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Letzter Tag in der Bretagne. Wir wollen/müssen heute die Rückreise antreten, damit das Ganze nicht in Arbeit ausartet.IMG_4204-Bearbeitet.jpg

Zunächst aber machen wir nach dem Frühstück noch eine Hundepipirunde und entdecken dabei die wirklich schön-schlichte Chapelle mit den wunderbar im Sonnenlicht leuchtenden Fenstern. Und auf dem Rückweg decken wir uns noch mit weiteren Flaschen des gestern Abend immer noch für äußerst lecker befundenen Philomenn.IMG_4203-Bearbeitet.jpg

Als wir uns dann auf den Weg machen steht das Standardprogramm auf dem Tagesplan: Vorräte im SuperU kaufen und tanken. Aber als wir dann sehen, dass das Navi uns eh an unserer Partnerstadt Quimper vorbeilotst, die wir gedanklich schon wieder auf die nächste Bretagnetour verschoben hatten, sind wir ganz spontan und entscheiden uns um. Statt dem 200km entfernten Rennes wird dann halt Quimper besucht.IMG_4207.jpg

Und wir finden, dass das eine gute Wahl war. Zum einen, um das schlechte Gewissen zu beruhigen, weil man jedes Mal die Partnerstadt links liegen gelassen hat. Zum anderen, weil Quimper einen wirklich sehr hübschen Stadtkern hat. Viele alte Gemäuer und nette Lädchen. Und so etwas wie die überdachte Markthalle hätte ich zuhause auch gerne! Besonders schräg finden wir die übertrieben vielen Brücken über die L’Odet. Praktisch alle 10 Meter gibt es eine von den Dingern. Wirkt so ein bisschen, als hätten die Stadtväter damals Papa-ante-Portas-mäßig einen Großeinkauf getätigt…IMG_4211.jpg

Jetzt soll es aber wirklich Richtung Osten gehen. Also ab auf die Schnellstraße Richtung Lorient. Da wir die Hunde in Quimper nicht mitgenommen hatten, ist der Plan, am nächsten Rastplatz anzuhalten und ihnen ein bisschen Auslauf zu verschaffen. Nur: Es kommt keiner. Und an der Tanke, die wir in unserer Not ansteuern, ist es auch so ungemütlich, dass man nicht wirklich raus will. Da habe ich die rettende Idee: Nur 10km von hier ist doch der Strand von Guidel Plages, wo wir im Herbst vor 2 Jahren standen. Also kurz das Navi umprogrammiert und abgebogen!

Es ist schon ein etwas anderes Gefühl, wenn man genau weiß, was einen erwartet. Wir steuern „unseren“ Stellplatz am Strand an und nach einer Kaffeepause mit der leckeren Brioche aus Locronan dürfen die Hunde sich ein letztes Mal am Strand austoben. Insbesondere Elli hat das Buddeln zu einer neuen Kunstform weiterentwickelt. Sie wartet brav damit, bis wir uns hingesetzt/-legt haben, um uns dann zielsicher mit dem schwungvoll nach hinten gebuddeltem Sand zu beglücken. So ein kluger Hund!

Wir stellen fest, dass der Strand deutlich windgeschützter ist als der auf Crozon, so dass wir alle schützenden Jackenhüllen fallen lassen, um noch mal Sonne zu tanken. Die Wetteraussichten für Zuhause sehen grausig aus – wir wollen hier nicht weg!

Aber die Vernunft siegt dann doch. Den kurzfristigen Plan, einfach zu bleiben und dann entsprechend längere Etappen für die Rückfahrt in Kauf zu nehmen, verwerfen wir dann doch wieder, steigen ein, winken dem Meer ein letztes Adieu zu und befinden uns alsbald auf der Autobahn Richtung Rennes und Caen.

Als nicht sehr anspruchsvolles Etappenziel haben wir eine France-Passion-Farm ca. 25km südlich vom Mt. Saint Michel auserkoren. Sah auf der Karte noch recht nah an der Autobahn aus, entpuppt sich aber dann doch als ein Trip über die Dörfer. Aber schöne Dörfer! Es wirkt wirklich alles sehr friedlich, urig und irgendwie aus der Zeit gefallen.

