Tanzende Steine und Spätzünder-Stadt

18. Oktober 2018

Das wir das noch erleben dürfen! Ein Morgen, der herbstlich-trüb mit Nebel und Fiselregen beginnt! Und so ein Wetter passt dann ja auch ganz gut zum Herbst und fühlt sich daher auch irgendwie richtig an.

Wir fahren ein paar Kilometer weiter Richtung Osten und kommen in den Genuss des ganzen Spektrums ostdeutscher Straßen: von perfekt-samtig-glatt über hubbelig zu übelstem Schritttempo-Backstein, der hier mindestens schon seit Goethes Zeiten rumliegt.

Wir parken mit einem gruseligen Gefühl vor dem Schießplatz des Schützenvereins von Tarnow. Gegründet 1992, aber mit Frakturschrift und gehisster Deutschlandfahne. Den Rest will man sich dann gar nicht denken, aber die Frage stellt sich von selbst: Was ist bei diesen Leuten wohl falsch gelaufen…?

Bruchpilot

Da im Reiseführer steht, dass die 3km-Strecke bis zu unserem Ziel, den Steinkreisen des Boitiner Steintanzes, eher langweilig sein soll, nehmen wir die Räder und Annette probiert in dieser gottverlassenen Gegend mal aus, Elli neben dem Fahrrad laufen zu lassen. Klappt auch ganz famos!

Ich halte diesen Versuch beim Fahren fotografisch fest, denke aber nicht dran, dass Elli eben noch nicht dran gewöhnt ist. Und als sie plötzlich stehen bleibt, muss ich, Handy in der Hand, eine Vollbremsung hinlegen. Blöd nur, dass das mit der Vorderradbremse sein muss und ich zwar rechtzeitig zum Stehen komme, aber gleichzeitig einen formvollendeten Abgang in den Graben mache, weil mir das hinten hochsteigende Fahrrad den Hintern aus dem Sattel hebt und mich wie ein störrischer Gaul abwirft.

Ein erster Check ergibt, dass ich Glück im Unglück gehabt habe. Alle Knochen heil, aber der linke Rippenbogen schmerzt schon ganz nett. Aber halt so, dass man gut weiterfahren kann. Und auch Handy und Fahrrad haben keinen nennenswerten Schaden genommen. Puh!

Magische Steinkreise

Der Weg zu den Steinkreisen führt dann recht abwechslungsreich durch ein Waldstück. Das hatten wir uns langweiliger vorgestellt. Und auch der Boitiner Steintanz ist dann ein toller Ort mit von Bäumen beschatteten kreisrund angeordneten Hinkelsteinen in 3 Kreisen. Und das ganze komplett für uns alleine. Da kommt fast ein bisschen Obelix-Feeling auf!

Auf dem Rückweg ist Elli dann schon fast richtig in ihrem Element und flitzt hinter und neben Annettes Fahrrad her. Das sieht zu drollig aus, aber das Handy lasse ich dann doch lieber in der Tasche…

Parkplatznot

Als nächstes Ziel haben wir uns Güstrow ausgeguckt. Aber es liegt ein kleiner Fluch über unserem Besuch der Barlachstadt. Zum einen gibt es eine ellenlange Umleitung wegen Straßenarbeiten, die uns auf den engen Alleenstraßen und LKWs im Gegenverkehr das Fürchten lehrt.

Aber auch in Güstrow ist das Parken eine Wissenschaft. Auf den eigentlich vorgesehenen 3(!) Womoparkplätzen unterhalb des Schlosses haben 2 PKWs geparkt. Einen davon „verscheuche“ ich noch, komme aber trotzdem nicht in die frei werdende Lücke, da der Platz zum Rangieren einfach zu eng ist. Danke, du blöder BMW-Arsch!

Wir kurven weiter über einen noch abenteuerlicher vollgeparkten Parkplatz und fahren schließlich auf die andere Seite der Altstadt, wo wir auf einem Großparkplatz in Bahnhofsnähe einen Platz finden, wo wir niemanden behindern, aber nicht der Regel „nur auf den markierten Plätzen parken“ entsprechen. No Risk, no fun!

Liebe auf den zweiten Blick

Wir hatten uns von Güstrow eine etwas beeindruckendere Altstadt erwartet. Alles wirkt durchaus aufgeräumt, teilweise schön renoviert, aber irgendwie fehlt uns die „Seele“. Auch beim Schlendern über den Pferdemarkt, die Einkaufsmeile, entdecken wir alle üblichen Ketten einer Großstadt, aber nichts „einzigartiges“. Naja.

Im Internet hatten wir die WunderBar als Top-Tip ausfindig gemacht und in deren Umgebung gibt es glatt noch 2 andere Restaurants, die sich gut anhören. Wir bleiben aber bei der Wunderbar, wo in wunderschöner, aber leider wenig lesbarer Schrift die Tageskarte auf einer Tafel steht – gut, dass es auch noch eine Version in Druckschrift gibt…

Gesättigt streifen wir durch die Straßen und erledigen das Pflichtprogramm: Der Schwebende ist eine berühmte, waagerecht hängend angebrachte Skulptur des Bildhauers, Malers und Dichters Ernst Barlach, die im Dom zu bestaunen ist und tatsächlich so toll wie erhofft ist. Und am Schloss kann man schöne Fotos hinter Gittern schießen!

Da im Magen noch ein bisschen Platz ist, machen wir noch Station im Café Küpper. Anscheinend eine Institution in der Stadt. Denn als wir zur besten Kaffeezeit dorthin kommen ist es brechend voll! Wir kriegen noch einen Platz bei zwei anderen Gästen am Tisch und können nach unserer Bestellung (Stachelbeere-Baiser- und Apfel-Mohn-Torte, beides topp!) zusehen, wie sich die Kuchenauswahl in besorgniserregender Geschwindigkeit verringert. Der Laden brummt!

Und als wir fröhlich weiterziehen, finden wir doch glatt noch einen neuen Lieblingsladen. In der Inselliebe gibt es Sachen unter der Überschrift „Bücher Wohnen Leben“. Und alles folgt dem einfachen Prinzip, dass es schön und gut sein muss. Und tatsächlich könnten wir den Laden gerne leerkaufen, wenn Portemonnaie und Platz im MoMo es hergäben. So werden es (für heute) nur 2 Bücher…

Endstation Wildpark

Beschwingt kehren wir zum MoMo zurück, um natürlich ein Knöllchen vorzufinden. Danke, Güstrow! Grmpf.

Wir fahren weiter zum Wildpark MV. Hier wollen wir übernachten und uns morgen den Tierpark in aller Ruhe angucken. Etwas komisch fühlt es sich aber schon an, als einzige Besucher auf dem riesigen Parkplatz zu stehen!

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