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Wobei: Spurt trifft es nur bedingt. Wir brechen nämlich ganz gemütlich auf und auch die Fahrt ist alles andere als gehetzt. Aber es geht halt auf die Zielgerade. Die Ziellinie in Form des Trelleborger Hafens zeichnet sich klar im Kalender ab und daher müssen wir heute ein paar Kilometer Richtung Westen machen.

Wir verlassen Öland mit dem sicheren Gefühl, dass wir hierhin noch einmal zurück müssen. Denn den Nordteil haben wir noch gar nicht erkundet und auch das Welterbe Stora Alvaret haben wir nicht erwandert. Heute fahren und gucken und genießen wir noch einmal auf dem Weg zurück zur Ölandbrücke.

Und auf dem Weg nach Westen freue ich mich wieder und immer noch über das entspannte Autofahren in Schweden. Habe ich ja schon öfter erwähnt, aber dieses “Tempomat auf 90 und rollen lassen” klappt in Europa in keinem Land so gut wie hier.

Unser Plan für die letzten Tage ist simpel: Wir wollen einfach noch mal das wiederholen, was uns im letzten Jahr so gut gefallen hat. Also steuern wir auch dieses Jahr wieder den Womo-Stellplatz in Nogersund an. Und freuen uns, dass er noch genau so schön ist, wie wir ihn in Erinnerung haben und man sich um 15 Uhr problemlos einen Stellplatz aussuchen kann.

Nach den Aussteigen stellen wir fest, dass unser Außenthermometer zwar 23° anzeigt, aber auch ein reichlich kühler Wind weht. Und zwar so kühl, dass es trotz der doch eigentlich schön warmen Temperatur zu einer feinen Gänsehaut reicht…

Wie schon geschrieben wollen wir vieles wiederholen, was wir letztes Jahr schon gemacht haben. Dazu gehört auch eines meiner absoluten Highlights: Der hinreißend leckere Muscheltopf im Restaurant Dagmar’s in Hällevik. Wir steigen also auf die Räder, radeln die 3km in den Nachbarort und stellen fest, dass hier wohl Mitte August schon die Bordsteine hochgeklappt werden bzw. die Saison beendet ist… Geschlossen! Und auch das andere Restaurant im Hafen ist geschlossen. Frust!

Wir kaufen im Supermarkt ein paar Krabben ein, die Annette dann im MoMo in unsere letzte Fischsuppe einrührt und so zumindest die Enttäuschung über das entgangene Abendessen mindern kann. Naja, ein Grund, noch mal wiederzukommen…

Sobald die Sonne sich dem Horizont nähert wird es dann endgültig zu frisch zum draußen sitzen. Aber immerhin kriegen wir noch einen schönen Abendhimmel zu sehen.

Die Wetteraussichten haben sich leider nicht verbessert, so dass für heute und auch die kommenden Tage bis zur Abfahrt jeden Tag mit Regen zu rechnen sein wird. Wir beschließen daher, die 4-Stunden-Wanderung  im Store Mosse-Park zu canceln und stattdessen das Besucherzentrum mit Aussichtsturm zu besuchen und anschließend eine Wanderung zu einem Moorsee zu machen. Beides ist auch bei Regen ohne Probleme und mit Regenjacke gut machbar.

Was uns heute und auch später im Verlauf des Tages immer wieder auffällt: Es sind extrem viele deutsche Womos unterwegs. Auf unserem nächtlichen Stellplatz waren 4 von 4 Womos aus Deutschland. Und an der Infowand, wo es netterweise an Kästchen mit Nationalparksbroschüren gab, war das Fach für Englisch und Schwedisch gut gefüllt – lediglich Deutsch war leergeräubert.

Die Aussicht vom Fågeltorn (dem Vogelturm) über das Moor und den großen See Kävsjön ist dann zwar beeindruckend weitläufig, aber mit dem grauen Himmel auch irgendwie trist. Wir brechen daher schnell wieder auf zum nächsten Wanderparkplatz für die Mini-Wanderung zum Moorsee Svartgölen. Bei weitem nicht so spektakulär wie gestern noch im Tiveden, aber ein sehr nett angelegter Spazierweg, auf dem man sich im Vergleich zu gestern fühlt wie auf einer luxuriösen Autobahn.

Auch der Weg zum See ist auf den letzten Metern vorbildlich mit einem breiten Steg durch die Sumpflandschaft erschlossen. Annette bemerkt treffend: “Wie Yellowstone, nur dass nichts dampft und stinkt.” Der eigentlich Star dieser Landschaft ist aber nicht die große Weite und eigentlich auch nicht der See, sondern vielmehr die Moorvegetation am Wegesrand. Da gibt es wieder viel zu bestaunen und wegzufotografieren, was wir als botanische Vollnieten nicht benennen, aber um so mehr bestaunen können. Und irgendwie ist dies auch bei dem tristen Nieselregen, der mittlerweile eingesetzt hat, auf seine eigene Art spektakulär. Uns gefällt’s!