Auf dem Hof melden wir uns brav an, was vom Sohn des Hauses aber nur mit einem freundlichen Achselzucken quittiert wird. Er muss sich mehr darum kümmern, den immensen Berner Sennenhund festzuhalten, der uns freundlich begrüßt, aber nur aufgrund seiner enormen Ausmaße auch ein bisschen bedrohlich wirkt. Der muss nur einmal auf Elli draufspringen, dann ist sie platt wie eine Flunder! Entsprechend vorsichtig fällt dann auch die abendliche Hunderunde aus…IMG_4219-Bearbeitet.jpg

Die anstehende lange Rückfahrt dämpft unsere Abenteuerlust doch sehr. So verlockend wie all die Orte in Finistere klingen, Camaret-sur-Mer!, Lampaul-Plouarzel!, Pougastel!, so sehr brauchen wir jetzt mal Zeit, um Meer und Strand zu genießen. Klar ist uns schon jetzt, dass wir baldmöglichst wiederkommen werden, also warum weiter hetzen?

Der morgendliche Ausblick aus dem Alkoven in Richtung Sonnenaufgang deutet auf einen weiteren schönen Herbsttag hin.

Und als wir uns für einen vormittäglichen Strandspaziergang aufmachen, haben wir blauesten Himmel, fast komplette Windstille und ziemliche Ebbe.

Das gibt natürlich wieder viel zu fotografieren her und den Vogel schießt Annette mit ihren tollen Detailfotos ab. Die tanzenden Lichtreflexe im Wasser geben auch schon ein fast psychedelisches Video her, dass ich aber diesmal dank SFR nicht hochladen kann. Wir sparen gerade Daten…

Nachdem wir uns ordentlich durchgelüftet haben, müssen wir ein typisches Womo-Problem lösen: Wir müssen dringend Wasser fassen. Und wie es der Zufall will, soll einen Kilometer weiter ein anderer toller Stellplatz sein, der sogar gratis Wasser und Strom zur Verfügung stellt. Perfekt! Dumm nur, wenn man den Stellplatz zunächst übersieht und dann bei der Besichtigung feststellt, dass man vielleicht in der Hochsaison bei der Surfschule Wasser tanken kann, aber das Aufdrehen des Wasserhahns nur ein trauriges Tröpfchen laufen lässt.

Also konsultieren wir unsere Stellplatzführer und stellen fest, dass man ein paar Kilometer weiter in Plœmeur einen Cityparkplatz mit allem Schnick und Schnack vorfindet. Nun, vorfinden soll. Denn von irgendwelchen Womo-Facilities ist nix zu sehen. Nachdem wir in der Bäckerei erst mal einen süßen Frustkauf für das spätere Kaffeetrinken getätigt haben, stellen wir auch beim Office du Tourisme fest, dass die Saison vorbei ist: zu! Immerhin gibt es aber einen Zettel mit Stell- und Versorgungsplätzen in der Nähe.

Und einen davon steuern wir an und werden auch fündig. Die Station hat zwar schon bessere Tage gesehen, aber wir können den Wassertank wieder füllen – Mission accomplished!

Jetzt aber schnell wieder zurück zu Strand und Meer – wir haben schon Entzugserscheinungen! Und als wir an “unserem” Strand vorbeifahren, beschließen wir kurzerhand, einfach wieder auf den Stellplatz zurückzukehren. Denn bis auf den abendlichen Fluglärm war es eigentlich ein wunderbarer Platz: strandnah und trotzdem tote Hose.

Wir belohnen uns für unsere gute Wahl mit den Leckerein aus der Bäckerei. Es ist übrigens wirklich frappierend, wie viele kunstvoll leckere Backwaren man allerorten in den Bäckereien findet. Wir kommen jedesmal in regelrechte Gewissenskonflikte, dass wir nicht einfach alles kaufen, geschweige denn essen können.

Am späten Nachmittag zieht es uns dann wieder an den Strand: Ganz abenteuerlustig gehen wir einfach mal rechtsrum in Richtung des Flop-Stellplatzes von heute morgen.

Und wir stellen fest, dass auch der Strand dort sehr schön zum Wellengucken, Lichtspielbewundern und Seelebaumeln geeignet ist.

Den Rückweg zum MoMo bahnen wir uns dann über Trampelpfade landeinwärts durch eine hügelige Heidelandschaft. Ein bisschen mulmig ist uns schon, da wir dort heute morgen zwei Franzosen bei der Was-auch-immer-Jagd mit ihren Luftgewehren(?) gesehen und gehört haben und auch jetzt wieder Stimmen und Hundegebell irgendwo aus der Heide zu uns dringen. Und Annette singt, um auf uns aufmerksam zu machen “Trara, es tönt wie Jagdgesang” – nicht beruhigend!

Trotzdem kommen wir unversehrt am Wohnmobil an und genießen den abendlichen Blick aus dem Fenster. Noch einmal schlafen und dann heißt es: Bretagne, adieu!

Da sich das Wetter sehr vergraut, sieht unser Plan so aus: Wir wollen die Südküste verlassen und Richtung Norden ein paar Kilometer machen und bis zur Nordküste der Bretagne kommen.

