Hälsö Angels
9. Juli 2015

Der Morgen fängt alles andere als viel verspre­chend an. Das Bild ist **nicht** schwarz-weiß! Aber so sah es halt aus… Annette hat die Nacht mit ihrem schmer­zen­den Fuß leidlich hinter sich gebracht und schafft es sogar dank der wirklich großen, geräu­mi­gen Duschen ohne Zivi zu duschen. Solcher­art erfrischt und ausge­ruht starten wir die große Ver- und Entsor­gung an einer ebenfalls neu gebau­ten Station hierfür. Beson­ders der pfiffige Wagen mit der Stahl­wanne, den man nur unter den Auslass fürs Grauwas­ser schie­ben muss, hat es mir angetan. Blöd nur, dass unser Auslass­rohr einen Milli­me­ter zu lang ist. Aber mit ein bisschen Fumme­lei geht es dann doch ganz gut. Solcher­art wieder rundum versorgt starten wir unsere Tour über die Inseln.

Aufgrund von Annet­tes Behin­de­rung sind längere Wege ein buchstäb­li­ches No-Go. Zumin­dest für sie. Ich kraxel trotz­dem vor der Brücke nach Fotö in den Schären­fel­sen herum, um Fotos zu machen, während Annette tausend Tode stirbt, weil ich (zugege­ben unver­nünf­ti­ger­weise) nur mit meinen Crocs unter­wegs bin. Wäre aber auch zu toll, wenn wir beide mit dicken Füßen im MoMo hocken. Naja.

Auf Fotö parken wir bei der ersten Gelegen­heit im Hafen und auch hier klettere ich (aller­dings besser beschuht) durch die Schären und erkunde den Hafen, während Annette notge­drun­gen im MoMo sitzt. Denn bei dem düste­ren Himmel und dem starken Wind möchte man sich auch nicht zu gerne vors Wohnmo­bil setzen.

Im Hafen entde­cke ich ein sehr urig einge­rich­te­tes Cafè mit einer noch urige­ren Terrasse. Alles sehr liebe­voll mit altem Zeug, mancher mag Gerüm­pel dazu sagen, einge­rich­tet. Also hole ich Annette ab, welche die Strecke klaglos, aber im Schne­cken­tempo absol­viert. Im Cafè warten wir dann auf der Terrasse, dass jemand mit der Karte kommt. Und warten. Und überle­gen, ob vielleicht Selbst­be­die­nung ist. Und warten. Schließ­lich gehe ich hinein und versu­che eine Konver­sa­tion auf Englisch mit der Tochter des Hauses, die von ihrem Handy aufblickt und mich anguckt, als würde ich mindes­tens chine­sisch reden. Wir reden bestän­dig anein­an­der vorbei, bis ihr Vater reinkommt. Auch mit ihm (obwohl beide durch­aus freund­lich!) ist die Unter­hal­tung schwie­rig, aber ich bekomme heraus, dass das Gericht, was seine Tochter empfoh­len hat, nicht erhält­lich ist, er aber statt­des­sen eine Art Bisqui­trolle empfeh­len könne, die seine Mutter gebacken habe. Im Kühlre­gal steht auch eine davon und sieht mit der Erdbeere obenauf auch lecker aus. Ich frage sicher­heits­hal­ber nach, ob sie auch 2 hätten. Und Kaffee. Er bejaht beides. Ich bestelle und gehe zurück zum Tisch.

Und wir warten. Und warten. Und warten. Und kriegen schließ­lich von der Tochter zwei Mini-Bisqui­trol­len auf Unter­tas­sen hinge­stellt. Keine Spur von Kaffee. Oder Besteck. Hm. Ihr Vater kommt auch noch mal raus und erklärt, dass man sich doch einfach beim Kaffee bedie­nen könne. Und auch nachfül­len könne. Nett. Und wir genie­ßen den Kuchen, der in der Mitte noch leicht tiefge­kühlt ist. Da hat Mutter wohl auf Vorrat gebacken… Aber das Ambiente war wirklich sehr schön…!

Wir beschlie­ßen Fotö zu verlas­sen und die Nachbar­in­sel Hönö per MoMo zu erkun­den. Nicht ganz einfach, denn es wimmelt auf den Straßen (zumin­dest für schwe­di­sche Verhält­nisse) vor Menschen. Und wir wissen auch warum: Ein großes Treffen einer christ­li­chen Gruppe findet gerade auf Hönö statt und an mehre­ren Stellen finden wir regel­rechte Zelt- und Wohnwa­gen­la­ger. Das ist uns einfach zu viel Volk und zu wenig Natur. Es geht weiter nach Hälsö, zur Insel nördlich von unserer gestri­gen Schla­finsel.