Auf dem Rückweg werden wieder Blåbären gepflückt und im MoMo von Annette zu einer köstlichen Dickmilch verarbeitet.

Unser Plan war es ja eigentlich, auf dem Weg nach Süden noch einmal Station an einem schönen See zu machen und dort einen Tag lang zu paddeln. Mit diesen Wetteraussichten nicht wirklich verlockend. Wir beschließen aber trotzdem, einen kleinen Schlenker zum Åsnen-See zu machen, der auf der Landkarte so toll aussieht. Außerdem habe ich im Womo-Forum mehrfach vom schönen Campingplatz Getnö Gård gelesen, den wir ja zumindest mal auschecken können.

Auf dem Weg kommen wir wieder gut auf den mehr oder weniger einsamen Straßen voran. Lediglich kurz vor dem Åsnen strapaziert ein deutscher Womo-Kollege arg meine Geduld, weil er auf der Tempo-90-Strecke an jeder Kreuzung fast bis zum Stillstand abbremst, um dann doch mit 60 weiterzufahren. Argh! Als er das Spielchen zum dritten Mal macht und vorher schon links geblinkt hat, nur um dann doch geradeaus zu fahren, wird mir das Spiel dann doch zu dumm. Gut, dass ich ihn an dieser Stelle problemlos überholen kann!

Der Weg zum Campingplatz ist dann tatsächlich sehr schön. Links und rechts auf der schmalen Landzunge Blicke auf den See, angelnde Familien an einer Brücke, aber auch Fisselregen. Wir parken vor der Rezeption und beschließen, uns den Platz erst mal zu Fuß anzugucken, bevor wir uns zu einer Übernachtung entschließen. Was hier besonders auffällt: Der Platz ist fest in deutscher Hand. Anhand der Kennzeichen würde ich mal auf gepflegte 80% aus Germany schätzen. Und bei besserem Wetter wären wir wahrscheinlich geblieben, aber so ist uns ein netter Blick auf den See nicht Grund genug. Vor allem, wenn die Alternative das Meer ist, was wir jetzt schon wieder länger nicht gesehen haben! Als wir zum MoMo zurückgehen, kommt uns unser Langsamfahrer von vorher entgegen gefahren. Auch schon da…! Und neben unserem MoMo befindet sich mittlerweile eine kleine Armada von deutschen Wohnmobilen, die gerade angekommen sind.

Weiter geht’s, aber nicht ohne vorher noch im netten Cafe in Ålshult Station zu machen. Bei Waffel, Muffin und Kaffee gucken wir uns um und finden die Einrichtung Puppenstuben-Rumpelkammer-urig.

Passend dazu dann auch endlich unser erster Loppis nebenan. Für alle Nicht-Schwedenkenner: Loppis-Schilder findet man in Schweden an allen Ecken und Enden. Ich dachte zunächst noch, dass es sich um kleine Tante-Emma-Lädchen handele. Aber weit gefehlt! Es ist eine Art Mini-Flohmarkt. Oder das, was in Amerika ein Garage-Sale wäre. Oder einfach nur eine Rumpelkammer mit Zeugs. Muss man mal gesehen haben. Muss man aber nichts von kaufen.

Wir füllen noch ein letztes Mal Vorräte in Olofström auf, bevor es nach Nogersund ans Meer geht. Den Tipp für diesen Stellplatz haben wir aus der Promobil-App und wir können den zufriedenen Bewertern nur zustimmen: Toller Platz zwischen Hafen und Meer auf einer Wiese mit genügend Platz, Strom und vorbildlich sauberen Sanitärräumen. Gefällt uns sehr!

Fürs Abendessen haben wir zwar noch Vorräte im MoMo-Regal, aber mir ist heute weniger nach Kochen als nach Essen gehen. Denn für meinen Geschmack haben wir in diesem Urlaub noch zu wenig leckeren Fisch gegessen. Und so werden die Fahrräder abgeschnallt und wir machen uns auf in den Nachbarort Hällevik. Es soll dort ein Restaurant namens Dagmars geben, was zumindest mal nicht ganz schlecht sein soll.

Das Fahrradfahren macht nach dem Fahrtag richtig Spaß und als wir im Ort ankommen, spielt sogar eine Band auf einer Bühne! Das Restaurant ist schon gut gefüllt und wir haben fast den Eindruck, dass wir einen der letzten verfügbaren Tische kriegen. Wieder mal Gück gehabt!

Das noch größere Glück ist dann aber das Essen selber: So einen leckeren Muscheltopf habe ich in meinem Leben noch nicht gegessen. Fette Empfehlung, wenn man Muscheln mag! Wenn man, so wie Annette, das nicht so mag ist aber auch die Räucherfischplatte ein Kracher. Wir sind beide hellauf begeistert und beschließen spontan uns morgen bei der angeschlossenen Rökeriet mit Vorräten einzudecken.

Den Abend verbringen wir dann noch auf den Steinen an der Hafenmole und beglückwünschen uns zu der Entscheidung, zum Meer zurückgekehrt zu sein. Die nächsten Tage werden auf jeden Fall eines: Läcker!