Überschwemmung

23. Mai 2021

Das Rauschen der Reuss hat uns gut in den Schlaf gebracht. Und anscheinend auch lang schlafen lassen. Wir sind bei unserem späten Aufbruch nahezu die einzigen, die noch übrig sind.

Stellplatz Gurtnellen

Heute soll es endlich ins Entlebuch gehen. Eine Region, in der wir noch nie waren und die sich als UNESCO-Biosphärenreservat präsentiert. Wir sind gespannt!

Unterwegs in der Schweiz

Voller Pass

Wir sind immer noch nicht abgestumpft und genießen die entspannte Autobahnfahrt in Richtung Luzern in vollen Zügen. Es ist, als würde man durch eine Filmkulisse gleiten. So schön!

Und es steigert sich sogar noch, als dann der Vierwaldstätter See auftaucht. Fast schon kitschig mit den Segelbooten, die dort extra für uns schaulaufen.

Vierwaldstättersee
Vierwaldstättersee
Vierwaldstättersee

Als wir am Sarner See die Autobahn verlassen sind wir auf den Glaubenbergpass gespannt. Wird der jetzt wieder so spektakulär wie unsere gestrige Passfahrt?

Glaubenbergpass

Im Prinzip ja. Aber wir haben eine Sache nicht bedacht, die eigentlich offensichtlich ist: Es ist Pfingstsonntag. Und damit bei perfektem draußen-was-machen-Wetter ideal für Spritztouren mit Fahr- und Motorrad oder dem Sportwagen. Komischerweise hier nicht so sehr für Wohnmobile. Da sind wir fast die einzigen. Aber die anderen hat es im Überfluss.

Glaubenbergpass

Für die Radfahrer, die sich hier unermüdlich hochkurbeln habe ich großen Respekt. Aber warum sind die immer an einer Rechtskurve platziert, wo man sie tunlichst nicht überholt?

Der Großteil der Motorradfahrer fährt vernünftig. Da will ich gar nicht verallgemeinern. Aber was gehen mir die Spezialisten auf den Zeiger, die mir entgegenkommen und meinen, dass sie sportlich die Kurve schneiden können und mich zum Abbremsen zwingen. Da krieg ich so einen Hals!

Denn der Glaubenbergpass ist auch deutlich schmaler als die gestrigen Pässe. Und insofern habe ich bei dem hohen Verkehr wenig Zeit, die Augen von der Straße zu lassen. Und zu allem Überfluss meldet sich die Reifenluftdruckkontrolleuchte auch mal wieder. Und erneut grundlos, wie ich dann erleichtert an der Tankstelle in Entlebuch feststelle. Wenig später erlischt sie dann auch sang- und klanglos. Blödes Ding!

Teletubbie-Land

Der Ärger ist aber rasch verflogen, als wir die Hauptstraße verlassen und den Steinhuserberg erklimmen. Fast gleichzeitig schießt es uns durch den Kopf: Das sieht hier wirklich so unschuldig hügelig-grün wie im Teletubbieland aus. Wir meinen das übrigens als Kompliment! Denn auch der Blick ins Tal hinunter ist einfach wunderschön.

Entlebuch
Entlebuch
Entlebuch
Entlebuch
Überschwemmung

Man könnte ein Bild vom Ausblick von hier oben wahrscheinlich jedem Dahergelaufenen unter die Augen halten und er würde zumindest raten: „Schweiz?“

Entlebuch

Begeistert fahren wir weiter zum Bauernhof Hochwart, wo man mit dem Womo stehen könnte. Nur gelegentlich kommen wir an Wanderern vorbei, die wir auf der schmalen Straße langsam passieren. Wir grüßen freundlich, als Annette auf einmal „Leo!“ ruft. Und tatsächlich, wir können es alle kaum glauben: Es ist der Freund unserer Schweizer Nichte Teresa mit seinen Eltern! Wie sich herausstellt, wohnen seine Eltern genau hier und die beiden sind bei Ihnen auf Pfingstbesuch. Wie unwahrscheinlich ist denn das bitte? Wir richten Grüße an Teresa aus (die zum Lernen im Haus geblieben ist) und fahren weiter zum Bauernhof.