Dort lockert sich die Bebau­ung schon etwas auf und wir genie­ßen den Ausblick, der sich auf die Schären bietet. Vor allem das Gebiet vor dem nächs­ten Fährha­fen nach Norden ist wirklich wunder­schön! Im Fährha­fen reihen wir uns zunächst in die Reihe der Fahrzeuge ein, die entwe­der nach Hyppeln oder Knippla wollen. Leider fährt uns aber eine Fähre vor der Nase weg und die nächste Abfahrt soll erst in einer Stunde statt­fin­den. Blöd! Also scheren wir aus der Schlange aus, wenden und stellen uns erst mal auf den Parkplatz, um zu überle­gen, wie es weiter­ge­hen könnte. Vielleicht dann doch heute weiter nach Norden in die Schären? Tjörn? Während wir überle­gen, spricht uns ein netter Schwede an, der im Womo gegen­über parkt. Wir wechseln ein paar Worte und nachdem Annette von ihrem Pech erzählt, macht er sich direkt auf die Suche, ob er nicht noch einen Stütz­ver­band für uns hat. Ausge­spro­chen nett, auch wenn er uns leider enttäu­schen muss. Wir bewun­dern (und benei­den) ihn und seine Frau, wie sie auf einem Tandem durch die Schären davon­fah­ren.

Das Wetter wird immer freund­li­cher und die heute morgen noch so graue Insel wirkt immer freund­li­cher und sehens­wer­ter — sollten wir nicht viel lieber einfach hier bleiben? Und der große geschot­terte Stell­platz im Hafen von Hälsö, den wir uns eher inter­es­se­hal­ber mal angeguckt hatten, war doch gar nicht so schlecht? Hört sich doch nach einer sinnvoll entschleu­nig­ten Idee an.

Aber vorher wollen wir noch in einer Apotheke einen Stütz­ver­band für Annet­tes Knöchel besor­gen. Nachdem wir dies zu Annet­tes großer Erleich­te­rung erfolg­reich (mit bravem Nümmer­chen ziehen) in der Apotheke von Öckerö erledigt haben, kommt noch ein erstes Mal für uns: Der Besuch in einem Systembo­la­get. Für alle, die sich nicht in Schwe­den ausken­nen: Es gibt im norma­len Super­markt keinen Alkohol über einer bestimm­ten Stärke. Dafür gibt es spezi­elle Läden, die aber wirklich auch nur Alkohol verkau­fen: Systembo­la­get. Was sich anhört wie der große organi­sierte Bruder von Köttbullar ist ein durch­aus gut sortier­tes Wein‑, Bier- und Schnaps­de­pot. Ab 20. Wir gehen also hinein, um unseren ultima­ti­ven “Schwe­di­sches Bier”-Vergleich zu starten. Und stehen etwas ratlos vor all diesen verschie­de­nen, uns bis auf Tuborg, Carls­berg und Heine­ken völlig unbekann­ten Biermar­ken. Also wird der Einkaufs­korb großzü­gig mit jeweils 2 Dosen pro Sorte gefüllt. Und auf den Preis gucken wir einfach mal nicht. Ist ja Urlaub…

Anschlie­ßend begeben wir uns zum Hafen­stell­platz auf Hälsö und starten wieder mal das “Wo stellen wir uns auf einem komplett leeren Platz”-Spiel. Und sind ganz stolz, dass wir nur einmal korri­gie­ren, damit wir am nächs­ten Morgen in beide Richtun­gen einen wunder­ba­ren Blick haben und noch eine Bank im Windschat­ten des MoMos platzie­ren können. Jackpot! Dumm nur, wenn man nicht damit rechnet, dass noch andere Kuschel­cam­per kommen, die dann die Aussicht verbauen, weil sie so gerne neben einem MoMo stehen wollen…

Beim abend­li­chen Joggen genieße ich die wärmende Sonne und den Anblick von einer Villa Kunter­bunt nach der anderen. Und vor einer von ihnen sitzt (ich schwöre!) der Knecht Alfred aus Michel aus Lönne­berga mit seiner Frau!

1 Kommentar

  1. WAAA auf dem Platzt auf Hälsö standen wir letztes Jahr auch. 😉 Des Nächtens musste ich nochmal raus und die Markise einfah­ren da binnen Minuten ein Sturm aufge­zo­gen war der mir dann doch etwas Angst machte. Dafür hatten wir dann auch die gesamte weitere Nacht das Gebim­mel von den Fahnen­mas­ten die auf deinem Foto zu sehen sind.
    Gruß
    Oliver

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