Gewitterflucht

Nein, es ist nicht so dramatisch, wie es sich anhört. Kein zweites Torla.

Aber der Blick zum Himmel und der Wetterbericht empfehlen es uns, weiterzureisen. Denn vom herrlichen Sommertag gestern ist nicht viel übrig geblieben und pünktlich zum Frühstücksbeginn fängt es auch noch an zu regnen. Was uns aber viel mehr Sorgen macht, sind die Gewitterwarnungen für die kommenden Tage. Da sind wir doch noch leicht traumatisiert und möchten uns und dem lädierten MoMo noch mehr Unbill ersparen.

Aber was tun? Für alle attraktiven Ziele in der Auvergne müssen wir mit Gewittern rechnen. Also suchen wir Orte, wo es weniger gewittrig aussieht. Und es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass wir das angenehme mit dem nützlichen verbinden sollten. Heißt: Heimreise.

Und wir erinnern uns gerne an die ersten paar Tage im Jura. Wie wäre es denn, wenn wir in diese Richtung aufbrechen und uns dort noch ein paar letzte nette Tage auf einem schnuckeligen Campingplatz machen? Hört sich gut an!

Also machen wir uns reisefertig, bunkern noch mal Vorräte in einem SuperU und im Vorbeifahren in Fix-St.-Geney auf. Letzteres ist eigentlich nur ein Straßendorf, hat dafür aber zwei Boucherien und eine Boulangerie, so dass wir mit Leckereien bestückt gut gelaunt weiterfahren.

Das belegte Chevre-Miel-Baguette verspeisen wir kurz darauf auf dem Weg nach Le Puy en Velais an einem Aussichtspunkt ohne Aussicht, dafür aber mit großen Picknickbänken. Die Aussicht ist mittlerweile zugewachsen und so sehen wir leider nicht viel von dem, was man während der Fahrt sieht. Nämlich die so typische Aussicht auf die kleinen Vulkanhügelketten und die Bergflanken, die tatsächlich so ein bisschen an die Toskana erinnern.Abfahrt-001.jpg

Der Abschied aus der Auvergne ist dann ernüchternd. Auf der Autobahn hinter St. Etienne und im Rhonetal bei Lyon dominiert Industrie und es ist fast schon ein kleiner Kulturschock, wenn man so lange hübsche oder sogar beeindruckende Landschaften gesehen hat und jetzt wieder auf Industrieanlagen und Hochhaussiedlungen blickt. Nicht schön.

Lyon umfahren wir diesmal ohne Stau. Dadurch, dass wir die Stadt diesmal in östlicher Richtung umfahren, merkt man erst, wie groß die Stadt ist. Wir sind froh, als wir sie hinter uns lassen.

Unser Ziel ist ein France-Passion-Bauernhof mit 160 Ziegen. Der Weg dorthin führt durch ein mit kleinen Seen, Teichen und Tümpeln durchsetztes Gebiet und die Straße ist abenteuerlich schmal. Wir sehen Störche, die sich in diesem Gebiet offensichtlich sehr wohl fühlen. Als ich die Kamera zücke, fliegen sie allerdings weg. Dafür ruft Annette auf der Fahrt plötzlich „Biber!“ und wir fahren ein kleines Stückchen zurück, um sie uns genauer anzusehen. Zunächst einmal verstecken sich alle bis auf einen, der seinen Kopf noch aus dem Wasser steckt.Bisamratten-007.jpg

Aber nach und nach kommen dann doch alle raus. Und wir stellen fest, dass es mit einem so schmalen langen Schwanz wohl doch keine Biber sein können. Es sind Bisamratten, die sich dort tümmeln!Bisamratten-017.jpg

Und für alle, die sich jetzt vor Ratten ekeln: Eigentlich sind es die größten Wühlmäuse, die es gibt und manche bezeichnen sie auch als Zwergbiber. Hört sich das besser an?Bisamratten-023.jpg

Unseren FP-Platz entdecken wir dann mit Umwegen. An der programmierten GPS-Station ist ein Haus und auch die bekannte FP-Blume ist dort zu sehen. Ich steige unter wütendem Hundegebell aus dem Haus aus und Madame kommt mir schon entgegen. Ich begrüße sie freundlich mit Handschlag und verstehe kein Wort von dem, was sie mir sagt. Erst Annette versteht, dass sie uns mitteilt, dass wir hier falsch sind und der Platz erst 800m weiter entfernt zu finden ist – so, wie es auch auf dem FP-Schild steht…

Dort finden wir dann auch ein absolut ruhiges Plätzchen für die Nacht und können uns vorher noch leckeren Ziegenkäse auf der Farm kaufen.Abfahrt-002.jpg

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Kommentar verfassen