In die Pyrenäen
1. August 2017

Eine sehr ruhige, aber auch erneut sehr warme Nacht. Ich erkenne da irgendwie ein Muster… So langsam macht sich das fehlende Seiten­fenster im Alkoven und die dadurch fehlende Luftzir­ku­lation doch bemerkbar. Entspre­chend gerädert wachen wir auf. Aber egal! Heute können wir ja endlich das Grauwas­ser­problem zu den Akten legen. Also auf zur Werkstatt.

Und da fangen wir dann doch an, an unseren franzö­si­schen Nachbarn zu zweifeln. Auch in dieser Werkstatt ist es dem Menschen offen­sichtlich ziemlich egal, dass wir ein Problem haben. Immerhin rüttelt er ein paar Mal an unserem Hebel, um dann fachmän­nisch festzu­stellen, dass er kaputt ist. Aber helfen könne er uns damit nicht. Will er offen­sichtlich auch nicht… Er gibt uns den Rat, doch nach Toulouse zu fahren, da gebe es viele Händler. Nach unseren gestrigen Erfah­rungen: Nein Danke!

Immer noch voller Hoffnung fahren wir einen Kreis­verkehr weiter, wo wir vorhin einen anderen Womohändler gesehen haben. Auch hier das gleiche Spiel. Relative Gleich­gül­tigkeit und wir sollten doch nachmittags wieder kommen. Jetzt wäre gerade schlecht.

Wir beschließen, diese unfreund­liche Region zu verlassen und uns für das Grauwas­ser­problem vermehrt auf Camping­plätzen aufzu­halten und ansonsten einen Falteimer zu kaufen, den man dann zur Not unter den Grauwas­sertank stellen kann.

Wir fahren daher weiter in Richtung Süden und sind überrascht, dass es doch noch einige Kilometer bis in die Pyrenäen sind. Gut, dass man zunächst mal Autobahn fahren darf. Aber auch die bald wieder fällige Natio­nal­straße lässt sich gut fahren und die Alleen sind echte Hingucker.IMG_2100.jpg

Im kleinen Nest Labarthe-Inard gibt es an der Durch­gangs­straße erneut eine Womo-Werkstatt, wo wir sogar bedient werden, obwohl es eigentlich schon Mittags­pause ist. Das ist ja schon mal nett. Leider ergibt die Blitz­dia­gnose des netten franzö­si­schen Mecha­nikers, dass die Stange wohl gebrochen sei und das nur in einer größeren Werkstatt mit Ersatz­teilen möglich sei. Desolé, tut mir leid! Wir sind ja ganz begeistert, dass wenigstens einer mal sagt, dass ihm das für uns leid tut. Ansonsten sieht wohl alles danach aus, als ob wir mit einem defekten Hebel nach Hause fahren dürften. Grmpf.

IMG_5076.jpg

Wir gucken uns im sparsam ausge­stat­teten Laden um, ob wir wenigstens den gewünschten Falteimer kriegen können. Wenn man jetzt wüsste, was Eimer auf franzö­sisch heißt! Aber der Kompagnon unseres Technikers weiß Rat. Er zückt das Handy und… Nein, er hat keine Überset­zungs-App, er ruft eine Freundin an, die etwas Deutsch kann. Aber auch die kennt das Wort Eimer nicht. Also ich irgendwas von „eau“ und „collect“ stammele fällt bei unserem Techniker der Groschen und er kommt tatsächlich mit einem leicht gebrauchten Falteimer zurück. Hurra! Nein, so etwas hätten sie nicht am Lager, aber wenn wir diesen Eimer so lange nehmen wollten? Naja, warum nicht? Was soll es denn kosten. Der Kompagnon tippt „rien“ in sein Handy ein. Und unser Weltbild vom prinzi­piell freund­lichen und hilfs­be­reiten Franzosen ist wieder gerade gerückt.

Das Problem Grauwasser legen wir jetzt aber endgültig zu den Akten. Zumindest bis wir wieder zuhause sind. Statt­dessen hat Annette für uns St. Bertrand-de-Comminges ausge­kund­schaftet. Wieder mal ein Dorf auf einem Berg mit von weitem sicht­barer Kathe­drale. Wir erkunden den Ort und stellen fest, dass er landschaftlich toll liegt und auch durchaus Flair und urige Gassen hat.

 

Mit Cordes kann er aber nicht konkur­rieren. Aber egal, die Kirche gefällt mir zumindest von innen schon besser als die in Albi. Ob das an dem skurrilen, an die Wand getackerten Krokodil liegt?

St. Bertrand-de-Comminges-013.jpg

Und shoppen lässt es sich auch gut dort. Im hübschen Leder­atelier werden wir 3 fündig: ein Gürtel für mich, der live und vor Ort abgelängt und mit Löchern versehen wird, ein Armband für Annette und ein neues Halsband für Elli, weil es einfach so toll aussieht.

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Anschließend steuern wir den Camping­platz Au fil de l’Oo in Luchon an. Der in den Bewer­tungen so hoch gelobte freund­liche Empfang bewahr­heitet sich auch für uns. Die Madame in der Rezeption versucht mit uns auf Deutsch zu reden und ihr Mann gibt uns auf Englisch einen Tipp für Wande­rungen und Sight­seeing nach dem anderen. Doll! Und auch bei der Platz­suche auf dem großen Freige­lände für Kurzauf­ent­halte ist uns die Madame noch unauf­dringlich behilflich. Wir überlegen, ob wir hier nicht mal eine kleine Verschnauf­pause einlegen, so lange es uns gefällt. Warum eigentlich nicht?

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Abends drehen wir noch eine Spazier­runde in den Ort hinein. Als wir an einem Restaurant die Karte studieren wollen, liegt dort ein herren­loser Schäferhund auf dem Bürger­steig und kommt bellend auf Elli zugelaufen. Erst als wir ihm ein beherztes „Hau ab!“ entge­gen­brüllen, zieht er Leine. Ein Herrchen oder Frauchen haben wir nicht gesichtet…

Der Ort Luchon an sich hat einen Boulevard, der von der Breite auch gut nach Paris passen würde. Das ganze Flair hat aber irgendwie auch etwas leicht herun­ter­ge­kom­menes, als hätte der Ort, trotz aller kosme­ti­schen Verschö­ne­rungs­ver­suche, seine besten Tagen schon hinter sich. Mal gucken, wie alt wir hier werden.

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