Rondane per Rad
20. Juli 2016

Nachdem wir langsam in den Tag gestartet sind, werden heute mal die Räder vom Heckträger gehievt und mit Hunde­hänger und Fahrrad­ta­schen geschmückt. Es geht hinauf zur Berghütte Rondvassbu. Laut unserem Wander­führer soll es eine fahrrad­taug­liche Strecke sein. Wir sind gespannt.

Die Wanderung soll am Parkplatz Spranget am Ende der allgemein befahr­baren Straße beginnen. Aber da unser Stell­platz nur wenige Kilometer entfernt ist, ist es für uns nahezu Ehren­sache, dass wir das mit dem Rad machen. Nun ja. Was wir nicht bedacht hatten: Die Kilometer haben es in sich! Direkt zu Beginn eine steile Rampe mit mindestens drölfzig Prozent Steigung fordern ihren Tribut: Scham­er­füllt, aber trotz kleinstem Gang mit rasendem Puls müssen wir absteigen und schieben. Was ist denn hier los!?

Das ist schon hinter dem schlimmsten Stück...  Das ist schon hinter dem schlimmsten Stück…

Nachdem wir aber den schlimmsten Teil hinter uns haben, wird es schön. Und schöner! Es tut sich nämlich ein völlig neues Panorama vor unseren Augen auf, dass wir selbst von unserem schon reichlich hohen Stell­platz aus nicht erahnen konnten. Die Gipfel des Rondane! Teilweise schnee­be­deckt, schwarz-grünlich schim­mernd und vor uns eine weite Hochebene.

Als wir am Parkplatz ankommen, beglück­wün­schen wir uns zur Entscheidung, nicht mit dem MoMo hier hoch gefahren zu sein: Restlos überfüllt und schon hundert Meter vor dem Parkplatz stehen die Fahrzeuge mehr schlecht als recht am Wegesrand. Bei dem tollen Wetter aber auch kein Wunder.

Nicht mehr ganz so steil, aber dennoch stetig geht es im weiteren bergauf. Da dies aber immer begleitet von einer weiten Rundum­sicht ist, kommen wir auf dem auch hinter der Schranke tatsächlich gut befahr­baren Wirtschaftsweg gut voran.

Als wir an der Berghütte Rondvassbu am See Rondvassnet ankommen, sind wir froh, dass wir diese Tour gemacht haben. Denn hier ist zwar, genau wie vorher auf dem Weg, durchaus viel Betrieb, es ist aber irgendwie nicht mit dem Trubel auf einer Hütte in den Alpen zu vergleichen. Denn her finden wir am Ufer ein Plätzchen für unsere Picknick­decke und haben quasi den See und die Landschaft für uns alleine. Und die Sonne scheint auch noch dazu. Herrlich!

Naach einer ausgie­bigen Pause, einem Kaffee und einem netten Gespräch mit einer älteren Dame geht es zurück. Wir machen noch einen Abstecher zum Canyon Jutul­hogget, wo man aber leider nicht wirklich weit hinein­gehen kann, da zum einen der Fluss im Weg ist und auch vor Stein­schlag gewarnt wird. Müssen wir nicht haben.

Auf dem Rückweg sehen wir die Landschaft noch einmal mit neuen Augen. Denn nun stehen nicht mehr die Berge des Ronda­ne­ge­birges im Mittel­punkt der Aufmerk­samkeit. Vielmehr ist es das glitzernde, sich bergab schlän­gelnde Band des Store Ula umrandet von Gräsern und weiß-grünen Flechten in der Nähe und die Schnee­riesen des Jotun­heimen in der Ferne. Und das Beste: Fast alles können wir entspannt bergab rollen! Lohn für die Anstrengung der Hinfahrt.

Trotzdem freuen wir uns auf unser Päuschen im MoMo, was wir auf dem letzten Stück bergab schon auf uns warten sehen. Hier gibt’s noch mal Kaffee und leckeren Milchreis mit Zimt und Zucker, den Annette morgens schon gekocht hat. Lecker!

Nach 2 Stunden fühlen wir uns ausgeruht genug für eine zweite, kürzere Radtour. Der Furusjön ist ein See in der Nähe, den wir gerne noch erkunden wollen. Und erstaun­li­cher­weise scheint das Training von der Tour zuvor schon Wirkung zu zeigen. Die Steigungen auf der Strecke nehmen wir mit links und können die tolle Wirkung des Abend­lichts auf die Landschaf um so mehr genießen. Alles ist in wärmste Farben getaucht.

Nur unser Plan einer Rast am See wird durch­kreuzt. Denn nah an den See kann man nicht wirklich fahren. Und auch ein Fußweg geht nicht so ohne weiteres, denn es befinden sich immer auch Häuschen am Seeufer, was auf Privat­ge­lände hindeutet.

Und so nehmen wir mit einer sonnigen Bank auf einer Anhöhe für die Pause vorlieb und machen uns wieder auf den Rückweg. Dort halten wir noch am Tisch mit den gestrickten Mützen, Handschuhen und Stirn­bändern und werfen unser Geld für Handschuhe für Annette und Mütze für mich in die als Kasse des Vertrauens aufge­stellte Blechdose. Charmant.

Nach diesem wunder­baren und anstren­gendem Tag freuen wir uns auf ein Feier­abend­bierchen aus Schweden und einen präch­tigen Sonnen­un­tergang am MoMo. Und tatsächlich werden unsere Wünsche voll erfüllt.

Bis auf einmal ein metal­li­sches Geräusch von der Weide gegenüber zu hören ist und wir sehen, dass eines der Island­pferde versucht, sich aus dem Zaun zu befreien. Da es aber nicht frei kommt, geht Annette hin und stellt fest, dass es sich einen Draht des Zaunes so unglücklich unter das Hufeisen gezogen hat, dass sich dies auch von uns nicht wieder entfernen lässt. Nachdem im nächst­ge­le­genen Haus niemand öffnet, den man nach dem Besitzer fragen könnte, legen wir selbst Hand an. Mit dem Seiten­schneider aus dem Womo-Werkzeug­kasten kriege ich den Draht schon mal an einer Seite durch­trennt. Aber auch jetzt hängt er immer noch so fest zwischen Fuß und Hufeisen, dass wir das Pferd nicht vom Zaun weg kriegen. Erstaun­li­cher­weise bleibt das Pferd auch jetzt komplett cool und findet sogar noch Zeit, etwas zu fressen, während wir schwitzend schließlich den Zaundraht an der zweiten Stelle durch­trennt kriegen und dann endlich auch unter dem Hufeisen rausziehen können. Puh!

Aber abgesehen davon: Ein wunder­barer Tag in einem beein­dru­ckenden Natio­nalpark, von dem wir immer noch nur einen Bruchteil gesehen haben!

Vassen­den­index

Sommer­wetter: 5,5

Pisswetter: 1,5

4 Kommentare

  1. Vassen­den­index ? 🙂

    Antworten
    • Vergessen! Danke fürs Erinnern. Habe ich nachge­tragen. ?
      Aber die 5,5 wusstest du schon vorher, oder.…? ?

      Antworten
  2. Traumhaft!!!! Und Hut ab vor dieser Leistung…

    Antworten
    • Danke­schön!

      Antworten

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