Überra­schung Telemark
5. August 2018

Wir verlassen unseren schönen Platz am See und fahren Richtung Süden. Ein sehens­werter Aussichts­punkt liegt quasi an der Strecke, wenn man für ein paar Kilometer den sicheren Asphalt mit einer urigen Schot­ter­piste tauscht. Lohnt sich!

Ravnejuv

Man landet dann nach einer sich wieder mal bergauf, bergab windenden Straße am Ravnejuv. Das ist diesmal ein Aussichts­punkt für Fußfaule. Der Parkplatz ist direkt an der Straße und der Weg zur Aussicht ist gerade mal gute 100m lang.

Das Warnschild zu Beginn sollte man aber trotzdem beachten. Wenn man die 350 Meter Richtung Talgrund guckt, wird einem schon anders.

Zumal, da hier gar nichts in irgend­einer Form gesichert ist. Es ist jedem selbst überlassen, wie nah er sich an die Kante begibt. Und wenn man am Überhang sieht, dass der Fels schon an einem Stück ganz schön gebröselt ist und demnächst sicher mal wieder ein dicker Otto Richtung Tal knallt, wird einem schon anders…

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Wir fahren weiter Richtung Dalen, dem kleinen Örtchen am Ende des Telemark-Kanals. Für einen Augen­blick überlegen wir, ob wir einfach am großen Stell­platz am Seeufer des Bandak-Sees bleiben. Aber die Abenteu­erlust ist dann doch größer. Ab hier geht es dann steil(!) über mehrere Serpen­tinen hinauf Richtung Eidsborg. Das hat schon Trollstigen-Niveau!

An der Einfahrt zum Wander­park­platz müssen wir erst mal kurz auf Nummer Sicher gehen: Also da fahren wir jetzt wirklich rein? Okay… Gut, dass es am Ende des schmalen Weges einen etwas breiteren Parkplatz gibt.

Lårdals­stigen

Wir bereiten uns auf eine nette, unkom­pli­zierte Panora­ma­wan­derung oberhalb des Sees vor. Denn wir sind ja schließlich schon auf den ganzen Serpen­tinen den Berg hochge­fahren, oder?

Nun, es stellt sich heraus, dass der lokale Touris­mus­verband den Mund voll nimmt: „Besser als Bessegen“, der berühmte Hike in Jotun­heimen sei der Lårdals­stigen. Ähnlich wie in Bessegen macht man den Weg in eine Richtung und fährt dann zurück mit dem Schiff über den See. Ähnlich wie in Bessegen gibt es wohl auch eine Passage, für die man besser schwin­delfrei ist, weil man über ein schmales Teilstück gehen muss, dass zu beiden Seiten hin abfällt. Wir bleiben aber entspannt, da wir ohnehin nicht die ganze Strecke machen wollen und das schmale Teilstück erst ganz zum Schluss käme.

Wir machen uns also auf den bestens markierten Weg und genießen das sonnige Wetter mit dem leichten Wind. Perfektes Wander­wetter!

Zunächst geht es leicht aufwärts und entspricht dem, was wir uns vorge­stellt haben. Mit Abstrichen. Denn den See kann man zunächst leider gar nicht, oder nur ein bisschen sehen. Zu viel Wald…

Aber da der Weg trotzdem abwechs­lungs­reich ist und vor allem ordentlich steil nach oben geht, vergeht die Zeit bis zum ersten Aussichts­punkt dann doch schnell. Und wenn man dann diese tolle Aussicht über die Breite des Sees genießen kann, hat das schon was. Sehr toll!

Besonders sind auch die krisse­ligen Wellen­muster auf dem Wasser, die fast wie ein sich ständig ändernder Finger­ab­druck aussehen.

Aber wir sind bei weitem noch nicht „oben“. Denn auch von hier kennt der Weg nur einen Weg: aufwärts. Und zwar steil. Das verrück­teste an der Sache: Er lotst uns zum alten Bauernhof Urdalen, von dem nur noch das Fundament steht. Wie man auf die Idee kommen konnte, an dieser Stelle ein Haus, geschweige denn einen Bauernhof errichten zu wollen, ist aus heutiger Sicht völlig irre. Home of crazy Bauernhöfe. Aber mit einer geilen Aussicht!


Bis zum nächsten Aussichts­punkt kommen wir auch noch und finden auch hier den Blick wieder phäno­menal. Aber weiter wollen wir heute dann auch nicht gehen. Ist aber für „kann man gerne noch mal machen“ notiert.

Wir haben festge­stellt, dass es am Ende des Weges, in Lårdal, einen Camping­platz geben soll, der nicht schlecht ist. Da es uns hier gefällt, wird das also unser Tagesziel.

Auf dem Weg dorthin machen wir noch Station an der Stabkirche von Eidsborg und dem Telemark-Museum, das für die Kinder draußen einen kleinen Telemark-Kanal nachgebaut hat, wo man Schiffchen fahren lassen kann und Schleusen bedienen muss. Cool!

Die Stabkirche ist ein von der kleineren Sorte und wir belassen es diesmal bei einer Besich­tigung von außen. Reicht auch.

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Als wir schließlich in Lårdal ankommen, sind wir ganz überrascht. Ein solch großes und vor allem fast schon idylli­sches Örtchen hatten wir am Ende dieser Straße gar nicht mehr erwartet. Gefällt uns!

Der Camping­platz ist winzig, aber für uns gibt es noch ein Plätzchen. Und als ich sehe, dass vor der Rezeption ein Mann eine sehr ansehn­liche Pizza verspeist, kommt mir der Gedanke für das Abend­essen. Wir lassen mal für uns kochen! Oder besser backen. Und gut, dass ich nachge­fragt habe: Die Pizza ist nämlich so riesig, dass sie uns beide mehr als satt macht. Und geschmacklich war es auch eine eher positive Überra­schung — leckerer, fluffig Teig und satt belegt. Mal was anderes!

Wir sind bisher äußerst überrascht, wie gut es uns in der „beschau­lichen“ Telemark gefällt!

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