Grandiose Gletschertour

Morgens erfreuen wir uns erst mal an warmer Dusche und leckerem Frühstück mit Prachtaussicht.

Der Plan für den Tag ist schnell geschmiedet. Hier ist es schön, also bleiben wir noch eine zweite Nacht. Und machen eine kurze Radtour bis zum Beginn des Aufstiegs zum Briksdalbreen und wandern anschließend das letzte Stück bis zum Gletschersee.

Die Radfahrt am Seeufer entlang ist trotz der teilweise engen Straße stressfrei. Sehr wenig Verkehr und rücksichtsvolle Autofahrer. So muss das sein. Wir durchfahren sogar mit mulmigem Gefühl einen engen Tunnel. Gut, dass kein Bus kommt! Ein weiterer Tunnel ist so düster und lang, dass Annette sich weigern würde, dort durchzufahren, wenn es nicht für Fußgänger und Radfahrer die Alternativroute auf der alten Uferstraße gäbe.

Am Ende des Tales kommen wir am “Melkevoll Bretun”-Campingplatz an und sind tatsächlich durchgeschwitzt. Denn wir, wohlorganisiert wie wir sind, haben uns mit warmen, winddichten Sachen angezogen – soll ja eisekalt sein, so ein Gletscher. Dumm nur, wenn man dann beim Radfahren merkt, dass die Anstrengung und die Sonne es nicht honorieren, dass wir so vernünftig sind. Wie gerne würde ich jetzt meine dicke Hose ausziehen!

Stattdessen gibt es immerhin die zweitbeste Option. Am Campingplatz gibt es nämlich Eis. So ähnlich wie Magnum, aber für mich mit Schoko-Lakritz(!) und für Annette als “Trippel” mit Karamell zwischen zwei Schokoschichten. Trippel-Mjam!

Und bei unserem Stop fällt uns auf, wie schön, liebevoll und ordentlich dieser Campingplatz hergerichtet ist. Liegt zwar nicht mehr am See, aber dafür mit Blick auf 2 Gletscher und mehrere spektakuläre Wassserfälle. Und da es uns hier im Tal so gut gefällt, schmieden wir den Plan, dass wir morgen hierhin “umziehen”, wenn das Wetter nicht ganz katastrophal wird.

Wie haben übrigens feststellen müssen, dass der Gletscher, den wir quasi schon beim Eintritt ins Tal am Ende über allem haben thronen sehen, gar nicht der Briksdalbreen ist! Der ist nämlich noch mal größer und zeigt sich erst jetzt zu unserer Linken. Vor allem dieses ultrahelle Gletscher-Blaugrün hat es mir angetan. Kann ich mich nicht dran satt sehen.

Wir machen uns auf den Weg nach oben zum Gletschersee und haben heute das verdiente Kontrastprogramm zu gestern. Der Weg ist bestens ausgebaut, gesichert und diesmal wirklich zum Spazieren. Heute hätten wir die Wanderschuhe, die wir sicherheitshalber (Gletscher!) angezogen hatten, wirklich im MoMo lassen können…

Schon nach wenigen Minuten haben wir eine erste grandiose Aussicht auf den großen Wasserfall Kleivafoss, der hier wirklich ein Spektakel veranstaltet. Dem zum einen wird wirklich jeder nass, der an ihm vorbei dem Weg folgt, zum anderen sorgt der ständige Wassernebel in der Luft auch für einen Regenbogen nach dem anderen. Alle, die der Straße hinauf zur Absturzkante folgen, haben ein seliges Grinsen im Gesicht – so schön ist das! So ein bisschen wie auf der Wildwasserbahn, wo man erwartet, nass zu werden, aber hofft, nachher nicht durchnässt zu sein.

Auch im weiteren Verlauf werden die Aussichten nicht weniger spektakulär. Der Gletscher rückt immer näher und dominiert das Blickfeld. Wie mag das noch vor 15 Jahren ausgesehen haben, als der Gletscher noch bis zum Gletschersee hinunter reichte?

Als wir den See erreichen, gibt es, nachdem wir alles wegfotografiert haben, erst mal ein Picknick. Wir gucken uns die Szenerie an, beobachten das Treiben der anderen Touristen (insbesondere für Asiaten scheint das hier eine Top-Attraktion zu sein) und müssen dann doch immer wieder mal noch ein Foto machen, denn “So schön war das doch eben noch nicht, oder?”

Immerhin freuen wir uns hier oben dann doch über unsere wärmende Kleidung – vom Wasser zieht es buchstäblich eisig hinauf zu uns.

Auf dem Rückweg schweben wir voller Glücksgefühle bergab und haben auch hier das Gefühl, dass man das alles am liebsten noch mal fotografieren möchte. So weit, wie ein Chinese, der sogar das Toilettenhäuschen wegfotografiert, gehen wir aber dann doch nicht…

Überhaupt Chinesen: Wir entdecken 4, die sich offensichtlich in einem Tourishop alle den gleichen, ultimativ geschmacklosen Rentierpulli gegönnt haben. Aber über Geschmack lässt sich ja nicht streiten und freundlich waren sie auch. Und wir hatten unseren Spaß.

Die Rückfahrt mit dem Fahrrad ist dann ultimativ entspannt. Wir rollen gemächlich gen Heimat, gucken links und gucken rechts und können einfach nur debil grinsend diese Landschaft an uns vorüberziehen lassen. Besser wird es wohl nicht werden. Aber das hatte ich auf Runde auch schon gedacht…

Vassendenindex

Tendenziell ein toller Tag, aber zwischendurch doch immer wieder feucht und abends früh kühl.

Sommerwetter: 12,5

Pisswetter: 5,5

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