Exqui­siter Punkt
28. Juli 2017

Fast schon ein bisschen wehmütig verlassen wir unseren schönen Camping­platz. Hierhin werden wir noch einmal kommen, das steht fest. Immerhin ist das MoMo jetzt wieder auf Vordermann gebracht: Alles sauber, alle Vorräte aufge­füllt. Ein paar Tagen Freistehen steht also nichts im Wege. Auf geht’s in die Gorges du Tarn, die Tarnschlucht, die uns in einem Reise­führer als die schönste aller Schluchten in Frank­reich beschrieben wird.

Zunächst mal geht es eher gemächlich zu. Die Schlucht ist weit, die Straße breit. So breit, dass wir fast ein Eichhörnchen überfahren, dass sich auf dem Mittel­streifen doch überlegt, lieber umzukehren. Vor lauter Schreck verpassen wir den Abzweig in die eigent­liche Schlucht und fahren auf einmal bergauf. Aber Wenden am Berg macht ja auch Freude!

In der Schlucht geht es dann von Kilometer zu Kilometer enger zu. Ein erster Vorge­schmack sind die Örtchen, die immer irgendwie auch noch in den Hang gepuzzelt wurden und wo man sich dauernd fragt, wie die das denn jetzt geschafft haben.Gorges du Tarn-001.jpg

Offizielle Aussichts­punkte gibt es deutlich weniger als noch an der Ardèche. Und, was uns wirklich überrascht: Auch hier ist der Verkehr vergleichs­weise harmlos. Keine Autoko­lonnen, keine Reise­busse. Was uns wieder sehr recht ist, denn stellen­weise sind die in die Straße hinein­ra­genden Überhänge der Felswände schon bedrohlich niedrig. Mehr als einmal haben wir das Gefühl, dass es ungut wäre, mit unserem hohen Alkoven wirklich *ganz* rechts zu fahren.

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An einer Stelle, wo man relativ nah an den Tarn heran­kommt, steigen wir aus und erkunden das Ufer ein bisschen. Ein Fotograf hat dort einen sensa­tio­nellen Job: Er fotogra­fiert die vorbei­fah­renden Kanuten und ruft ihnen zu, wo sie sich ihr Foto abholen können. Und wenn keiner kommt? Dann liegt er in der Sonne und genießt das süße Leben!Gorges du Tarn-010.jpg

Gorges du Tarn-033.jpg

Und je mehr wir jetzt Richtung Westen fahren, um so doller wird diese Schlucht. Immer noch einen Tacken enger, die Felsvor­sprünge immer noch etwas weiter in die Straße ragend, die Tunnel­durch­fahrten immer noch ein bisschen niedriger. Da steigt der Puls beim Fahren schon deutlich mehr als noch auf der Corniche oberhalb der Ardèche!

An einer Stelle ist der Felsüberhang so gewaltig, dass wirklich jeder, der dort vorbei­fährt unwill­kürlich nach oben gucken muss. Warum wir das wissen? Weil wir das Womo an dieser tollen Stelle im Schatten geparkt haben und eine gemüt­liche Kaffee­pause im Schatten der Büume oberhalb des Tarn und unterhalb dieses mächtigen Felsblocks machen.
Unser nächster Wegpunkt will erst mal über mehrere Serpen­tinen und dann noch mal einige Kilometer Straße erreicht werden:Der Point Sublime.Gorges du Tarn-035.jpg

Gorges du Tarn-037.jpgSublim habe ich eben mal im Duden nachge­schlagen: “ausge­sucht, edel, erhaben, exquisit”. Wir schrauben uns also immer höher und finden die Aussicht von der Straße schon ganz schön schön. Aber der Aussichts­punkt trägt seinen Namen dann wirklich zurecht: Ein grandioser Ausblick über einen guten Teil der Gorges.

IMG_5024.jpgUnd mein spontaner Entschluss steht: Hier möchte ich auch heute abend noch sein. Und nach kurzem Checken der Möglich­keiten entscheiden wir uns für den wirklich preis­werten Camping­platz nur wenige Meter entfernt. Besser kann man es nicht antreffen. Und nachdem wir uns einen gemüt­lichen Nachmittag gemacht haben, brechen wir abends für eine ausgiebige Schlucht­be­trachtung und ‑fotogra­fierung erneut zum Point Sublime auf.

IMG_5025.jpgWas der feine Herr Fotograf natürlich nicht bedacht hat: In einer Schlucht herrschen abends extreme Licht­ver­hält­nisse. Wo weite Teile schon im Schatten liegen, knallt auf die höheren Lagen noch die volle Sonne. Nicht ganz so einfach! Aber mit ein wenig Geduld und Spucke wird das schon was und wir haben die schöne Aussicht nun nahezu für uns alleine. Richtige Entscheidung!Gorges du Tarn-052.jpgGorges du Tarn-089-Bearbeitet.jpgGorges du Tarn-142-Bearbeitet.jpg

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