Gewit­ter­flucht
15. August 2017

Nein, es ist nicht so drama­tisch, wie es sich anhört. Kein zweites Torla.

Aber der Blick zum Himmel und der Wetter­be­richt empfehlen es uns, weiter­zu­reisen. Denn vom herrlichen Sommertag gestern ist nicht viel übrig geblieben und pünktlich zum Frühstücks­beginn fängt es auch noch an zu regnen. Was uns aber viel mehr Sorgen macht, sind die Gewit­ter­war­nungen für die kommenden Tage. Da sind wir doch noch leicht trauma­ti­siert und möchten uns und dem lädierten MoMo noch mehr Unbill ersparen.

Aber was tun? Für alle attrak­tiven Ziele in der Auvergne müssen wir mit Gewittern rechnen. Also suchen wir Orte, wo es weniger gewittrig aussieht. Und es kristal­li­siert sich immer mehr heraus, dass wir das angenehme mit dem nützlichen verbinden sollten. Heißt: Heimreise.

Und wir erinnern uns gerne an die ersten paar Tage im Jura. Wie wäre es denn, wenn wir in diese Richtung aufbrechen und uns dort noch ein paar letzte nette Tage auf einem schnu­cke­ligen Camping­platz machen? Hört sich gut an!

Also machen wir uns reise­fertig, bunkern noch mal Vorräte in einem SuperU und im Vorbei­fahren in Fix-St.-Geney auf. Letzteres ist eigentlich nur ein Straßendorf, hat dafür aber zwei Boucherien und eine Boulan­gerie, so dass wir mit Lecke­reien bestückt gut gelaunt weiter­fahren.

Das belegte Chevre-Miel-Baguette verspeisen wir kurz darauf auf dem Weg nach Le Puy en Velais an einem Aussichts­punkt ohne Aussicht, dafür aber mit großen Picknick­bänken. Die Aussicht ist mittler­weile zugewachsen und so sehen wir leider nicht viel von dem, was man während der Fahrt sieht. Nämlich die so typische Aussicht auf die kleinen Vulkan­hü­gel­ketten und die Bergflanken, die tatsächlich so ein bisschen an die Toskana erinnern.Abfahrt-001.jpg

Der Abschied aus der Auvergne ist dann ernüch­ternd. Auf der Autobahn hinter St. Etienne und im Rhonetal bei Lyon dominiert Industrie und es ist fast schon ein kleiner Kultur­schock, wenn man so lange hübsche oder sogar beein­dru­ckende Landschaften gesehen hat und jetzt wieder auf Indus­trie­an­lagen und Hochhaus­sied­lungen blickt. Nicht schön.

Lyon umfahren wir diesmal ohne Stau. Dadurch, dass wir die Stadt diesmal in östlicher Richtung umfahren, merkt man erst, wie groß die Stadt ist. Wir sind froh, als wir sie hinter uns lassen.

Unser Ziel ist ein France-Passion-Bauernhof mit 160 Ziegen. Der Weg dorthin führt durch ein mit kleinen Seen, Teichen und Tümpeln durch­setztes Gebiet und die Straße ist abenteu­erlich schmal. Wir sehen Störche, die sich in diesem Gebiet offen­sichtlich sehr wohl fühlen. Als ich die Kamera zücke, fliegen sie aller­dings weg. Dafür ruft Annette auf der Fahrt plötzlich „Biber!“ und wir fahren ein kleines Stückchen zurück, um sie uns genauer anzusehen. Zunächst einmal verstecken sich alle bis auf einen, der seinen Kopf noch aus dem Wasser steckt.Bisamratten-007.jpg

Aber nach und nach kommen dann doch alle raus. Und wir stellen fest, dass es mit einem so schmalen langen Schwanz wohl doch keine Biber sein können. Es sind Bisam­ratten, die sich dort tümmeln!Bisamratten-017.jpg

Und für alle, die sich jetzt vor Ratten ekeln: Eigentlich sind es die größten Wühlmäuse, die es gibt und manche bezeichnen sie auch als Zwerg­biber. Hört sich das besser an?Bisamratten-023.jpg

Unseren FP-Platz entdecken wir dann mit Umwegen. An der program­mierten GPS-Station ist ein Haus und auch die bekannte FP-Blume ist dort zu sehen. Ich steige unter wütendem Hunde­gebell aus dem Haus aus und Madame kommt mir schon entgegen. Ich begrüße sie freundlich mit Handschlag und verstehe kein Wort von dem, was sie mir sagt. Erst Annette versteht, dass sie uns mitteilt, dass wir hier falsch sind und der Platz erst 800m weiter entfernt zu finden ist — so, wie es auch auf dem FP-Schild steht…

Dort finden wir dann auch ein absolut ruhiges Plätzchen für die Nacht und können uns vorher noch leckeren Ziegenkäse auf der Farm kaufen.Abfahrt-002.jpg

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