Die Dünen von Leba

25. September 2022

Wir hadern mit uns: Wollen wir noch den Umweg von 45 Minuten in die „falsche“ Richtung zu den Dünen von Leba machen? Oder doch lieber weiter in Richtung Heimat fahren und Strecke machen?

Wir sind uns mit unserer Entscheidung nicht sicher, aber wir haben das Gefühl, dass es dumm wäre, die große Wanderdüne von Leba auszulassen, wenn wir schon mal so nah dran sind.

Zunächst sieht auf dem Weg ans Meer alles danach aus als sei es die dümmste Entscheidung des Tages. Der Himmel über dem Meer sieht düster aus und wir würden uns auch nicht wundern, wenn es regnet, sobald wir dort ankommen. Dafür ist das Morgenlicht vor dem dunklen Himmel um so schöner als wir durch die wieder mal wunderbaren Alleen fahren.

Dünentourismus

Als wir in Leba in Richtung Düne abbiegen, sind wir vom Grad des Tourismus erst mal baff. Bude an Restaurant an Bude an Restaurant. Das könnte hier auch in Spanien sein.

Aber da schon keine Saison mehr ist, ist alles bereits mehr oder weniger verwaist und Betrieb herrscht hier schon mal gar nicht.

Als wir am Parkplatz von Rabka ankommen, ist schon mal klar, dass hier touristisch alles mitgenommen wird. Parkplatz: bezahlen. Am Eingang zum Dünengebiet ein Kassenhäuschen: bezahlen. Für den Elektrowagen, der einen zur Düne fährt: bezahlen. Und angeblich sollen sogar 20 Zloty für das Parken eines Fahrrads erhoben werden, wenn ich das Schild richtig verstanden habe. Annette meint gerade, dass es eventuell auch eine Leihgebühr sein könnte.

Man muss aber der Fairness halber sagen, dass die Preise absolut bezahlbar sind. So kostet der Eintritt in den Park gerade mal läppische 1,50 €. Es fällt nun mal einfach auf, dass hier alles noch mal extra bezahlt werden muss, was an den meisten Orten für uns bisher immer kostenlos war.

Mit dem Fahrrad durch den Wald

Da Hunde ohnehin im ganzen Nationalpark verboten sind, schwingen wir uns zu zweit auf die Räder und fahren die Strecke durch den Wald bis zum Fuß der großen Düne Wydma Łącka.

Der Wald links und rechts von uns sorgt dafür, dass die Strecke reichlich schattig, aber auch sehr urig ist. Lediglich die Betonplatten und auf der zweiten Hälfte die mit Sand verfüllten Schlaglöcher machen nicht ganz so viel Freude.

Leba

Als wir am ersten Aussichtspunkt ankommen, gehen wir davon aus, dass wir schon einen Blick auf die Wanderdüne werfen können und sind mittelprächtig enttäuscht. Ja, das ist viel Sand und Dünenlandschaft, aber so was haben wir Holland auch schon oft gesehen. Das soll jetzt also die berühmte Düne sein? Na ja.

Leba

Aber wir stellen fest, dass wir erst den halben Weg zurückgelegt haben und die Wydma Łącka erst noch kommt. Also weiterfahren.

Oh und Ah

Am Fuße der Düne können wir dann die Räder abstellen und sehen schon deutlich mehr Sand vor uns. Das sieht doch schon besser aus. Allerdings: so wahnsinnig hoch ist das immer noch nicht.

Leba

Erst als wir die erste Steigung im Sand genommen haben, macht es das erste Mal Klick: Da geht es ja immer noch reichlich bergauf!

Und als wir um die Ecke kommen, wird das Ausmaß des Ganzen zum ersten Mal sichtbar. Wir sind beeindruckt. Das ist schon echt viel, echt feinster Sand durch den wir uns hier nach oben arbeiten. Toll!

Das Meer! Ach nee, der See!

Je höher man kommt, umso weiter wird naturgemäß der Blick und es wird immer mehr zum 360°-Rundblick.

Ganz der erfahrene Weltenbummler rufe ich Annette zu „Guck mal, das Meer!“ Erst mit etwas Verzögerung bemerke ich, dass die Ostsee zu unserer Rechten liegen müsste. Die Wasserfläche, die so riesig zu unserer Linken unter uns liegt, ist der Jezioro Lebsko, an dem wir die letzte Nacht verbracht haben!

Leba
Leba

Rummel ohne Rummel

Es gibt hier viel Leute zu gucken. Kleine Kinder, die den riesigen Sandkasten zum Buddeln oder hinunterkullern nutzen. Männer, die den Sand im Laufschritt hinauflaufen. Und natürlich zahlreiche Leute, die an der Spitze der Düne das obligatorische Selfie vor dieser Wüstenlandschaft machen. Wer will es ihnen verdenken?

Leba
Leba
Leba
Leba

Aber obwohl hier wirklich (vor allem im Vergleich zu den letzten Wochen) was los ist, muss es nur ein müder Abklatsch von dem sein, was hier im Sommer los ist. Wir sind echt froh, dass wir es hier in der Nebensaison so entspannt vorfinden.

