Birkentag

21. Juli 2021

Wir starten den Tag (Na ja, fast. Also: nach dem Frühstück…) mit einem beherzten Bad im See. Kostet zunächst Überwin­dung, belebt dann aber auch ungemein. Ich habe nachher fast das Gefühl, ein bisschen leichter zu sein. Das wird doch nicht der ganze Dreck sein, der da abgefallen ist…?

Kajak-Pleite

Wir überlegen dann überpro­por­tional lange, wie es weiter­gehen soll. Wir haben zwar einen groben Plan, wie die Route verlaufen soll, aber für die nächste Station fehlt uns noch die Inspi­ra­tion. Und plötz­lich macht es Klick: Wir stehen hier doch super an einem See und können mit den Kajaks paddeln. Warum sind wir da denn nicht früher drauf gekommen? Und die Sonne kommt auch noch raus. So wird’s gemacht!

Ich mache mich an den Zusam­menbau des ersten Scubis und fange an, ihn aufzu­pumpen. Pump, pump, pump. 

Aber irgendwie passiert da nichts.Hä? Das ging doch immer richtig flott mit der Doppel­hub­pumpe? Des Rätsels Lösung: Das Manometer war an der falschen Stelle. Nicht zwischen Schlauch und Pumpe, sondern dahinter. Wie dumm. Jetzt aber! Pump, pump, pump.

Nun füllt sich die Luftkammer zwar deutlich, wird aber nicht richtig prall. Und wenn man beim Pumpen pausiert, hört man auch ganz leise die Luft am Manometer heraus­strömen. Aber wieso? Das Internet weiß Rat: wahrschein­lich haben wir das Gewinde überdreht und dadurch die Verkle­bung gelöst, die für Dichtig­keit sorgt. Mist. Denn zufällig haben wir keine Heißklebe­pis­tole dabei, um das wieder festzu­kleben. Uns bleibt nichts anderes als frustriert alles wieder zusammenzupacken. 

Birken-Allee

Wir beschließen daher, jetzt auch weiter­zu­fahren. In Richtung Küste gibt es ein Highlight, das sich spannend anhört. Zwischen den Seen Stora Bygde­träsket und Göksjön kurz vor Burträsk gibt es die mit 10 Kilome­tern längste Birken­allee Europas. 

Wir cruisen durch schwe­den­ty­pi­sche Landschaft mit schwe­den­ty­pisch wenig Verkehr. Mal Asphalt, mal Schotter. Das wird hier vielleicht auch ausge­wür­felt, welche Straße was verdient hat. 

Västerbotten
Västerbotten
Västerbotten

Als wir von der RV364 nach rechts abbiegen sind wir sofort begeis­tert – das sieht wirklich toll aus mit so einer Birken­allee! Warum gibt es das nicht viel häufiger? 

Birkentag

Was uns beson­ders gut gefällt, ist das unter­schied­liche Alter der Birken. Von ganz jungen Setzlingen, die mit Wasser­sä­cken beim Wachsen unter­stützt werden bis zu erstaun­lich dicken, knorrigen Birken ist hier wirklich alles zu finden. Das muss ein ganz schöner Aufwand sein, so eine lange Allee zu pflegen.

Birkenallee
Birkenallee

Und überhaupt finden wir das Gebiet hier ausge­spro­chen schön. Leicht geschwun­gene Landschaft, (fast) immer ein See in Sicht­weite und die Häuser schön gleich­mäßig überall verteilt. Das wirkt schon sehr bullerbüig!

Birkenallee
Birkenallee

Burträsk

Auf dem Weg ans Meer machen wir am See in Burträsk eine Fika. Das Städt­chen mit dem kleinen Hafen und dem großzü­gigen Park gefällt uns auf Anhieb. Hier würden wir es wohl auch etwas länger als nur für eine Kaffee­pause aushalten. 

Burträsk

Wie es der Zufall will, gibt es hier auch einen kleinen Camping­platz, der in den Bewer­tungen sehr gelobt wird. Wollen wir vielleicht nicht einfach hier für heute Schluss machen und uns noch ein wenig in die Sonne setzen? Wollen wir!

