Lohnende Umwege
21. Juli 2015

Pünktlich um 8 Uhr setzt der vorher­ge­sagte Ganztags­regen ein. Logische Konse­quenz: Wir drehen uns noch einmal im kusche­ligen Alkoven um und verpennen den Anfang des Tages.

Das ganze folgt natürlich einem ausge­tüf­telten Masterplan. Denn unser Frühstück besteht heute nur aus Kaffee und ein bisschen Müsli, damit wir Mittags überhaupt schon wieder Hunger für ein Mittag­essen haben. Denn im Dalsland-Prospekt habe ich das Steneby Grytan gefunden, wo es Älgburgare, zu deutsch: Elchburger, geben soll. Könnte man doch mal auspro­bieren!

Wir fahren also mittags bei absolutem Pisswetter (und damit in 3 Wochen auch dem aller­ersten!) los und folgen dem “Sonderziel” was ich im Navi gefunden habe.

Kurz vor dem Ziel werden wir über eine Brücke gelotst und kriegen noch eine Liveschleusung der Dalslandia mit, komplett mit Bilderbuch-Schleu­sen­wärter im Gelbmann. Und das ganze in der ersten Reihe im gemütlich warmen MoMo während die bedau­erns­werten Touristen an Bord doch alle etwas verfroren aussehen.

Was mir nur komisch vorkommt: Als ich gestern das Restaurant gegoogelt habe, war eigentlich kein See oder Kanal in unmit­tel­barer Nähe. Und so stehen wir auch bei der Durchsage “Sie haben ihr Ziel erreicht” in der absoluten Pampa. Ups! Also noch mal geguckt und festge­stellt, dass wir aus unerklär­lichen Gründen im 11km entfernten Dals Langed angekommen sind. Aber für das Schleu­sen­spek­takel hat sich das doch mal richtig gelohnt!

Im zweiten Anlauf werden wir dann richtig gelotst und kommen im Dalsland Aktivi­teter an, wo man bei Lust und besserem Wetter auch Klettern oder Reiten könnte. Das Restaurant erinnert uns in seiner Aufma­chung kollossal an Amerika: riesiges Gebäude, ein großer Saal und halt alles eine Nummer zu groß. Aber halt irgendwie auch ausge­sprochen cool.

Da passt es auch, dass es eine Art Doppel­burger gibt, den man kostenlos bekommt, wenn man den Teller innerhalb einer Stunde geleert hat. Wir entscheiden uns trotzdem für die normale Variante und können uns nicht beklagen. Satt wird man auch so! Wie ein Elchburger schmeckt? Schon lecker, aber auch etwas trocken, so ein Elch. Dabei steht der doch die meiste Zeit im See rum…

In der angeschlos­senen Geschenk­bou­tique werfen wir das erste Mal einen Blick auf das, was uns die Andenken­in­dustrie als Souvenir andrehen will, schütteln den Kopf und fahren weiter.

Denn jetzt müssen wichtige Einkäufe getätigt werden: Systembo­laget, wir kommen! Und nach einer Ehren­runde durch Bengtsfors, weil bei diesem Wetter natürlich Shoppen immer geht und das anscheinend auch alle tun, sind wir dann nur mittel­zu­frieden, weil der Laden zwei von unserem Lieblings­sorten leider nicht führt. Und wer ist denn auf die Irrsinnsidee gekommen, in einem Extra­ge­schäft für Alkohol, wo man sich immer fühlt, als würde man einen Sexshop betreten (“Die wissen jetzt alle, was ich da mache!”), **alkohol­freies** Bier zu verkaufen?

Unser nächstes Ziel führt uns jetzt nach Norden, denn in einem Reise­führer haben wir den Hinweis auf einen deutschen Bäcker gefunden, der “in the middle of nowhere” seine Bäckerei hat. Und da es nur ein kleiner Abstecher auf der Route zum Tagesziel ist, machen wir den kleinen Schlenker. Und erfreu­li­cher­weise hat der Regen mittler­weise aufgehört und es herrscht eine tolle verwun­schene Licht­stimmung.

Die Bäckerei in Gustavsfors kann man unmöglich übersehen. Wir kaufen also Brot und Zimtstangen und halten noch einen kleinen Schwatz mit dem sehr sympa­thi­schen Bäcker Sven, der alles in seiner Bäckerei alleine macht. Und da er vor allem vom Geschäft im Sommer lebt, hat er dann durch­gängig eine 7‑Tage-Woche. Dafür aber im Winter frei. Auch ein Geschäfts­modell…!

Frohgemut peilen wir nun endgültig unser Tagesziel an: Den Camping­platz in Grinsby. Alles, was wir bisher darüber heraus­finden konnten, liest sich so, als wäre das was für uns. Auf dem Weg dorthin klart es sogar etwas auf und bei einer Überfahrt über den Dalsland-Kanal (den wir heute nun schon mehrfach überquert haben), bieten sich wunder­schöne, sonnige Aussichten, so dass wir spontan für einen Fotostop aussteigen.

Was man überhaupt nicht mitkriegt, wenn man gemütlich mit schöner Musik im MoMo durch die Landschaft cruist, ist die faszi­nie­rende Stille, wenn man auf freier Strecke einfach mal aussteigt. Auch Vogel­ge­zwit­scher hört man so gut wie gar nicht. Toll!

Wir genießen die Fahrt über die stellen­weise komplett rote Straße, was mich an unsere tolle Fahrt durch den Ostteil des Zion-Natio­nal­parks in den USA erinnert.

Die Straße windet sich mal elegant kurvend, dann wieder für ein Stück schnur­gerade, so dass es nicht langweilig wird. Und als uns schließlich ein Straßen­schild ankündigt, dass wir Värmland erreicht haben, wissen wir, dass es nicht mehr weit sein kann.

Der Camping­platz liegt direkt am Stora Bör, einem mittel­großen See, auf dem es sich natürlich auch gut paddeln lässt. Und es gibt neue, wirklich schöne und saubere Sanitär­räume. Und Stell­plätze, die nicht festgelegt sind, sondern die man sich einfach selbst aussucht. Was natürlich toll ist, aber auch ungeahnte Schwie­rig­keiten mit sich bringt. Denn wenn “alles” erlaubt ist, was ist dann ein blöder Platz? Was ist schon zu nah am Nachbarn, was ist okay? Wir finden schließlich einen Platz auf dem zentralen Hügel des Platzes und nachdem ich mich bei unserem freund­lichen schwe­di­schen Nachbarn versi­chert habe, dass wir nicht stören, ist auch Annette überzeugt. Und da der Hügel unterhalb unseres Stell­platzes dann schon abfällt, würde sich nur ein Vollidiot dort hinstellen. Was bedeutet: Panora­ma­blick über Platz und See!

Und wenn ein Platz schon bei schwä­chelndem Wetter so schön aussieht, können wir uns auf die kommenden Tage wirklich freuen. Denn es soll wieder sonniger und wärmer werden!

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