Die Fläche an der Spitze der Düne ist deutlich begrenzt durch Holzpfähle und Taue. Trotzdem sieht man auch im Sperrgebiet mehr Fußspuren als man meinen sollte. Ich glaube, meine Vermutung, dass die von Instagram-Influencern stammen, ist nicht arg so weit hergeholt.

Leba
Leba
Leba
Leba

Endlich Meer

Unterhalb der Düne führt ein weiter Streifen Sand hinüber zum Meer. Für uns ist es jetzt wirklich seit längerer Zeit (zumindest für unsere Verhältnisse) das erste Mal Meer. Seit Schottland waren wir nicht mehr am Meer und haben es doch schon wieder sehr vermisst.

Leba
Leba
Leba

Wir genießen unser Picknick am Meer und vor allem das unglaubliche Glück, heute mal wieder entspannt im T-Shirt bei strahlendem Sonnenschein unterwegs zu sein. Ein richtig schöner Frühherbsttag.

Leba

Der Fuchs

Als wir uns auf den Rückweg machen, stellen wir fest, dass das Gehen im Sand einem ein wenig die Relationen nimmt. Ich hatte gedacht, dass man in ein paar Minuten wieder bei den Rädern ist, aber es dauert dann doch etwas länger.

Auf den letzten Metern nehmen wir noch mal deutlich wahr, wie unaufhaltsam die Düne hier das Land verschlingt. Mit 9 Metern pro Jahr wandert sie landeinwärts und begräbt gnadenlos alles unter sich. Es sieht schon fast makaber aus, wenn man nur noch die grünen Spitzen einer Birke am Rand der Düne herausschauen sieht. Im kommenden Jahr ist sie dann komplett begraben.

Leba

Als wir zu den Rädern gehen, denke ich auf einmal, dass ich mich verguckt habe. Aber das Tier, was hier herumläuft, ist auch beim zweiten Hinsehen kein Hund, sondern eindeutig ein Fuchs. Was macht der denn hier? Und warum hat er denn nur wenig Scheu vor den Menschen?

Fuchs
Fuchs

Wenig später haben wir die Antwort auch schon gefunden: Ihm werden von anderen Touristen geschmierte Pausenbrote entgegengeworfen. Mit diesen verzieht er sich dann ein paar Meter weiter, nur um sofort noch einmal zurückzukommen: Da gibt es bestimmt noch mehr…

Fuchs

Camping und Meer in Leba

Nachdem wir zum MoMo zurückgekehrt sind, fahren wir aus dem Nationalparkgebiet hinaus, damit die Hunde auch mal wieder raus dürfen. Und wie wir so da stehen, stellen wir fest, dass es uns eigentlich ganz gut gefällt im nachsaisonalen Leba. Der große Trubel, vor dem wir uns etwas gegruselt haben, ist wohl schon länger vorbei.

Und da es hier sogar einen Strand gibt, an dem Hunde erlaubt sind (wenn auch nur angeleint) und dazu noch einen Campingplatz am Meer, beschließen wir, einfach hierzubleiben. Bei dem tollen Wetter wäre es doch eine Sünde, heute noch viele Kilometer zu fressen, wenn man stattdessen am Meer sein kann.

Wir stellen fest, dass der Campingplatz Fly Resort uns richtig gut gefällt und wir natürlich problemlos einen Platz bekommen, wo jeder Stellplatz sogar mit eigenem Wasser- und Stromanschluss versorgt ist. Top!

Und am Meer genießen wir Sonne, Sand und Wasser mal so ganz ohne Wind. Der macht heute nämlich Betriebsferien und lässt auch die Ostsee sanft auf den Strand plätschern. Eine echte Besonderheit ist hier der quietschende Sand. Muss man mal erlebt haben!

Leba

Köstliches Essen und Dudeljazz

Annette hat wieder geforscht und einen absolut seltenen Fund gemacht: Sie hat bei Google ein Restaurant in Leba gefunden, was bei über 100 Bewertungen einen Schnitt von glatten 5,0 erzielt hat: Das Przypalone muss also etwas Besonderes sein.

Wir fahren mit den Rädern in die schon ziemlich verwaiste Innenstadt von Łeba und finden die markante rote Tür schnell.

Als wir hineinkommen, sind wir von dem Mix aus modern und trotzdem irgendwie historisch gleich angetan. Das könnte gut werden. Und wir werden nicht enttäuscht. Das Essen ist besser als nur gutbürgerlich, aber nicht so Schickimicki, dass es nicht nach Polen passen würde. Fischsuppe, Kohlroulade, Zander und ein Mörder-Schokokuchen als Dessert schmecken uns richtig gut.

Restauracja PRZYPALONE

Ich wäre versucht, für den zwischenzeitlich wahnsinnig nervenden Dudeljazz im Hintergrund einen Stern abzuziehen, aber auch wir vergeben für die freundliche Bedienung, das Anbieten und das Essen 5 von 5 Sternen. Top!

Restauracja PRZYPALONE

Anschließend lassen wir den Tag mit einem weiteren Strandspaziergang mit den Hunden kurz nach Sonnenuntergang zu Ende gehen. Ein wunderbarer Tag in Leba.

Leba

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