Irgendwas mit Mont
5. April 2015

Wir hatten noch hin- und herüberlegt, ob wir noch einen Tag länger auf dem Platz bleiben und heute mit dem Bus nach Siena fahren. Wir entschliessen uns aber dagegen. Statt­dessen brauchen wir nach dem Faulen­zertag wieder etwas Bewegung. Annette hat in einem Reise­führer den Geheimtipp gefunden, dass man in Monti­ciano parken könne und von dort eine kurze 2km-Spazier­wan­derung nach San Galgano möglich sei.

Wir parken also auf dem Wander­park­platz und machen uns auf den Weg. Das erste was auffällt: Es ist windig, in Böen schon stürmisch — und der Wind ist eisig! Mit dem bedeckten Himmel und dem kalten Wind mag man gar nicht mehr glauben, dass wir an den vorigen Tagen schon fast sowas wie Frühsommer hatten! Wir packen uns also entspre­chend ein und stiefeln los. Immer wieder finden sich am steinigen Weg Wegweiser, die anzeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das Problem ist nur, dass der Weg auch über einen Fluss führen soll. Aber von der Holzbrücke, die vor Jahren vielleicht mal existiert hat, existieren nur noch Bruch­stücke an beiden Ufern. Und ein barfuss-durch-den-Fluss-gehen erscheint uns bei der Strömung und den kalten Tempe­ra­turen auch nicht gerade ratsam. Also kehren wir, obwohl in Sicht­weite zur Ruine von San Galgano, frustriert um.

Mit dem MoMo fahren wir ein Stück unserer Strecke zurück und kommen am Pakrplatz von San Galgano an, der mit einer statt­lichen Anzahl von Wohnmo­bilen gefüllt ist, aber immer noch reichlich Platz für uns bietet. Wir machen uns auf zur Besich­tigung der wirklich sehens­werten Ruine. Da man aber das aller­meiste schon von außen, bzw. durch Gitter­stäbe sehen kann, verzichten Annette und Sofie auf den Eintritt in die Hallen, während ich zum Fotogra­fieren gerne die 2€ Eintritt zahle. Aber es sind wirklich nicht so viele neue Ansichten, dass es sich wirklich lohnt.

Da ist der Aufstieg zur Kapelle, die auf einem Hügel oberhalb der Ruine liegt schon lohen­s­werter. Weniger wegen des Schwertes, das der heilige Galgano angeblich in den Stein gerammt hat oder der Knöchelchen, die gruselig-schön ausge­stellt sind, sondern weil die Kapelle eine schlichte Schönheit besitzt.

Nach diesem Kulturteil genießen wir mittags eine kleine Verkostung von verschie­denen Pecori­no­va­ri­anten, die alle lecker sind, aber nur die Variante mit Kräutern schafft es in unseren Kühlschrank. Wir stellen fest, dass wir in der letzten Zeit eigentlich viel zu selten einfach mal Käse mit leckeren Konfi­türen oder Honig gegessen haben. So lecker!

Danach geht die Reise weiter, aber wohin bloß? Der Plan ist ja, nach Montalcino zu fahren, aber da sich das weder Annette noch Sofie merken können, führen wir an diesem Tag gefühlte 10x folgende Konver­sation:

A. o. S.: “Wohin fahren wir noch mal?”

M.: “Nach Montalcino.”

A. o. S.: “Aber da waren wir doch gerade!?”

M.: “Nein, das war Monti­ciano. Wir fahren nach Montalcino!”

S.: “Ist das da, wo meine Handtasche her ist?”

M.: “Nein, das ist Monte­pul­ciano.”

A. o. S.: “Und wo fahren wir jetzt hin?”

M. (rollt mit den Augen und schweigt…)

Die Fahrt nach Montalcino führt uns übrigens in der Tat wieder über Monti­ciano und in der Ferne kann man bestimmt auch irgendwo Monte­pul­ciano sehen. Wir versuchen aber, die doch ganz schön kurivge Strecke so zu überstehen, dass es Sofie auf der Rückbank nicht schon wieder schlecht wird. Denn was vorne eigentlich sogar Spaß macht, wird hinten eine echte Belas­tungs­probe für den Magen. Das Stück zwischen Vescovado und Monteroni ist dann aber das erste Mal Toskana aus dem Bilderbuch mit sanft geschwun­genen Hügeln, Zypres­se­n­alleen und allem sonstigen Schnick und Schnack. Toll!

In Montalcino steuern wir dann um halb 6 den Stell­platz an, der durch eine unfassbar steile Straße erreicht werden muss. Zwischen­durch zweifele ich kurz daran, dass wir oben ankommen und statt­dessen einfach das MoMo nach hinten überkippt. Kribbelig! Aber noch kribbe­liger ist dann die Situation auf dem für 31 Wohnmobile ausge­legten Parkplatz. Vor uns stehen schon 2 Wohnmobile auf der Straße, die darauf warten, dass andere Womos mit dem Rangieren fertig werden. In manchen Parklücken stehen schon Frauen, die Plätze reser­vieren, also schicke auch ich Annette los, die Lage zu sondieren. Sie kommt zunächst frustriert wieder, weil alles wild auf italie­nisch mitein­ander redet, sie aber nichts versteht und eigentlich auch kein Platz mehr frei zu sein scheint. Aber als die Womos vor uns auf den Platz gefahren sind, sehe ich einen gänzlich ungenutzten und (noch wichtiger) unreser­vierten Platz. Schnell schaffe ich vollendete Tatsachen und wir stehen auf dem letzten freien Platz! Die armen Schweine, die hinter uns standen und auch die Legionen, die wir später noch den Berg hinauf fahren sehen, gucken in die Röhre. Glück gehabt!

Alsbald brechen wir hinunter in die Stadt auf, genießen den tollen Blick auf die Stadt und frieren im mittler­weile nordseehaft starken Wind. Brrrr!

Insofern wird es auch mit dem eigentlich geplanten gemüt­lichen Bummel durch die Stadt nichts mehr — es ist einfach nicht auszu­halten! Vor allem nicht, wenn man auf winter­liche Tempe­ra­turen um den Gefrier­punkt nach den letzten wunder­baren Tagen nun wirklich nicht mehr gefasst war.

Wir machen aus der Not eine Tugend und betreten ein Weinge­schäft, um den berühmten Brunello zu probieren. Die beflissene Verkäu­ferin schenkt uns auch sofort einen “Rosso” und einen “Brunello” ein, den wir so fachmän­nisch wie möglich verkosten. Was soll ich sagen: Unser Wein ist es nicht. Und als wir die Preise von 15€ für den Rosso und 30€ für den Brunello hören, schon mal gar nicht. Mit einem etwas schlechtem Gewissen verab­schieden wir uns. Aber besser, die sind sauer, als wir kaufen einen teuren Wein, der uns nicht mal besonders gut schmeckt.

Wir steuern nun auf die Enoteca Bacchus zu, die wir vom letzten Besuch in Montalcino noch in guter Erinnerung hatten. Zum draußen sitzen ist es dieses Mal aber zu kalt, so dass wir diese Mischung aus Wein- und Spezia­li­tä­ten­ge­schäft und Restaurant von innen betrachten. Es ist irgendwie ein liebenswert leicht aus der Zeit gefal­lener Ort, der mit seinem älteren Eigen­tü­merpaar und dem jungen Mann, der bedient (wohl der Sohn?) wie aus einem skurrilen Film im Stile der “Fabel­haften Welt der Ameliè” stammen könnte. Uns gefällts!

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