Volles Tal

18. Mai 2021

Wir sind wahre Glückskinder. Eine ruhige Nacht an der Kirche und morgens kommt die Sonne langsam aber zuverlässig ins Tal. Unser erster Spaziergang kann im T-Shirt absolviert werden. Wie herrlich, wenn man nicht mehr im Zwiebelschalenlook herumlaufen muss!

vor der Chiesa
Chiesa San Pietro in Motto

Wir fahren weiter auf der westlichen Seite des Brenno und checken schon mal einen Stellplatz bei einem Bauernhof aus, den wir vielleicht bei der Rückfahrt anlaufen werden. Sieht vielversprechend aus. Aber wir wollen weiter ins Verzascatal.

Nach einer kurzen Autobahnstrecke kommen wir in Bellinzona an und nähern uns dem Lago Maggiore. Und nicht nur kommen wir hier auf phänomenale 24°, auch der Verkehr nimmt deutlich zu. Denn hier ist wirklich jeder Quadratzentimeter besiedelt und alle scheinen unterwegs zu sein.

Talfahrt bergauf

Erste Überraschung: Wenn man von der Hauptstraße aus Richtung Locarno ins Verzascatal abbiegt, geht es steil bergauf. Und bergauf. Und noch eine Serpentine. Bis man einen wunderbaren Blick auf den Lago Maggiore hat.

Verzascatal

Und weil es so schön ist, geht es dann immer noch weiter bergauf. Könnte den Schweizern mal einer das Konzept „Tal“ erklären? Aber was meckere ich hier rum – die Strecke ist spektakulär. Schlucht würde da fast besser passen.

Der Star des Tals ist aber nicht die Straße (obwohl auch die wirklich toll ist), sondern natürlich die Verzasca, die weiß-grünlich unter uns schäumt und die Felsen mit wunderbaren Mustern bemalt hat. Eine wahre Künstlerin!

Verzascatal

Vorbeiziehende Schönheit

Aber auch die Menschen haben sich da nicht lumpen lassen: Neben der spektakulären Doppelbrücke bei Lavertezzo gibt es schnuckelige Tessiner Steinhäuser, die an jede Ecke, wo noch Platz war, gebaut wurden.

Verzascatal

Denn das mit dem Platz ist so eine Sache im Tal. Davon gibt es nämlich nicht so viel. Vor allem zum Parken nicht. Und für Wohnmobile schon dreimal nicht.

Verzascatal

Daher können wir allenfalls an besonders schönen Stellen etwas langsamer fahren. Aussteigen und genießen ist hier aber nicht vorgesehen. So schade!

Andererseits: Als wir die Mengen von Leuten an der Doppelbrücke sehen, merken wir, wie coronageschädigt wir dann doch sind: so viele Menschen auf einem Haufen: gefährlich!

Verzascatal
Verzascatal
Verzascatal

Glück gehabt

Wir fahren weiter in den hinteren Bereich des Tals. In Sonogno, dem Endort des Tals, gibt es den größeren von zwei Wohnmobilstellplätzen im Tal. Also, eigentlich ist es nur ein großer Parkplatz vor dem eigentlichen Ort, an dem Womos fürs Übernachten 24 Franken abgenommen werden. Wir waren uns sicher, dass wir in der Woche vor Pfingsten problemlos einen Platz kriegen müssten. Aber Pustekuchen. Wir drehen eine komplette Runde und es stehen schon jede Menge Womos dort. Und die restlichen Plätze sind mit Pkws belegt. Und nur, weil Annette geistesgegenwärtig sieht, dass jemand an der Ausfahrt des Parkplatzes ausparken will, kriegen wir noch den allerletzten Parkplatz. Zwar leicht schräg, aber immerhin können wir so wenigstens die Wanderung machen, die wir uns ausgeguckt haben.

Wir sind ein bisschen konsterniert, dass es hier schon vor Pfingsten so voll ist. Damit hatten wir nicht gerechnet. Sollen wir jetzt doch für die Nacht hierbleiben oder möglichst früh zurück, damit wir am Lago Maggiore noch einen Platz auf einem Campingplatz kriegen? Wir entscheiden uns mit einem etwas mulmigen Gefühl fürs Hierbleiben. Spoiler: Gute Entscheidung.

Sonogno

Top-Wasserfall

Im Redorta-Seitental gibt es eine nicht sehr komplizierte Wanderung zur Cascata La Froda. So wie der Weg hier mit Stolpersteinen übersät ist, fühlen wir uns an die Wanderung zum Rjukanfossen im letzten Sommer erinnert.

Verzasca
Verzasca
Wanderung Sonogno
Wanderung Sonogno
Verzasca

Als wir am Wasserfall ankommen, werden wir mehr als belohnt. Der ist wirklich sehenswert. Und als besonderen Service hat man nicht nur Bänke dort aufgestellt, sondern führt auch den Weg elegant hinunter zum Fuße des Wasserfalls. Sehr fotogen!

 Cascata La Froda
 Cascata La Froda

Auf dem weiteren Weg stehen wir plötzlich vor einer Ziegenherde. Hm, wie die wohl auf die Hunde reagieren? Die Hörner sehen auf einmal bedrohlich groß aus. Die werden doch Toffi nicht aufspießen wollen? Aber es geht alles gut.

Wanderung Sonogno
Wanderung Sonogno
Verzasca

Tessiner Spezialitäten

Als wir fast schon wieder in Sonogno angekommen sind, sehen wir zu unserer Linken auf einmal eine Einkehrmöglichkeit. Die Grotta Efra mit vielen leeren Tischen in der Außengastronomie. Nichts wie hin!

Es gelten die üblichen Corona-Regeln und nach unserer Bestellung haben wir alsbald einen Teller mit Tessiner Wurst- und Käsespezialitäten vor uns. Wieder ein Stück mehr Normalität. Und eine sehr leckere noch dazu!

Tessiner Spezialitäten
Sonogno
Sonogno

Danke, Regen

Als wir am MoMo ankommen, hat sich der Parkplatz sichtlich geleert. Die meisten Tagestouristen sind weg und es gibt jetzt im hinteren Bereich des Parkplatzes noch ein paar Lücken, die wir füllen könnten. Das ist zwar alles etwas kuschelcampmäßig dicht an dicht, aber besser als im vorderen Bereich des Platzes, wo es morgen sicher wieder schnell voller wird.

Was wir erst nach einiger Zeit merken: neben uns ist eine Art Jugendherberge. Mit sich fröhlich laut unterhaltenden jungen Leuten. Wir rechnen hoch: Wenn die zu fortgeschrittener Stunde ein bisschen am Alkoholpegel gedreht haben, könnte es eine unruhige Nacht werden. Aber der einsetzende Regen sorgt in diesem Punkt für Entwarnung. Alle verziehen sich nach drinnen.

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Der wilde Westen von Mull

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