Margeritenroute

Es wird schwül. So man-sitzt-nur-und-es-läuft-schwül. Vom frischen Wind ist nichts übrig geblieben. Es herrscht Flaute.

Jedoch nicht bei uns. Wir frühstücken gemeinsam mit unseren Nachbarn und verquatschen auch den Vormittag ohne Probleme. Eine schöne Bekanntschaft! Aber auch unsere Kuschelcamper von vorgestern entpuppen sich als äußerst freundliche und aufgeschlossene Dänen. Und da wir Pläne für ein neues MoMo schmieden und dieses eventuell von Euramobil sein könnte, lassen wir uns die Gelegenheit nicht nehmen, sie mal über ihre bisherigen Erfahrungen zu interviewen. Die scheinen bisher sehr positiv zu sein! Sie erweisen sich auch als große USA-Freunde und setzen mir gleich noch einen neuen Floh ins Ohr – wie wäre es eigentlich mit einer 4-wöchigen nahezu „geschenkten“ Überführungsfahrt von der Ost- an die Westküste im Frühjahr? Sounds like a plan…

Fahrübung, die zweite

Erst am späten Mittag, nachdem wir fast die Letzten auf dem Platz sind, verabschieden wir uns von diesem prima Stellplatz am heimeligen Hafen. Annette steigt wieder auf der Fahrerseite ein und diesmal habe ich sogar so etwas wie ein Lächeln auf ihren Lippen gesehen. Es wird!

Nachdem wir das Navi nach einem kurzen Ausflug auf die Autobahn davon überzeugt haben, dass wir nicht so ganz seinem Routenvorschlag folgen werden, landen wir auf der Margeritenroute. Die haben wir letztes Jahr schon an der Westküste befahren und sie führt gerne mal über kleinere Nebenstraßen, die aber immer landschaftlich schnuckelig sind.

Rüpelfahrer

Auch diesmal werden wir nicht enttäuscht. Die Nebenstrecken erweisen sich als ideale Gelegenheit für Annette, sich mit den Abmessungen des MoMos vertraut zu machen. Und wenn mal jemand entgegen kommt, gibt es auf den schmalen Straßen immer eine Gelegenheit schon frühzeitig auszuweichen.

Bis auf das eine Mal, als wir in einem Waldstück kurz vor dem Meer einem sonnenbebrillten coolen Jungdänen begegnen. Der hält es für eine gute Idee, uns die 50 Meter hinter einer Kreuzung noch entgegenzufahren und bedeutet uns ungeduldig, doch in den Graben zu fahren, damit er durchkommen möge. Annette weicht noch 2cm nach rechts aus und wir beschließen, dass das reichen muss, weil der Waldboden nicht vertrauenerweckend aussieht und leicht abschüssig ist. Was unser Gegenüber jetzt gar nicht mehr lustig findet. Er gestikuliert wild und wilder. Macht anschließend machohaft deutlich, dass er nicht zurückweichen wird und zündet sich demonstrativ eine Zigarette an. Wen er damit wohl beeindrucken will? Wir machen den Motor aus und überlegen, ob wir ein Käffchen kochen sollen. Er hat es dann irgendwann eingesehen und sportlich zurückgesetzt…

Wir wissen ja, dass es Idioten überall gibt, fragen uns aber trotzdem, ob uns das gleiche in Schottland auch passiert wäre. Nach unseren durchweg superpositiven Erfahrungen dort kaum denkbar. Und ich ärgere mich am Ende, dass ich nicht für den Blog noch ein Beweisfotos gemacht habe…

Steilküste für Anfänger

Unmittelbar hinter unserer Begegnungsstelle mit dem Rüpel sehen wir schon das Meer. Und einen Parkplatz direkt am Meer. Ideal für eine Kaffeepause! Wir machen es uns auf einer Bank gemütlich und lassen den Blick schweifen. Obwohl wir uns an der Ostküste von Lolland befinden ist hier kein Sandstrand, so wie wir es uns eigentlich vorgestellt hatten. Stattdessen eine vielleicht 1m hohe Steilküste. Naja, kann auch spektakulär sein…

  

Und jede Menge Baumritzungen von Liebespärchen. Eines der Herzen wurde anscheinend schon vor langer zeit geritzt und hat großflächig die Rinde abgesprengt. Ob die Liebe noch hält…?

Kasse des Vertrauens

Nachdem wir ein paar weitere eindrucksvoll große und schöne Gutshäuser abgefahren haben, landen wir schließlich beim Biobauernhof Lammhave in Horbelev. Den haben wir im Lolland-Prospekt entdeckt, der an unserem letzten Stellplatz auslag. Ist dann in der Realität etwas anders als gedacht. Denn uns begegnet kein Mensch. Was bei der abgelegenen Lage auch kein Wunder ist. Da gibt es definitiv keinen Durchgangsverkehr. Stattdessen gibt es einen kleinen Raum, wo verschiedenste Gemüse und Obste, Kräuter und Körner ausliegen und ein paar Kühlkästen stehen. In denen kann man sich dann selbst bedienen und das Geld in eine offene Geldkassette legen. Kasse des Vertrauens in Reinkultur!

Lost place Hesnæs

Wir landen schließlich im Hafen von Hesnæs, ziemlich am nordöstlichen Zipfel von Lolland. Ein total verschlafener Hafen, auch schon ein bisschen runtergerockt. Es gibt dort aber 5 Stellplätze für Womos und nebenan sogar einen kleinen Sandstrand. Und wir nehmen befriedigt zur Kenntnis, dass auch hier reichlich Platz für uns ist. Der Fehmarn-Schock sitzt immer noch tief. Und wir verstehen um so weniger, dass die Leute sich an der deutschen Ostseeküste tottrampeln, wenn eine Fährfahrt weiter eine ähnlich schöne Landschaft auf einen wartet, die viel mehr Entspannung verspricht.

Denn die finden wir hier. Wir verbringen den Abend mit einem Glas Rotwein vor dem MoMo, schauen der Sonne beim Untergehen zu und freuen uns über den rot erleuchteten Himmel über dem Hafenbecken. Wir freuen uns ja immer über die kleinen Dinge!

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