Pluie

18. Oktober 2021

Der Wetterbericht hat nicht gelogen. Für uns ist es trotzdem überraschend. Denn nach dem ganzen sonnigen Wetter hier in der Bretagne können wir kaum glauben, dass es jetzt auch mal regnet.

Aber ein Gutes hat es auch: Wir nehmen den Schlechtwettertag extrem gelassen.

Kervel Plage

Unser Plan sieht vor, dass wir in den Nachbarort Plonévez fahren, beim Bäcker fürs Frühstück einkaufen und lieber dort gemütlich frühstücken. Der Strand sieht nämlich nicht sehr einladend aus. Und wir fragen uns, ob das auf dem Sand stehende Auto dort demnächst von der Flut umspült wird…

Kervel Plage

Regen

Auf dem Stellplatz in Plonévez findet sich für uns ein Plätzchen und wir können nach dem Frühstück entspannt überlegen, wie die Reise weitergeht. So langsam ist Heimreise angesagt. Was bietet sich da besser an, als bei dem Regenwetter schon mal ein paar Kilometer gen Heimat zurückzulegen?

Versorgung

Unsere Wahl fällt auf die Küste zwischen Saint-Brieuc und Saint-Malo, die wir bei unserer Nordbretagnereise vor 5 Jahren ausgespart hatten.

Wir kommen gut voran und machen in Rostrenen eine Shoppingpause im Intermarché. (Lest ihr den Ortsnamen auch als Rost-Rennen?)

Pluie

So langsam müssen wir mal daran denken, uns mit Sachen zu bevorraten, von denen wir auch Zuhause etwas haben möchten. Was hier gut ist: Es gibt einen ausgeprägten Regionalaspekt mit bretonischen Waren, die sehr deutlich hervorgehoben und beworben werden.

Produits Bretons

Pause am Kanal

Da wir gerne auch eine Kaffeepause machen möchten, suche ich uns einen Stellplatz in der Nähe und als wäre es Vorsehung landen wir wieder am Nantes-Brest-Kanal. In Gouarec gibt es einen Stellplatz unmittelbar am Kanal, an dem wir uns normalerweise wahrscheinlich sofort niedergelassen hätten. Nettes kleines Dörfchen, Ver- und Entsorgung, kostenloser Stellplatz und Wander-, Fahrrad- oder Kajakoption am Kanal. Genau unser Ding.

Lecker

Wir belassen es heute aber beim Kaffeetrinken und einem kurzen Kanalspaziergang in einer Regenpause.

Gouarec

Guildo hat uns nicht lieb

Wir folgen einer Empfehlung und peilen den Stellplatz in Saint-Cast-le-Guildo an. Hört sich alles super an. Oberhalb des Ortes, aber schnell am Strand, lecker Essen in der Stadt.

Die Realität fällt unserer Einschätzung nach ernüchternd aus. Saint-Cast-le-Guildo ist eine typische Sommerferienstadt, in der im Oktober dann schon eher die Bürgersteige hochgeklappt werden. Vieles wirkt schon verwaist und das trübe Wetter macht die Stadt auch nicht attraktiver.

Das Navi lotst uns brav zum Strand, aber auf den letzten Metern soll ein Stück sein, dass über 3,5 Tonnen, mit Gespann und über 2,20 m Breite gesperrt ist. Das gilt für uns zwar alles so gerade nicht, hört sich aber anspruchsvoll bis schwierig an. Wir gehen lieber auf Nummer sicher, sperren diese Straße im Navi und fahren 2 Kilometer Umweg.

Was wir dann sehen, macht uns nicht fröhlicher. Auf vergleichsweise schmalen und schrägen Parzellen stehen schon einige Womos und versuchen (wahrscheinlich vergeblich) das Gefälle auszugleichen, indem sie auf dem letzten Zipfel ihrer Keile fahren. Auch wir fahren zunächst in eine freie Lücke, kommen uns aber bei diesem Kuschelcamping schnell eingeengt vor. Nein, so hatten wir uns das nicht vorgestellt. Wir haben noch einen Pfeil im Köcher, der wahrscheinlich auch nicht schlimmer sein kann. Einen Versuch ist’s allemal wert.

Allein ist fein

Da es schon dämmert, fahre ich auf dem Rückweg jetzt doch die „verbotene“ Strecke. Und ich warte auf den Moment, wo ich merke, warum auf dieser Strecke die Verbote für Gewicht, Länge und Breite ausgesprochen sind. Nur: ich finde sie nicht! Klar, wenn sich im Sommer ein Auto nach dem anderen hier im Gegenverkehr durchzwängt, wird das Sinn ergeben. Im Oktober aber könnte hier wahrscheinlich noch ein Schwertransport mühelos hindurchfahren…

Unser Plan B ist ein Stellplatz auf einem Plateau oberhalb des Golfplatzes, etwas südlich von Saint-Cast. Und während wir noch unken, wie viele Womos hier wohl stehen und ab wann wir dann doch noch mal umkehren, kommt der Platz in Sicht. Wir können unser Glück kaum fassen: Wir stehen hier mutterseelenallein und können die Bucht von St.-Jacut-de-la-Mer überblicken. Grandios!

Manchmal lohnt es sich einfach, auf das berühmte Bauchgefühl zu hören.

Saint-Cast-le-Guildo

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Der wilde Westen von Mull

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