Bei den Kaschuben

24. September 2022

Der Vormittag verfliegt regelrecht. Ich kümmere mich ums Schreiben und Hochladen des Blogbeitrags für gestern und Annette macht Fitness und Musik.

Jezioro Klodno
Jezioro Klodno

Der Tag ist schon ordentlich fortgeschritten als wir endlich den netten Campingplatz verlassen. Wir sind fast schon im Weiterreisemodus als uns die Erkenntnis ereilt, dass wir von der Kaschubei ja noch nicht wirklich viel gesehen haben. Das wollen wir zumindest noch ein wenig ändern. Beste Entscheidung des Tages!

Kaschubische Küche

Wir fahren nur ein paar Kilometer weiter nach Chmielno (das wir immer so aussprechen wie Pontius Pilatus beim Leben des Brian und darum ein Grinsen ins Gesicht bekommen).

Der nette kleine Ort, der malerisch zwischen zwei Seen liegt, wirkt schon sehr beschaulich. Viel los ist hier nicht. Aber wir kriegen daher problemlos einen Platz im Restaurant Chëcz u Kaszëbë auf der Außenterrasse unmittelbar am See. Ein Glücksfall.

Chmielno

Denn nicht nur erwischen wir eine ausgesprochen freundliche Bedienung, auch das Essen schmeckt richtig fein. Die Karte wartet zwar mit den uns inzwischen schon bestens vertrauten typischen Gerichten für Polen auf, dies aber in richtig leckerer Qualität. Vor allem die Kartoffelpuffer, die ich bestelle, haben eine tolle Balance zwischen knusprig und weich, ohne vor Fett zu triefen. Aber auch die Fischsuppe und das Bigos von Annette können sich sehen lassen. Empfehlung!

Chmielno

Live-Töpferei

Annette hat etwas von der besonderen kaschubischen Töpferkunst gelesen. Die können wir uns live in der Töpferei von Karol Necel anschauen.

Nachdem wir uns das Museum im Obergeschoss angesehen haben, kommen wir eine Etage tiefer in die Töpferwerkstatt und können dort dem Alltag folgen.

Chmielno

Karol erklärt uns, dass dies wirklich ein Familienbetrieb ist. Seit 125 Jahren sei die Töpferei in Chmielno ansässig und er würde in zehnter Generation die Töpferei führen. Von den sechs Mitarbeitern seien vier aus der Familie.

Es ist faszinierend, mit welcher Präzision der alte Töpfer an seiner Scheibe Tasse um Tasse produziert, die sich bis auf minimalste Unterschiede gleichen wie ein Ei dem anderen.

Chmielno

Im Untergeschoss schließlich gibt es den Brennofen und den Shop. Der alte, gemauerte Brennofen sei noch bis 1996(!) in Betrieb gewesen und musste jedes Mal für den Brennvorgang zugemauert werden. Was ein Aufwand! Im Gegenzug dazu steht der elektrische Brennofen, der seine Hitze so lange hält, dass er drei Tage später noch bei 200 Grad Celsius steht.

Wir Karol uns erklärt, ist jetzt schon tote Hose und sie würden bereits anfangen, für die kommende Sommersaison zu produzieren. Dann würden hier den Sommer über die Touristen den Laden regelrecht leer kaufen. Für uns blieben unter den Resten immerhin noch 2 Eierbecher übrig, die wir gerne mit nach Hause bringen.

Nach Norden

Wir sind durch unsere unverhoffte Entdeckung Chmielno etwas im zeitlichen Verzug. Wir entscheiden uns dazu, heute noch bis zum Slowinzischen Nationalpark am Südufer des Jezioro Lebsko zu fahren und uns die Wanderdünen von Leba für morgen aufzuheben.

Die letzten Kilometer fahren wir auf einer polnischen Version einer Single-Track-Road: Zwei Drittel der Spurbreite sind asphaltiert, der Rest ist Schotter. Anders als die höflichen Schotten sind die Polen da aber rustikaler. Die brausen mit unverminderter Geschwindigkeit auf dich zu und gehen davon aus, dass du mal eben auf den abgesenkten Schotterstreifen ausweichst. Zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt: Selber weichen sie bestimmt auch bei Beibehaltung der Geschwindigkeit auf den Schotter aus. Dass das nicht immer die beste Idee ist, beweisen die zahlreichen Gedenkkreuze am Wegesrand…

Jezioro Lebsko

Wir haben uns einen Campingplatz in Izbica (ihr lest das doch auch wie Ibiza, oder?) als Ziel ausgeguckt, der am Südufer des Sees gelegen ist. Wie wir es jetzt schon gewohnt sind, ist auch hier weniger als nichts los. Niemand nimmt von uns Notiz, kommt zur Begrüßung oder will zumindest kassieren. Das hat schon Lost-Place-Qualitäten.

Dafür ist zumindest die Natur erstklassig. Zur Begrüßung ziehen gleich einmal mehrer Züge Kraniche laut trompetend über uns hinweg. Großes Kino!

Slowinzien

Ich mache mich auf den Weg zum See und komme zu einer kleinen Anlegestelle. Leider hat man nicht den ganz weiten Blick auf den See, den ich mir hier erhofft habe, da das Ufer wieder mal verschilft ist. Aber andererseits gibt das dann auch ganz reizvolle Bilder ab. Wir haben schon schlechtere Orte für einen Sonnenuntergang gehabt.

Slowinzien
Slowinzien
Slowinzien
Slowinzien
und nochmal als ICM
Slowinzien

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Der wilde Westen von Mull

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