Auf dem Weg wollen wir in Auray noch die lästige Geschichte mit dem falschen Handyguthaben-Kauf in Vannes regeln, da wir ansonsten internetmäßig auf dem Trockenen säßen. Und Auray soll ein nettes Städtchen mit einer sehenswerten Altstadt sein. Passt doch!

Da wir auch kein Brot mehr haben, gibt es zum Frühstück halt ein bisschen Müsli und wir wollen uns in Auray ein nettes Café für ein zweites Petit Dejeuner suchen. Und wir haben wirklich Glück, denn wir machen einen tollen Fund: Mit dem L’Epicerie finden wir nämlich ein ausgesprochenes Schmuckstück von Café-Restaurant. Im Stile des hundert Jahre alten Lebensmittelgeschäfts eingerichtet, mit guter Musik und einer äußerst freundlichen Bedienung, die sogar bereitwillig englisch mit uns spricht, was die Verständigung doch sehr vereinfacht. Und wer kann schon bessere Croissants servieren als die Franzosen?

Solchermaßen gestärkt, begeben wir uns in die Stätte des Bösen: den SFR-Shop. Das kann ich nach unseren heutigen Erlebnissen getrost so sagen. Zwar werden wir wie immer wirklich freundlich bedient und der Tüp in Auray kann sogar recht gut englisch. Aber das, was wir wollen, kommt ihm doch sehr komisch vor. Ein Umtausch des falschen Guthaben-Bons könne man nur in Vannes machen. Und 1GB-Internet-Guthaben können man nicht aufladen. Ich könne aber für 30€ 2GB und kostenlose Telefonie innerhalb Frankreichs haben. Oder aber 10€ Guthaben aufladen. Das gelte dann für Telefon, SMS und Internet. Wäre vielleicht nicht ganz 1GB, würde aber schon reichen. Völlig gottergeben lasse ich mir 10€ Guthaben aufschwatzen und weil wir schon dabei sind, kriegt Annette auch noch 5€ spendiert. Man gönnt sich ja sonst nix. Und tatsächlich funktioniert auch das Internet nun wieder. Cliffhanger: Das war noch nicht alles…!

Aber nun erkunden wir erst mal die Stadt, stellen fest, dass die Stände in der Martkhalle alle schon abgebaut werden und stellen uns in Gedanken aus den leckeren Tartes beim Traiteur schon mal ein köstliches Abendessen zusammen. Aber diese und auch den Käsenachschub werden wir, einer alten Micharegel folgend, auf dem Rückweg kaufen. Denn Auray hat neben den schon recht hübschen Gebäuden der Oberstadt auch einen noch älteren Teil am Fluss in der Unterstadt. Und dafür muss man erst richtig bergab gehen, um auf einer alten Steinbrücke den Fluss zu überqueren, der tatsächlich Loch heißt. Fast schon schottisch!

Nachdem wir unseren Erkundungsgang beendet haben, geht es ans Einkaufen. Nun ja, ans Baguette-Kaufen. Denn alle anderen Geschäfte befinden sich in einer ausgedehnten Mittagspause. Autsch!

Und wie wir frustriert Richtung MoMo schleichen, kommt mir die Idee, dass es jetzt doch in der L’Epicerie Mittagstisch geben müsste. Und überhaupt, es war doch so gemütlich…

Also kehren wir kurzerhand schon wieder dort ein und werden von einer überrascht-freundlich lächelnden Bedienung wiedererkannt. Sie gibt sich größte Mühe, uns das an der Tafel angeschriebene Mitttagsgericht zu übersetzen, denn was anderes gibt es auch nicht! Da sich einfach alles lecker anhört, beschließen wir, sowohl die 2 verschiedenen Vor- als auch die Nachspeisen der Formule Midi mitzunehmen. Und was soll ich sagen: Wir haben nichts bereut! Der Laden trägt seinen Titel “Bistrot Gourmand” absolut zurecht. Und als wir noch einen Digestiv zum Abschluss angeboten bekommen, fühlen  wir uns mal wieder wie Gott in Frankreich.

Auf dem Weg zurück zum Wohnmobil machen wir noch eine kuriose Entdeckung. Die Kirche, die gerade renoviert wird, ist in Wirklichkeit eine große Galerie der Künstler der Region, die dort ihre Werke präsentieren können. Und wir sind sehr positiv überrasch, wie vieles uns davon gefällt.

Mittlerweile ist a) schon Nachmittag, b) freundliches Wetter, c) der Wetterbericht für die Nordküste nicht der Kracher und d) mein 10€-SFR-Guthaben innerhalb ein paar Stündchen schon um 5€ geschrumpft. Ups!

