Rondane per Rad

Nachdem wir langsam in den Tag gestartet sind, werden heute mal die Räder vom Heckträger gehievt und mit Hundehänger und Fahrradtaschen geschmückt. Es geht hinauf zur Berghütte Rondvassbu. Laut unserem Wanderführer soll es eine fahrradtaugliche Strecke sein. Wir sind gespannt.

Die Wanderung soll am Parkplatz Spranget am Ende der allgemein befahrbaren Straße beginnen. Aber da unser Stellplatz nur wenige Kilometer entfernt ist, ist es für uns nahezu Ehrensache, dass wir das mit dem Rad machen. Nun ja. Was wir nicht bedacht hatten: Die Kilometer haben es in sich! Direkt zu Beginn eine steile Rampe mit mindestens drölfzig Prozent Steigung fordern ihren Tribut: Schamerfüllt, aber trotz kleinstem Gang mit rasendem Puls müssen wir absteigen und schieben. Was ist denn hier los!?

Das ist schon hinter dem schlimmsten Stück...  Das ist schon hinter dem schlimmsten Stück…

Nachdem wir aber den schlimmsten Teil hinter uns haben, wird es schön. Und schöner! Es tut sich nämlich ein völlig neues Panorama vor unseren Augen auf, dass wir selbst von unserem schon reichlich hohen Stellplatz aus nicht erahnen konnten. Die Gipfel des Rondane! Teilweise schneebedeckt, schwarz-grünlich schimmernd und vor uns eine weite Hochebene.

Als wir am Parkplatz ankommen, beglückwünschen wir uns zur Entscheidung, nicht mit dem MoMo hier hoch gefahren zu sein: Restlos überfüllt und schon hundert Meter vor dem Parkplatz stehen die Fahrzeuge mehr schlecht als recht am Wegesrand. Bei dem tollen Wetter aber auch kein Wunder.

Nicht mehr ganz so steil, aber dennoch stetig geht es im weiteren bergauf. Da dies aber immer begleitet von einer weiten Rundumsicht ist, kommen wir auf dem auch hinter der Schranke tatsächlich gut befahrbaren Wirtschaftsweg gut voran.

Als wir an der Berghütte Rondvassbu am See Rondvassnet ankommen, sind wir froh, dass wir diese Tour gemacht haben. Denn hier ist zwar, genau wie vorher auf dem Weg, durchaus viel Betrieb, es ist aber irgendwie nicht mit dem Trubel auf einer Hütte in den Alpen zu vergleichen. Denn her finden wir am Ufer ein Plätzchen für unsere Picknickdecke und haben quasi den See und die Landschaft für uns alleine. Und die Sonne scheint auch noch dazu. Herrlich!

Naach einer ausgiebigen Pause, einem Kaffee und einem netten Gespräch mit einer älteren Dame geht es zurück. Wir machen noch einen Abstecher zum Canyon Jutulhogget, wo man aber leider nicht wirklich weit hineingehen kann, da zum einen der Fluss im Weg ist und auch vor Steinschlag gewarnt wird. Müssen wir nicht haben.

Auf dem Rückweg sehen wir die Landschaft noch einmal mit neuen Augen. Denn nun stehen nicht mehr die Berge des Rondanegebirges im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Vielmehr ist es das glitzernde, sich bergab schlängelnde Band des Store Ula umrandet von Gräsern und weiß-grünen Flechten in der Nähe und die Schneeriesen des Jotunheimen in der Ferne. Und das Beste: Fast alles können wir entspannt bergab rollen! Lohn für die Anstrengung der Hinfahrt.

Trotzdem freuen wir uns auf unser Päuschen im MoMo, was wir auf dem letzten Stück bergab schon auf uns warten sehen. Hier gibt’s noch mal Kaffee und leckeren Milchreis mit Zimt und Zucker, den Annette morgens schon gekocht hat. Lecker!

Nach 2 Stunden fühlen wir uns ausgeruht genug für eine zweite, kürzere Radtour. Der Furusjön ist ein See in der Nähe, den wir gerne noch erkunden wollen. Und erstaunlicherweise scheint das Training von der Tour zuvor schon Wirkung zu zeigen. Die Steigungen auf der Strecke nehmen wir mit links und können die tolle Wirkung des Abendlichts auf die Landschaf um so mehr genießen. Alles ist in wärmste Farben getaucht.

Nur unser Plan einer Rast am See wird durchkreuzt. Denn nah an den See kann man nicht wirklich fahren. Und auch ein Fußweg geht nicht so ohne weiteres, denn es befinden sich immer auch Häuschen am Seeufer, was auf Privatgelände hindeutet.

Und so nehmen wir mit einer sonnigen Bank auf einer Anhöhe für die Pause vorlieb und machen uns wieder auf den Rückweg. Dort halten wir noch am Tisch mit den gestrickten Mützen, Handschuhen und Stirnbändern und werfen unser Geld für Handschuhe für Annette und Mütze für mich in die als Kasse des Vertrauens aufgestellte Blechdose. Charmant.

Nach diesem wunderbaren und anstrengendem Tag freuen wir uns auf ein Feierabendbierchen aus Schweden und einen prächtigen Sonnenuntergang am MoMo. Und tatsächlich werden unsere Wünsche voll erfüllt.

Bis auf einmal ein metallisches Geräusch von der Weide gegenüber zu hören ist und wir sehen, dass eines der Islandpferde versucht, sich aus dem Zaun zu befreien. Da es aber nicht frei kommt, geht Annette hin und stellt fest, dass es sich einen Draht des Zaunes so unglücklich unter das Hufeisen gezogen hat, dass sich dies auch von uns nicht wieder entfernen lässt. Nachdem im nächstgelegenen Haus niemand öffnet, den man nach dem Besitzer fragen könnte, legen wir selbst Hand an. Mit dem Seitenschneider aus dem Womo-Werkzeugkasten kriege ich den Draht schon mal an einer Seite durchtrennt. Aber auch jetzt hängt er immer noch so fest zwischen Fuß und Hufeisen, dass wir das Pferd nicht vom Zaun weg kriegen. Erstaunlicherweise bleibt das Pferd auch jetzt komplett cool und findet sogar noch Zeit, etwas zu fressen, während wir schwitzend schließlich den Zaundraht an der zweiten Stelle durchtrennt kriegen und dann endlich auch unter dem Hufeisen rausziehen können. Puh!

Aber abgesehen davon: Ein wunderbarer Tag in einem beeindruckenden Nationalpark, von dem wir immer noch nur einen Bruchteil gesehen haben!

Vassendenindex

Sommerwetter: 5,5

Pisswetter: 1,5

4 Kommentare
    • Michael Mönsters sagte:

      Vergessen! Danke fürs Erinnern. Habe ich nachgetragen. ?
      Aber die 5,5 wusstest du schon vorher, oder….? ?

      Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.