Grandiose Gletschertour
31. Juli 2016

Morgens erfreuen wir uns erst mal an warmer Dusche und leckerem Frühstück mit Pracht­aus­sicht.

Der Plan für den Tag ist schnell geschmiedet. Hier ist es schön, also bleiben wir noch eine zweite Nacht. Und machen eine kurze Radtour bis zum Beginn des Aufstiegs zum Briks­dal­breen und wandern anschließend das letzte Stück bis zum Gletschersee.

Die Radfahrt am Seeufer entlang ist trotz der teilweise engen Straße stressfrei. Sehr wenig Verkehr und rücksichts­volle Autofahrer. So muss das sein. Wir durch­fahren sogar mit mulmigem Gefühl einen engen Tunnel. Gut, dass kein Bus kommt! Ein weiterer Tunnel ist so düster und lang, dass Annette sich weigern würde, dort durch­zu­fahren, wenn es nicht für Fußgänger und Radfahrer die Alter­na­tiv­route auf der alten Uferstraße gäbe.

Am Ende des Tales kommen wir am “Melkevoll Bretun”-Campingplatz an und sind tatsächlich durch­ge­schwitzt. Denn wir, wohlor­ga­ni­siert wie wir sind, haben uns mit warmen, winddichten Sachen angezogen — soll ja eisekalt sein, so ein Gletscher. Dumm nur, wenn man dann beim Radfahren merkt, dass die Anstrengung und die Sonne es nicht honorieren, dass wir so vernünftig sind. Wie gerne würde ich jetzt meine dicke Hose ausziehen!

Statt­dessen gibt es immerhin die zweit­beste Option. Am Camping­platz gibt es nämlich Eis. So ähnlich wie Magnum, aber für mich mit Schoko-Lakritz(!) und für Annette als “Trippel” mit Karamell zwischen zwei Schoko­schichten. Trippel-Mjam!

Und bei unserem Stop fällt uns auf, wie schön, liebevoll und ordentlich dieser Camping­platz herge­richtet ist. Liegt zwar nicht mehr am See, aber dafür mit Blick auf 2 Gletscher und mehrere spekta­kuläre Wassser­fälle. Und da es uns hier im Tal so gut gefällt, schmieden wir den Plan, dass wir morgen hierhin “umziehen”, wenn das Wetter nicht ganz katastrophal wird.

Wie haben übrigens feststellen müssen, dass der Gletscher, den wir quasi schon beim Eintritt ins Tal am Ende über allem haben thronen sehen, gar nicht der Briks­dal­breen ist! Der ist nämlich noch mal größer und zeigt sich erst jetzt zu unserer Linken. Vor allem dieses ultra­helle Gletscher-Blaugrün hat es mir angetan. Kann ich mich nicht dran satt sehen.

Wir machen uns auf den Weg nach oben zum Gletschersee und haben heute das verdiente Kontrast­pro­gramm zu gestern. Der Weg ist bestens ausgebaut, gesichert und diesmal wirklich zum Spazieren. Heute hätten wir die Wander­schuhe, die wir sicher­heits­halber (Gletscher!) angezogen hatten, wirklich im MoMo lassen können…

Schon nach wenigen Minuten haben wir eine erste grandiose Aussicht auf den großen Wasserfall Kleivafoss, der hier wirklich ein Spektakel veran­staltet. Dem zum einen wird wirklich jeder nass, der an ihm vorbei dem Weg folgt, zum anderen sorgt der ständige Wasser­nebel in der Luft auch für einen Regen­bogen nach dem anderen. Alle, die der Straße hinauf zur Absturz­kante folgen, haben ein seliges Grinsen im Gesicht — so schön ist das! So ein bisschen wie auf der Wildwas­serbahn, wo man erwartet, nass zu werden, aber hofft, nachher nicht durch­nässt zu sein.

Auch im weiteren Verlauf werden die Aussichten nicht weniger spekta­kulär. Der Gletscher rückt immer näher und dominiert das Blickfeld. Wie mag das noch vor 15 Jahren ausge­sehen haben, als der Gletscher noch bis zum Gletschersee hinunter reichte?

Als wir den See erreichen, gibt es, nachdem wir alles wegfo­to­gra­fiert haben, erst mal ein Picknick. Wir gucken uns die Szenerie an, beobachten das Treiben der anderen Touristen (insbe­sondere für Asiaten scheint das hier eine Top-Attraktion zu sein) und müssen dann doch immer wieder mal noch ein Foto machen, denn “So schön war das doch eben noch nicht, oder?”

Immerhin freuen wir uns hier oben dann doch über unsere wärmende Kleidung — vom Wasser zieht es buchstäblich eisig hinauf zu uns.

Auf dem Rückweg schweben wir voller Glücks­ge­fühle bergab und haben auch hier das Gefühl, dass man das alles am liebsten noch mal fotogra­fieren möchte. So weit, wie ein Chinese, der sogar das Toilet­ten­häuschen wegfo­to­gra­fiert, gehen wir aber dann doch nicht…

Überhaupt Chinesen: Wir entdecken 4, die sich offen­sichtlich in einem Tourishop alle den gleichen, ultimativ geschmack­losen Rentier­pulli gegönnt haben. Aber über Geschmack lässt sich ja nicht streiten und freundlich waren sie auch. Und wir hatten unseren Spaß.

Die Rückfahrt mit dem Fahrrad ist dann ultimativ entspannt. Wir rollen gemächlich gen Heimat, gucken links und gucken rechts und können einfach nur debil grinsend diese Landschaft an uns vorüber­ziehen lassen. Besser wird es wohl nicht werden. Aber das hatte ich auf Runde auch schon gedacht…

Vassen­den­index

Tenden­ziell ein toller Tag, aber zwischen­durch doch immer wieder feucht und abends früh kühl.

Sommer­wetter: 12,5

Pisswetter: 5,5

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