Grandiose Radtour
21. Oktober 2018

Wir brechen erst gegen Mittag bei vollem Sonnen­schein auf. Und bewegen uns nur eine Handvoll Kilometer weiter in den Natio­nalpark Müritz. Dort soll es 2 Stell­platz­mög­lich­keiten für Womos geben. Wir gucken uns zunächst den asphal­tierten Platz in Federow an und finden ihn zwar okay, aber nicht besonders heimelig. Sein Vorteil ist die zentrale Lage mit der Natio­nal­parksinfo vor der Haustür und dem Schnitt­punkt von vielen Wander- und Fahrrad­wegen.

Der Platz in Schwar­zenhof sagt uns da schon mehr zu. Ist zwar letzten Endes auch nur die Wiese hinter einem Bauernhaus, dafür landschaftlich aber viel schöner fürs Auge. Hier bleiben wir. Und zwar für 2 Nächte. Denn auch von hier kann man viel unter­nehmen.

Ab aufs Rad

Es ist jetzt deutlich kühler als noch die Tage zuvor, aber im warmen Licht der Sonne lässt es sich perfekt radeln. Und die Radtour von Schwar­zenhof ergibt sich quasi von selbst. Zunächst durchs Moor in Richtung Müritz, dann querfeldein zu den Seen und Aufstieg auf den Käflings­bergturm und. Über Speck zurück.

Schon das erste Stück ist sehr abwechs­lungs­reich. Während man zunächst noch durch ein Wäldchen fährt, wird es am Specker Horst schon inter­es­santer. Von einem Aussichtsturm aus hört man Dutzende Vögel mehr als dass man sie sieht, hat aber gleich­zeitig eine Aussicht auf den Specker See, auf dem sie sich tummeln.

Dann geht es durch deine schilfige Morrland­schaft mit hohen Birken und ganz wunderbar entlang des Herrmanns­kanals, in dem sich das bunte Laub der Bäume und der strah­lende Himmel spiegeln.

Annette macht das Experiment, beide Hunde oben aus dem Hänger heraus­lugen zu lassen. Mia genießt es sichtlich, sich den Fahrtwind um die Nase wehen zu lassen — ob sie sich daran erinnern kann, was sie früher alles bei einer Radfahrt aus dem Hänger sehen konnte? Und irgendwie sehen die beiden aus dem Fahrrad­hänger schau­enden Hunde aus wie Figuren aus der Muppet-Show. Knuffig!

Aussicht zum Seele baumeln lassen

Nördlich von Boek machen wir Rast an einer Aussichts­plattform, von der aus vor einem die Müritz in großar­tigem 180°-Panorama liegt. Ein Ort, an dem man bei diesem Wetter einfach stundenlang sitzen könnte. Balsam für die Seele.

Wir fahren trotzdem weiter und zwar jetzt landein­wärts auf breiten, manchmal etwas sandigen Wander­wegen Richtung Pries­ter­bä­kersee. Auch hier ist die Fahrt ein Farbrausch aus allen Herbst­farben plus klares Blau vom Himmel und zum Verfeinern noch das leuch­tende Weiß der Birken.

Am See machen wir an einem Aussichts­punkt eine kleine Rast, um unseren Proviant zu vertilgen. Dort treffen wir erneut auf ein älteres Ehepaar, das wir schon am Ausguck an der Müritz getroffen hatten. Wir kriegen eine Kostprobe des lokalen Platt­deutsch, in das man sich ein bisschen reinhören muss.

Wir verab­schieden uns und sind uns fast sicher, dass wir sie auf der weiteren Tour bald wieder sehen werden. Aber das passiert dann doch nicht.

Feuchte Hände auf dem Turm

Es geht jetzt weiter durch den Wald. Der schon vom letzten Rastplatz sichtbare 31m hohe Aussichtsturm am Käflingsberg verspricht einen weiten Blick in die Landschaft. Wir parken die Räder an der Straße und gehen die Strecke zum Turm zu Fuß. Man merkt, dass hier früher Schieß­platz der russi­schen Armee war: Am ganzen Weg sind Warnschilder, dass man doch bitte mal lieber nicht in den Wald abbiegt: Lebens­gefahr! Wir sind beein­druckt…

Auf den Turm geht es in Treppen hinauf. Und hinauf. Und noch mal: hinauf! Und mit jeder neuen Treppe wir mir beim Blick durch die unten offenen Stufen mulmiger. Die Vorstellung, dass einer von unseren dösigen Hunden durch diese Lücken einen Abgang macht, lässt meine Hände feucht werden und als wir ganz oben sind, kann ich die in der Tat sensa­tio­nelle Aussicht über das Natio­nal­parks­gebiet gar nicht so recht genießen. Das ist für meinen Geschmack dann schon zu luftig.

Als wir dann wieder wohlbe­halten unten angekommen sind, hilft es, sich die Baumspitzen wieder von unten aus anzugucken — so soll es doch sein! Puh!

Das letzte Stück führt uns dann durch die unter­schied­lichsten Waldarten wieder zurück zum MoMo. Was eine schöne Tour das war!

Abend­essen in der bunten Kuh

Da das Hotel-Restaurant direkt vor der Haustür verhee­rende Kritiken bei TripAd­visor hat, beschließen wir, noch mal aufs Rad zu steigen und nach die 4km nach Federow zu radeln. Dort soll es in der „Bunten Kuh“ solide Hausmannskost geben. Und genau die kriegen wir dann dort. Als wir dort, nun wahrlich nicht spät, um 19 Uhr aufbrechen ist es nahezu dunkel. Und auf der Rückfahrt läuft vor uns noch ein Tier schnaufend über die Straße — Annette meint, es könne ein Dachs gewesen sein. Aufregend!

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