einmal am Hafen sind. Das ging ja schnell!

Komisch, dass hier so wenig los ist. Irgendwie hatte ich mir den Betrieb rund um Calais doller vorgestellt. Wir fahren zum einzigen geöffneten Schalter für die Fähre und wollen unsere eigentlich erst für Dienstag gebuchte Fähre umbuchen. Aber die Frau am Schalter schaut uns mit einer Mischung aus Irritation und Amüsement an: „Jaja, das ist eine Fähre von Calais nach Dover. Sie sind hier aber in Dünkirchen.“

Hä?

Tatsächlich ist es mal wieder ein Beweis für die alte Weisheit: Navifahren macht dumm. Ich hatte nicht mehr überprüft, ob das Navi wirklich den Hafen von Calais als Ziel ausgewählt hatte. Anscheinend hat es mir ganz großzügig einen Hafen in der Region Calais vorgeschlagen …

Warten in Calais

Im zweiten Anlauf schaffen wir es dann doch zum Hafen von Calais. Aber auch hier machen wir erst mal lange Gesichter: Obwohl wir um 13 Uhr dort sind, können wir erst die Fähre um 16 Uhr nehmen. Das hätte besser laufen können. Anscheinend ist eine Fähre ausgefallen, denn mit uns stehen viele Fahrzeuge in der Warteschlange, die für die Überfahrt 13:15 Uhr vorgesehen waren. Gut, dass wir es uns da im MoMo erst mal bequem machen können.

Als das Boarding beginnt, werde ich mit jedem Fahrzeug, das an uns vorbeizieht, nervöser: Könnte es sein, dass wir auch auf dieser Fähre nicht mitfahren werden? Aber es wird alles gut: Wir kommen an Bord und winken schon bald dem Kontinent goodbye: England, wir kommen!

Fähre Calais Dover
Fähre Calais Dover

Das Wetter hat zwar immer noch einen eisigen Wind zu bieten, ist aber ansonsten den ganzen Tag schon eher freundlich. Mit dramatischen Regenwolken, die aber immer woanders abregnen. Gut so!

Fähre Calais Dover

Endlose Lkw-Schlangen

Auch Dover heißt uns freundlich willkommen, obwohl wir noch auf der Überfahrt sicher waren, dass wir in ziemlich schlechtes Wetter hineinfahren. Aber es bleibt trocken und sogar freundlich. Ideales Wetter für das Wiedergewöhnen an den Linksverkehr.

Fähre Calais Dover

Auf den ersten Kilometern im Hafenwirrwarr von Dover ist es noch sehr anstrengend, aber schon bald habe ich mich wieder eingegroovt. Business as usual.

Mal abgesehen von den wirklich irrsinnigen Lkw-Warteschlangen auf der Autobahn. Alles, was man von deutschen Autobahnen an Lkw-Staus kennt, ist dagegen ein Kinderspiel. Denn auf die ohnehin imposante Schlange unmittelbar vor Dover folgt später hinter Ashford noch mal eine bestimmt 20 Kilometer lange Schlange von Lkws, die sogar 2- oder 3-spurig dort geparkt sind. Ein absurdes Szenario, das man mit Fotos gar nicht wiedergeben kann. Wenn das eine Folge des Brexit ist: Herzlichen Glückwunsch!

Lkw-Schlangen

Erster Defekt

Als wir nach einiger Zeit von der Autobahn abfahren, um eine Gassirunde mit den Hunden zu machen, passiert noch etwas aus der Rubrik „Dinge, die der Mensch nicht braucht“. In einer Kurve rummst es hinter uns und wir wissen sofort, was passiert ist: Unsere große Küchenschublade hat sich geöffnet und ist mit Karacho aufgegangen. Aber immerhin hat sie gehalten und ist nicht auf den Boden gescheppert. Es stellt sich heraus, dass die Halteplatte an der Innenseite wohl morsch geworden ist und schlicht und einfach abgebrochen ist. Warum ein Teil, was so eine schwere Schublade halten soll aus Plastik gefertigt wird, wissen wohl auch nur die Götter. Wir improvisieren erst mal eine Klebelösung mit Panzertape, die immerhin hält. Mal sehen, ob wir das noch besser repariert bekommen.

It’s getting dark

Unsere später als geplant erfolgte Fährüberfahrt fordert jetzt ihren Preis. Denn eigentlich wollten wir heute noch zu einem Land-Pub nördlich von Portsmouth fahren, wo wir uns morgen mit Doug und Chris treffen werden. Aber die Dämmerung setzt hier natürlich eine Stunde früher ein und uns wird relativ schnell klar, dass wir nicht mal annähernd bei Tageslicht dort ankommen würden.

Annette findet einen Platz südlich von London bei P4N, der sich auf den ersten Blick gut anhört: Picknickplatz mit herrlichem Blick ins Umland. Das stimmt auch, aber für einen Samstagabend ist das dann auch eine gute Partylocation und als wir dann in den Bewertungen noch was von Drogenumschlagplatz lesen, fällt die Entscheidung zur Weiterfahrt nicht schwer.

Unser endgültiger Übernachtungsplatz ist dann aber vielleicht nur unwesentlich besser. Was zunächst nach einem Geheimtipp für Brummifahrer aussieht, entpuppt sich dann eher aus Durchfahrtsstraße, auf der manche Autos mit atemberaubender Geschwindigkeit vorbeibrausen. Wir sind aber zu faul, um noch einmal umzuparken und hoffen auf das Beste.

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Britische Inseln 2022

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