Alle Jahres­zeiten

17. Mai 2021

Mit dem grandiosen Sonnen­auf­gang in den Bergen wird es fürs Erste nichts. Wir hatten uns den günstigsten Wetter­be­richt für den Tag angeguckt und der versprach halbwegs sonniges und nicht zu kühles Wetter. Was wir kriegen: grauer Himmel durch den sich die Sonne kaum durch­kämpfen kann. 

See Brigels

Fürs Erste ist uns das aber reich­lich egal. Wir sind ja schließ­lich zum Vergnügen hier. Und das bereiten wir uns mit einer Wande­rung oberhalb von Brigels.

Steil hinauf

Schon auf den ersten Metern können wir uns für die klare Luft und die maleri­schen Kühe am Weges­rand begeis­tern. Auch die Kapelle Sogn Sievi, die oberhalb des Dorfes thront, ist schnell erreicht. 

Wanderung Brigels
Wanderung Brigels
Wanderung Brigels
Etwas sehr kleine Tür, oder?

Danach wird es wirklich steil. Es geht mehr als ordent­lich hinauf. Zumin­dest so sehr, dass wir Flach­land­ti­roler reich­lich den Kreis­lauf anregen. Da es aber gleich­zeitig eine wunder­bare Alpen­land­schaft ist, macht die Anstren­gung nicht wirklich etwas aus. Wir genießen es, hier zu sein und trutzige Berghütten, sprudelnde Bäche und urige Bergwäld­chen zu sehen. 

Wanderung Brigels
Wanderung Brigels

Im Regen zurück

Der Bergbach der nun gut gefüllt neben uns hinab­rauscht heißt Flem. Und er könnte mit dem hellgrün schei­nenden Wasser genauso gut in Norwegen zu finden sein. 

Wanderung Brigels
Wanderung Brigels

Ab 1500 Höhen­me­tern geht es für uns in einem großen Bogen zurück nach Brigels. Verein­zelt landen Schnee­flöck­chen auf Ellis Fell. Und wir stellen fest, dass es sich von nun an immer mehr einregnet. Nicht doll, aber unaufhörlich. 

Daher sind wir ganz froh, dass wir auf einem Waldweg hinab gehen, der uns auch ein wenig vor dem Regen schützt.

Über den Pass

Nachdem wir uns etwas gestärkt haben und im örtli­chen Volg-Super­markt noch etwas Geld u. a. für Mutschli und Mandel­gi­pfel gelassen haben, verlassen wir Brigels. Aber wir kommen gerne noch mal wieder.

Surselva

Bei überra­schend sonnigem Wetter können wir die Fahrt über den Lukma­nier­pass in Angriff nehmen. Es ist ein wahrer Augen­schmaus, die blühenden Alpwiesen links und rechts zu sehen.

Surselva
Lukmanierpass

Am Pass wird fleißig gearbeitet und immer wieder gibt es kleine Baustellen, an denen wir einspurig vorbei­ge­führt werden. Aber an einer Stelle gibt es zusätz­lich zur Ampel einen Baustel­len­posten. Warum bloß? 

Wir sind gerade bei Grün losge­fahren als er uns ein Zeichen gibt, stehen­zu­bleiben. Als ich das Fenster runter­fahre, erklärt er mir: „Das dauert jetzt ungefähr 10 Minuten.“ Annette und ich lachen über diesen gelun­genen Scherz.

Solange, bis wir sehen, dass es keiner war: Ein Kipplaster fährt in die Engstelle und ein Bagger entlädt ihn Stück für Stück…

Lukmanierpass

Ansonsten finden wir den Lukma­nier­pass super. Sehr abwechs­lungs­reich, mit aufre­genden Tunneln und tollen Aussichten, aber immer gut zu fahren. So macht das Spaß!

Lukmanierpass
Lukmanierpass
Lukmanierpass
Lukmanierpass
Alle Jahreszeiten

Camper unerwünscht

Ein gutes Stück hinter der Passhöhe, aber immer noch reich­lich hoch, haben wir einen Platz in Pian Segno gefunden, der sich geradezu perfekt anhört: einsam, Ausgangs­punkt für schöne Wande­rungen und mit 10 Franken für die Parkuhr einer der preis­wer­teren Schweizer Stellplätze.

Aber als wir dort ankommen, sind wir verwirrt. Ein Großteil des Platzes ist matschig und die Parkuhr ist demon­tiert. Als wir uns schon über einen kosten­losen Platz freuen, sehen wir aber auf der Hinweis­tafel, dass nicht nur Camping verboten ist, sondern auch Wohnmo­bile unerwünscht sind. 

Pian Segno

Bei einer Runde über die Hochebene mit den typischen grauen Tessiner Häusern stellen wir fest, dass hier nicht nur die Winter­saison beendet, sondern auch alles verrie­gelt und verram­melt ist. 

Pian Segno
Pian Segno
Pian Segno

Es würde also wohl niemanden stören, wenn wir dort eine Nacht verbringen. Anderer­seits: Wollen wir genau zu denje­nigen gehören, die sich über klare Verbote hinweg­setzen und für einen schlechten Ruf der Wohnmo­bi­listen sorgen? Auch nicht. Also lassen wir den Motor an und fahren weiter den Pass hinunter.

Es wird wärmer

Ein Gutes hat diese Entschei­dung: Es wird unauf­haltsam wärmer, je tiefer wir kommen. Schon in Olivone sieht die Landschaft um ein vielfa­ches mehr nach Frühling aus als in Pian Segno. 

Olivone
Blick auf Olivone

Und in Aquarossa knacken wir dann sogar die 20-Grad-Marke. Hurra! Heute haben wir im Prinzip alle 4 Jahres­zeiten auf einmal gehabt.

Eigent­lich hatten wir einen Bauernhof für die nacht angesteuert. Aber als wir in Motto einen großen Kiesplatz neben der Chiesa San Pietro sehen entscheiden wir uns noch einmal um: Wir haben hier zufällig einen Platz entdeckt, der sich gut anfühlt. Der Fluss Brenno sorgt für ein angenehmes Hinter­grund­rau­schen und abends blicken wir auf die beleuch­tete Kirche. Passt.

Chiesa San Pietro in Motto
Brenno
Chiesa San Pietro in Motto

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Der wilde Westen von Mull

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4 Kommentare

  1. Liebe Anette, lieber Michael
    Es schön, bei euch mitreisen zu können. Beson­ders, da wir selbst noch nicht wegkommen. Aber bald soll es auch bei uns losgehen können. So spät waren wir noch nie dran.
    Ich wünsche euch besseren Wetter und weiterhin eine gute Zeit in der Schweiz.
    Gruss, Michael

    Antworten
    • Das mit dem guten Wetter hat ja schon mal geklappt. 🙂

      Antworten
  2. Hallo ihr vier, auf den Parkplätzen P1 — P4 kann man gegen einen Obulus von Fr. 10.– übernachten, aber nicht campieren. Sollten die Ticket­au­to­maten noch nicht montiert sein, ist es gratis. Auf dem P3 hat es sogar 2 WC, in der Saison steht auf jedem P ein Toitoi.
    Schöne Reise und viel Vergnügen Werner

    Antworten
    • Danke für die Info. So hatte ich es eigent­lich auch verstanden. Aber das Schild “Womo verboten” spricht doch eigent­lich gegen die Übernach­tungs­mög­lich­keit. Wirklich blöd kommuniziert.

      Antworten

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