Ab heute soll das Wetter schlechter werden. Und zunächst sieht es auch nicht all zu vielver­spre­chend aus. Der Himmel ist eher auf der dunklen Seite. Aber es ist trocken. Und die Sonne macht sich immer noch ein bisschen bemerkbar. Könnte schlimmer sein.

Lustiger Hafen­meister

Unsere Serie mit rein bargeld­losem Bezahlen geht heute zu Ende. Da wir gestern schon wussten, dass man den Stell­platz hier cash bezahlt, hatten wir uns auch am Automaten mit dänischem Geld versorgt. Und eigentlich ist das ganze hier auch prima gelöst: Geld in einen Umschlag und fertig. Aber 125 Kronen lassen sich nun mal schlecht mit 100- doer 200-Kronen-Scheinen bezahlen. Daher habe ich gestern den Hafen­meister angerufen und mit ihm ausge­macht, dass es kein Problem sei, es ihm heute morgen um 8 Uhr zu geben.

Ich finde ihn dann auch schließlich und er nimmt unser Geld für zwei Nächte entgegen und macht sich auf einem Umschlag den Vermerk „D“. Wir wären doch aus Deutschland? Und das ist dann sein Zahlungs­nachweis. Das nenne ich mal prakti­zierten Daten­schutz!

Wenig später kommt er noch vorbei, greift in seine Brust­tasche und fischt ein paar 5‑Kronen-Münzen hervor: „Dusche?“ Denn hier geht die eigentlich per Münzeinwurf zahlungs­pflichtige Dusche aufs Haus. Nett!

Radel­wetter

Es ist ein feines Wetter zum Fahrrad fahren. Nicht zu heiß und etwas windig. Ich mache also die Räder und den Hänger fertig und wir düsen los. Radweg­mäßig sind die Dänen nämlich, genau wie die Nieder­lande, ganz weit vorne. Und von Sakskøbing aus gibt es die „Scheren-Route“, die mit ihren 30 Kilometern genau in unser Profil passt.

Auf größten­teils schnur­ge­raden Straßen erkunden wir die Gegend östlich von Sakskøbing. Zunächst fahren wir vom Stell­platz ein paar Kilometer in die Stadt und von dort wieder auf deren anderen Seite des Wassers zurück bis wir auf der anderen Seite unseren Hafen sehen. Man könnte glatt rüber­spucken!

Rein landschaftlich ist das hier komplett unauf­geregt und vielleicht gerade deswegen so schön. Einfach komplett entspannend. Getrei­de­felder links oder rechts und dann wieder schnu­ckelige Häuser entlang der Straße. Gibt es eigentlich ein dänisches Wort für Bullerbü? Das ist hier heile Welt in Reinkultur!

Nett ist auch die dänische Angewohnheit, entweder Waren zum Verkauf mit Kasse des Vertrauens vors Haus zu stellen oder auch mal Möbel mit handge­maltem „gratis“-Schild zum Mitnehmen rauszu­stellen. Hört sich doch gleich viel besser an als Sperrmüll!

Schloss ohne Schloss

In Oreby, am nördlichsten Punkt unserer Tour soll es ein schickes Schloss geben und auch der Kro soll nicht schlecht sein. Wollen wir uns angucken.

Während der Kro wirklich reinlassend aussieht ist vom Schloss nichts zu sehen. Wo soll das denn sein? Wir gehen hinter dem Kro noch ein Stückchen weiter und entdecken eine Badewiese. Aller­dings mit Hinweis­schild. „Privat“ verstehen wir ja, aber was heißt „Færdsel til fods“? Gut, dass es Google-Translate gibt! Bedeutet wohl „Reisen zu Fuß“. Wir dachten schon es wäre ein rüder dänischer Fluch…

Die Badewiese lädt dann zum Ausruhen ein und man kann von hier aus sogar 2 Turmspitzen des Schlosses erkennen.

Alle weiteren Versuche, in die Nähe des Schlosses zu kommen, sind dann aber zum Scheitern verur­teilt. Müssen wir halt ohne das Oreby Slot gesehen zu haben weiter­fahren.

Endlose Weiten

Auf der Weiter­fahrt können wir dann mehr von der schlichten Landschaft genießen. Und auch ein paar Hasen sichten, die sich auf einem abgemähten Feld ein Stell­dichein geben.

Die Straßen sind so lange schnur­gerade bis eine Kreuzung kommt. Und das kann dauern!

Als wir nach dem Päuschen an der Kirche von Tårs weiter­fahren wird es hart: Gegenwind. Und das bleibt mehr oder weniger bis zur nächsten Kirche in Radsted so. Die Anfahrt auf Radsted ist dabei besonders perfide. Man steuert kilome­terlang genau auf den Kirchturm zu. Nur, um dann auf den letzten Metern noch mal eine leichte Steigung bei vollem Gegenwind zu absol­vieren. Puh! Und meine Hochachtung vor Profi-Radfahrern steigt.

Riesen­brauerei

Wir freuen uns auf das nächste Etappenziel. In Krenkerup soll es eine Brauerei geben. Ideal für den nächsten Zwischen­stopp!

Aber was wir dann zu sehen bekommen haut uns doch aus den Latschen. Das ist kein Brauhaus, sondern ein Brauschloss! Oder zumindest ein Braugut. Ein riesiges Anwesen mit Teich und Wiesen und länglichen Gebäuden in denen wir die Brauan­lagen vermuten.

Zu unserer Freude (und Erleich­terung) können wir uns mit den Hunden im Außen­be­reich nieder­lassen. Denn es gibt hier viele Spezia­li­täten zu bestaunen. Manche sogar prämiert.

Ich muss mich erst mal wieder daran gewöhnen, dass man in Skandi­navien gerne am Tresen bestellt und sofort bezahlt. Wir gönnen uns zu unseren Bieren einen Tapas-Teller, der dann auch ausge­zeichnet schmeckt. Und das nicht nur, weil wir vom Radfahren hungrig geworden sind.

Däntspannen

Als wir wieder am MoMo ankommen, stellen wir fest, dass 30km für unsere Hintern und Beine auch genug sind. Den Rest des Tages können wir dann ganz locker abhängen und mir kommt das Wort „Däntspannung“ in den Sinn. In Dänemark geht‘s uns gut!

Und weil das hier alles so entspannt ist, sind wir schon fast sicher, dass wir die Weiter­fahrt nach Schweden für dieses Mal canceln und uns lieber noch ein bisschen mehr Zeit für die Entde­ckung unseres nördlichen Nachbarns nehmen.

Den Abend verquat­schen wir dann angenehm mit unseren netten Nachbarn Andy und Katja aus Fulda, die mit ihren zwei Kindern auf der Heimreise sind.