Annette und Micha

Die Aussicht von dort ist absolut atemberaubend. Aber leider gibt es schlechte Nachrichten: Die Zufahrt ist durch den vielen Regen schon sehr matschig geworden und wir sind uns alle einig, dass das Befahren mit einem Kastenwagen durchaus heikel wäre – mit dem MoMo extrem ungemütlich. Es wird also nichts mit diesem Traumplatz. Wie jammerschade!

Wasser marsch

Wir beschließen, an den schrägen Kirchparkplätzen zu parken, die wir auf dem Hinweg gesehen haben. Nichts zum Übernachten, aber zumindest könnten wir hier eine kleine Wanderung machen.

Als wir gerade geparkt haben, kommt uns eine bekannte Gestalt entgegen: Teresa hat übers Handy erfahren, dass wir in der Gegend sind und das MoMo schon von Weitem gesehen. Große Wiedersehensfreude! Und auch Leo kommt gerade mit seinen Eltern zurück und wir unterhalten uns angeregt.

Annette und Micha mit Teresa

Wir wundern uns, dass plötzlich Wasser an den Schürzen des Wohnmobils hinten und an der Aufbautür tröpfelt. Es wird noch gewitzelt, ob das wohl der letzte Schnee ist, der gerade taut. Aber als das Wasser immer kontinuierlicher fließt, kommt es uns doch bedenklich vor. Moment, da war doch gerade schon mal was mit dem Wasser…?

Argh! Unser Töffel Toffi (die Hunde waren noch im Wohnmobil geblieben) hat es schon wieder getan: Anscheinend ist sie eine Spezialistin im Bedienen von Armaturen. Der Wasserhahn ist aufgedreht und das Wasser läuft in das Spülbecken. Von dort kann es aber wegen der extremen Schräge der Parkplätze anscheinend nicht abfließen und ist übergelaufen. In die Unterschränke, in den Zwischenboden und dann schließlich hinaus auf die Straße.

Toffi und ihr Wassereinbruch

Nachdem wir die groben Folgen der Überschwemmung halbwegs im Griff haben, weist uns Leos Vater an einen etwas ebeneren Platz, wo wir dann eine Grundtrocknung aller nassen Gegenstände und des Mobiliars vornehmen. Anscheinend haben wir (wieder mal) Glück im Unglück, da wir noch relativ schnell geschaltet haben und nicht so viel Wasser wie befürchtet ins MoMo geflossen ist. Puh!

Wir werden freundlicherweise erst mal auf Kaffee und Suure Moscht eingeladen, um uns von dem Schreck zu erholen.

fixierter Wasserhahn
toffisichere Hahnsperre
Toffi mit Blume
Man kann ihr nicht lange böse sein…

Stellplatz am Pilgerort

Unsere Wanderung lassen wir schweren Herzens sausen, da wir noch keinen Stellplatz gefunden haben. Und bei dem regen Pfingstverkehr haben wir ein bisschen Sorge, dass es schwierig wird, einen Platz zu finden.

Wir steuern den Talschlussort Luthern Bad an, da man dort am Gasthaus Hirschen wohl stehen darf. Und warum nicht mal wieder essen gehen?

Luthern Bad

Wir stellen erst nach und nach fest, dass wir hier an einem Pilgerort gelandet sind. Also kein Lourdes, aber immerhin das beliebteste Pilgerziel im Kanton Luzern.

Luthern Bad

Es gibt hier das Badbrünnli, eine Quelle, deren Wasser wundersame Eigenschaften zugeschrieben werden. Ich nehme mal eine Handvoll Wasser und biete es Toffi an – vielleicht hilft es ja was.

Aber wenige Meter weiter hat sie schon wieder furchtbare Angst – vor einer Holzstatue…

Luthern Bad

Wir lassen uns anschließend gerne auf der Terrasse des Restaurants nieder, um unseren Stellplatz angemessen zu würdigen. Für die gutbürgerliche Küche, die wir bekommen, sind die Preise allerdings wahrlich gesalzen. Immerhin sind die Portionen üppig. Gut, dass wir uns vorgenommen haben, in der Schweiz nicht auf die Preise zu sehen, da unser Reisebudget durch die lange Zwangspause gut gefüllt ist. Aber schmerzhaft ist das schon, liebe Schweiz.

Und andererseits habt ihr dann solche Sonnenuntergänge…

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Der wilde Westen von Mull

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