Also wird Plan B geschmiedet. Der besagt, dass wir das Viertelstündchen nach Vannes rüber fahre, um im dortigen SFR-Shop den Umtausch zu regeln und eine vernünftige Auskunft zum 1GB-Tarif zu kriegen. Und anschließend geht es dann westlich von Lorient ans Meer.

Der  Plan geht zumindest im ersten Teil nur so Mittel auf. Denn im Shop im immer noch nicht attraktiveren Industriegebiet von Vannes gibt es zwar 4 Handy-Tüpinnen, aber keine von ihnen kann mehr als ein paar Bröckchen englisch. Autsch! Also radebreche ich, unter Zuhilfenahme meiner gesammelten SFR-Quittungen (mittlerweile ein fetter Batzen) und kann zumindest deutlich machen, dass “SFR Connecte Partout” böse ist und ich das doch bitte in “La Carte”-Guthaben umgewandelt haben möchte. Was folgt, erinnert irgendwie an die blödesten Beamtenwitze, die man kennt. Die eine erklärt der anderen, was der Kunde wohl wolle. Das gehe nicht, meint die Dritte, woraufhin die Chefin sagt “Doch!”. Also wird erst mal eine Rückerstattung durchgeführt, wofür man im Computersystem alle Buchungen des vergangenen Samstags durchsehen muss. Cash oder Kreditkarte? Ach so, cash. Also noch mal von vorne. Und tasächlich bekomme ich irgendwann auch meine 10€ ausgezahlt. Das neue 1GB-Guthaben für den “La carte”-Tarif möchte ich jetzt noch kaufen. Ich halte sogar das entsprechende Aufladekärtchen schon in der Hand. “Nein, das ist schlecht. Das ist ja nur für Internet.” wird mir beschieden. An dieser Stelle zweifle ich das erste Mal dann doch an meinem Verstand und zeige noch mal meinen Beleg aus Metz vor, wo doch all das genau so vermerkt ist. Als die Madames dem leicht bekloppten Touristen, der so ein abwegiges Ansinnen hat, schließlich die Karte verkaufen wollen, stellen sie fest, dass das Computersystem streikt. Vielleicht könnte ich ja bei Leclerc nebenan mein Guthaben kaufen…

Im Leclerc werden wir zwar bei Wein, Wasser und Käse fündig, werden aber wegen Handyguthaben in die Fotoabteilung geschickt. Als ich dann sehe, dass man in der Fotoabteilung auch Rasierklingen kaufen muss, zweifele ich doch sehr am französischen Ordnungssystem und wundere mich auch nicht mehr über die Auskunft, dass man so was Obskures wie Internetguthaben nicht aufladen könne. Aber erwähnte ich schon, dass die Franzosen immer sehr freundlich sind…?

Die Faxen dicke habend, beschließe ich, lieber meinen deutschen Freunden von Vodafone ihre frechen Auslandsgebühren zu zahlen, als weitere Lebenszeit mit dem Thema “Französische Mobilfunkunternehmen” zu verschwenden. SFR, non merci…

Und schließlich warten prächtiges Fahrwetter und das Meer auf uns. Warum also weiter rumärgern? Entspannt cruisen wir Richtung Guidel Plage und haben den Ärger von Vorher schon beim Anblick der Wellen, die sich an den langen Stränden brechen, vergessen.

Der erste Stellplatz, den jemand bei Promobil als “schönsten in der Bretagne” bezeichnet hat, ist zwar bis auf zwei Womos menschenleer, aber auch nicht wirklich prickelnd gelegen. Da gibt es zumindest noch einen, der in Sichtweite liegt und deutlich näher am Meer mitten in den Dünen liegt. Können wir ja mal checken. Und er ist nicht nur fast ebenso leer und ebenso kostenlos, sondern auch nur einen Steinwurf vom Meer entfernt. Hurra!

Auf geht’s zum Strand und wir sehen und hören eine Welle nach der anderen hereinrollen und sich auf breiter Front vor dem Strand aufbauen und schließlich brechen. Herrlich!

Und auch wenn die Sonne schon bald hinter einem großen grauen Wolkenfeld verschwindet, ist der Himmel trotzdem noch schön genug beleuchtet, dass wir bis zum offiziellen Sonnenuntergang am Strand sitzen und den Anblick genießen.

Nachher im MoMo stellen wir dann fest, dass nicht nur ein weiter Teil des Strandes (allerdings nicht bei uns) Militärgebiet ist und von daher gerne mal ein Flugzeug einen Nachtanflug über unsere Köpfe probiert. Das kann ja heiter werden.