Auf den ersten Blick sind wir gar nicht mal so begeis­tert, da wir zunächst nur eine große Rasen­fläche fernab vom See sehen. Erst auf den zweiten Blick sehen wir, dass es auch Plätze in Seenähe gibt. Für die wird zwar der höhere Preis mit Strom berechnet, auch wenn wir keinen benötigen werden. Aber das ist uns heute egal.

Wir belegen also unseren Platz 26, holen Tisch und Stühle raus und wollen die Sonne genießen. Diese beschließt aber, für heute Feier­abend zu machen und lieber den Wind für sich arbeiten zu lassen. Selbst im Windschatten des MoMos ist es bei ausblei­bender Sonne dann aller­dings reich­lich schattig.

Abends mit Musik

Beim Einche­cken wurde uns erklärt, warum hier so ein großes Extra­zelt­ge­lände besteht: Wir sind just zum Beginn des Folk-Festi­vals BURTRÄSKSVÄNGEN hier angekommen. 

Wir bekommen den Tipp, dass es heute, am Vorabend, in der Kirche nebenan ein Gratis­kon­zert geben soll. Kann man ja mal mitnehmen!

Annette zaubert uns zur Stärkung noch mal Bratlinge mit Tomaten­salat, bevor wir losziehen. Zugege­be­ner­maßen leicht nervös, weil wir die Hunde und vor allem unsere Chefchaotin Toffi im MoMo zurück­lassen. Wir wissen ja, was sie für einen Unfug anstellen kann!

Bratlinge

Wir sind so ziemlich die letzten Gäste, die die Kirche betreten. Einzige Corona­maß­nahme hier: Nur jede zweite Bank darf besetzt werden. Und da sich die Besucher großzügig im Kirchen­schiff verteilen fühlt sich das auch gut an.

Um es vorweg zu nehmen: Die Musik ist hervor­ra­gend. Wirklich gute Musike­rinnen spielen tradi­tio­nelle Weisen auf ihren Geigen. 

Konzert

Aber: Man ist auch sehr gesprä­chig. Und so wird zwischen den Liedern schon mal 5 Minuten geredet. Natur­gemäß auf schwe­disch. Und wir verstehen: kaum was. Annette will verstanden haben, dass eine der Musike­rinnen mit 5 Jahren das Geige spielen angefangen hat, das Wort „fantastisk“fällt häufiger und irgendwas eroti­sches haben sie, glaube ich, auch gesagt. Ich kann mich aber auch irren…

Nach einer guten Stunde werden uns die überwie­genden Redean­teile aber doch zu langatmig und wir beschließen zu gehen. Ein bisschen Sorge wegen der Hunde ist auch ausschlaggebend. 

Riesen­birken

Aber die Sorge war komplett unbegründet. Wir finden das MoMo in unver­än­dertem Zustand vor und werden freudigst begrüßt. 

Burträsk

Auf unseren anschlie­ßenden Gassirunde üben die Hunde das Laufen über eine Hänge­brücke, die weniger beängs­ti­gend als die am Mårdsel­forsen ist. Diese verbindet eine kleine Insel mit dem Festland und wir staunen über die enorm dicken Birken, die es dort gibt. Eine Birke mit einem Stamm­durch­messer von ca. 60 Zenti­me­tern am unteren Ende habe ich zumin­dest noch nicht gesehen.

Burträsk
Burträsk
Burträsk
Und schon wieder dieses Abendlicht!

Schön, dass du ein Stück mit uns mitgefahren bist!

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Der wilde Westen von Mull

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1 Kommentar

  1. Danke 🤩 dass wir immer noch mitreißen können 😊🙏
    Super Tour
    Tolle Bilder
    Jeden Morgen beim Frühstück muss ich Husky eure neuen Inspi­ra­tionen und Erleb­nisse vorlesen..sonst kein Frühstück 😀😉👌
    Bleibt gesund
    Viel Spaß 😉 noch
    Gute Weiterreise
    Husky und Seewolf

    Antworten

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